Die Kommunalversorger müssen auf den Veränderungsdruck reagieren - die Rahmenbedingungen verändern sich immer schneller.

Die Kommunalversorger müssen auf den Veränderungsdruck reagieren - die Rahmenbedingungen verändern sich immer schneller.

Bild: © Rawpixel.com/Fotolia

Moderne Alltagserfahrungen der Menschen beim Umgang mit der zunehmend digitalisierten Service-Umwelt müssen auch die Stadtwerke aufgreifen. Das ist die Grundthese von Ralf Kurtz, Partner Energy and Utilities Consulting bei Price Waterhouse Coopers (PWC). Doch natürlich weiß der Wirtschaftsexperte nur allzugut, dass es sich leichter über den Trend zum integrierten Service-Provider vortragen lässt, als das unter den gegebenen Bedingungen auch so schnell wie nötig umzusetzen – viel Diskussionsstoff also beim 16. Mitteldeutschen Energiegespräch, das mit seinem Begründer und Organisator Rainer Otto in Leipzig Station machte.

Rund die Hälfte der Stadtwerke, so hat PWC ermittelt, will schon bald mit auf diesem Zug sitzen und sieht ihre Zukunft als moderner Dienstleister, der nicht mehr nur Strom und Gas, sondern Mehrwertdienste liefert – und trotz Fernauslese und digitaler Steuerung von Kundenanlagen immer noch der Versorger in der Heimat bleiben will.

Kooperation mit Wohnungsgesellschaften

"Wollen allein ist noch nicht Können", sagt Kurtz, und fügt hinzu, dass es nicht nur beim Rollout der Smart Metering-Gateways durch die Bundesbehörden enorme Zeitverzögerungen gibt. Auch bei den Fähigkeiten, die erfassten Daten zu verarbeiten, die Schaltbarkeit von Anlagen für Mieterstrom und auf den unteren Spannungsebenen und nicht zuletzt bei der Problematik, handlungs- und marktfähige Strukturen zu bilden, gebe es noch massiven Handlungsbedarf bei den Kommunalen.

"Wir können heute davon ausgehen, dass die Vermieter bei einer nun bald zu erwartenden Verfügbarkeit der Systeme zunehmend einen Energiedienstleister auswählen werden, der alles aus einer Hand bietet und natürlich attraktive Preise und guten Service erwarten lässt", sagt Kurtz und nennt solche Zusatzservices wie die klimaintelligente Immobiliensteuerung oder ein komplettes Wechselmanagement bei Mietwohnungen – natürlich bei maximaler Transparenz für Vermieter und Mieter, etwa durch eine personalisierte App. Ob das vor allem kleine Stadtwerke bieten können, werde sich zeigen, aber auch, inwieweit die bisherigen Anbieter von Messdiensten hier in diesen Markt vordringen können. "Es ist in diesen Fällen sinnvoll, mit anderen Unternehmen zu kooperieren, natürlich auch mit den Wohnungsgesellschaften zusammen zu kommen", rät Kurtz.

"Nicht den Anspruch, ein neues Google zu werden"

Holger Krawinkel, Leiter Customer Experience und Innovation bei der MVV Energie AG, benennt ein weiteres Dilemma: Derzeit werde ja noch mit den alten Geschäftsmodellen Geld verdient, bei innovativen Konzepten steht zuerst die kostenintensive Anlaufphase an – und eine ungewisse Rendite. "Wir haben inzwischen einen Inkubator mit 15 Mitarbeitern, in dem wir neue Ideen vorbereiten und prüfen", sagt Krawinkel. Das erfordere aber einen täglichen Kampf um die Ressourcen, bis hin zu einer veränderten Fehlerkultur im Unternehmen. "Wir arbeiten an Lösungen für intelligente E-Mobilität oder neuen Liefervertragsmodellen, aber wir werden nicht den Anspruch haben, ein neues Google zu werden", sagt Krawinkel. Die Risiken, das verlangen die Gesellschafter, müssen sehr begrenzt bleiben. Von externen Start ups, die zunehmend von Unternehmen ab sehr frühen Phasen finanziell begleitet werden, erwarte er hingegen eher selten eine konkrete Anwendung für sein Unternehmen.

Die Leipziger Stadtwerke gehen einen ähnlichen Weg – Vorsicht und ein überschaubarer Mitteleinsatz gehören zur Strategie, berichtet Christian Güthert, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung. Beim ursprünglich im europäischen Rahmen angelegten Entwicklungsprojekt Smart City habe die Stadt jetzt in der Bewerberrunde für das "Triangulum" einen Rückschlag hinnehmen müssen, werde aber zumindest einige der Vorhaben im Quartiersmanagement auch aus eigener Kraft vorantreiben. "Das alles geschieht immer mit Augenmaß, aber es ist sogar da schon fast ein Kulturkampf: Ihr seid aber altbacken!, sagen die Innovatoren. Ihr feiert auf unsere Kosten ein Party!, argwöhnen Andere." Das größte Hindernis aber bleiben Themen wie Datenschutz und Regulierungen – bis hin zum Submetering. (masch)

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