Tobias Frevel ist Geschäftsführer und Gründer der Energieforen Leipzig.

Tobias Frevel ist Geschäftsführer und Gründer der Energieforen Leipzig.

Bild: © Energieforen Leipzig

Herr Frevel, in der jüngsten Studie der Energieforen wurden Stadtwerke und Kunden nach den 5 Top-Trends der Zukunft befragt. Interessant dabei ist, dass die Kunden den Wert von Business-Ökosystemen so stark betonen, sprich von Dienstleistungen aus einer Hand. Wie erklären Sie sich das und was lässt sich daraus für die Kommunalwirtschaft ableiten?

Wenn man sich die Entwicklung der Produkte und Leistungen der Stadtwerke in den letzten Jahren analysiert, ist oft eine Vielzahl an Einzelprodukten zu erkennen. Eine Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen auch mit Dritten hat kaum stattgefunden oder man hat schlechte Erfahrungen gesammelt.

In den letzten Jahren ist die Welt für viele Kunden, zumindest gefühlt, deutlich komplexer geworden. Die Kunden haben ein klares Bedürfnis nach einfachen und umfassenden Lösungen.
 

Können Sie das an einem Beispiel konkret machen?

Wenn sich ein Bürger eine Eigentumswohnung kaufen möchte, dann entsteht in der Regel ein Bedarf nach Umbauleistungen, energetischer Optimierung, Umzugslogistik und Finanzierung. Wenn der Kunde dies als Service aus einer Hand erhalten kann, entsteht ihm ein Zusatznutzen für den er bereit ist zu bezahlen.

Diese Leistungserbringung zu orchestrieren und oder zu realisieren ist Aufgabe des Business Ökosystems. In Städten und Kommunen gibt es als mögliche natürliche Akteure die Stadtwerke oder Sparkassen, die eine solche Dienstleistung anbieten können.

Ein erster Schritt in diese Richtung wäre für Stadtwerke die Bündelung der rein kommunalen Leistungen, so dass dem Kunden ein Zusatznutzen entsteht. Die Portfoliogestaltung sollte dabei aus Kundenperspektive erfolgen.
 

Energiewende, Nachhaltigkeit, Digitalisierung haben einen umfassenden Transformationsprozess in der Branche angestoßen. Um diesen Prozess zu bewältigen, benötigen Sie laut Ihrer Studie ein klares Zukunftsbild gepaart mit einem sogenannten Purpose. Was meinen Sie damit konkret und wie kann so ein tragfähiges, zukunftsorientiertes Zukunftsbild aussehen?

Die Entscheider der Versorgungsunternehmen haben in dem bisherigen Transformationsprozess erfahren, dass Veränderung nicht zur natürlichen DNA der Unternehmen gehört. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist somit die Veränderung der Unternehmenskultur, die geprägt sein sollte durch Eigenverantwortung und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter.

Die Menschen in den Unternehmen benötigen ein positives Zukunftsbild, an dem sie sich bei ihren Entscheidungen und Handlungen orientieren können. Wenn das Unternehmen sich, den Mitarbeitern und Kunden die Frage nach dem seinem Beitrag zum Gemeinwohl, oder des „Warum“, beantworten kann, hat es auch seinen Purpose.

Dieser hilft die Rolle des Unternehmens in der Gesellschaft zu verstehen sowie jedem Mitarbeiter, seinen eigenen Beitrag dazu einzuordnen. In meinem eigenen Unternehmen zeigen uns die Bewerber regelmäßig auf, dass sie einen tieferen Sinn in ihrer täglichen Arbeit fordern. Mitarbeiter, die dies sehen, sind bereit die dafür notwendigen Veränderungen zu unterstützen und mitzugestalten.


Wie gut sind Stadtwerke in Sachen Zukunftsbild und Purpose aktuell aufgestellt, insbesondere kleinere und mittlere Stadtwerke?


Die Studienergebnisse zeigen klar auf, dass besonders die kleinen und mittleren Unternehmen noch deutliches Verbesserungspotential in diesen Punkten haben. Die Daseinsvorsorge als Purpose entstammt der regulierten Welt. Diese ist alleine nicht mehr ausreichend für die zukünftige Rolle der Stadtwerke. Viele der neuen Geschäftsfelder werden durch Kunden nicht als Daseinsvorsorge wahrgenommen.

In den stark kommunal geprägten Unternehmen ist es von besonderer Bedeutung, dem Anteilseigner die Notwendigkeit eines positiven und gemeinschaftlichen Zukunftsbilds aufzuzeigen. Die Strategie der kleineren und mittleren Unternehmen ist aus der Historie und Regulatorik geprägt.

Strategie sollte aber dazu dienen sich im Wettbewerb zu differenzieren und sich einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten. Diesen liefert die Regulatorik leider nicht. Es bedarf somit eines klaren Zukunftsbildes, an dem die Strategie ausgerichtet wird.
 

Ein klares Zukunftsbild macht aber noch nicht allein zukunftsfähig. Was sind für Sie die anderen zentralen Erfolgsfaktoren, damit die erforderliche Transformation gelingen kann?

Zukunftsfähigkeit hängt sicherlich von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das Zukunftsbild ist die Basis, um die Führungskräfte und Mitarbeiter zu begeistern und sich von der Arbeitsgruppe zum Hochleistungsteam zu entwickeln. Es gibt die Orientierung für die weitere Entwicklung des Portfolios und der Geschäftsfelder.

Diese müssen zum Unternehmen mit seinen Kernkompetenzen passen, ohne im Alten zu verweilen. Die Unternehmen sollten den Nutzen von Business Ökosystemen erkennen und ihre Rolle darin definieren. Am einfachsten kann dies vermutlich jedes Stadtwerk am Beispiel von Projekten zur Quartiersentwicklung erlernen.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Einen ausführlichen Beitrag zu der neuen Studie der Energieforen Leipzig und dem Weg des Stadtwerks zum Werk der Stadt lesen Sie in der kürzlich erschienenen Oktoberausgabe der ZfK.

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