Heike Heim, die Vorsitzende der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21), will das Unternehmen zu einem innovativen Energiedienstleister weiter entwickeln.

Heike Heim, die Vorsitzende der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21), will das Unternehmen zu einem innovativen Energiedienstleister weiter entwickeln.

Bild: © DEW21

Die Dortmunder DEW21 will sich künftig nicht mehr allein über die klassische Energie- und Wasserversorgung definieren. "Wir entwickeln uns zu einem nachhaltigen Lebensversorger", erklärte Heike Heim, die Vorsitzende der DEW21-Geschäftsführung, bei einem Gespräch mit Journalisten in der vergangenen Woche. Die ehemals getrennten Sektoren wie Energie, Mobilität, Kommunikation und Stadtentwicklung würden mit rasanter Geschwindigkeit zusammenwachsen. Gleichzeitig änderten sich die Bedürfnisse im städtischen Miteinander. "Komfort aus einer Hand, digitaler Konsum und digitale Lebensbegleitung sind gefragt", betonte Heim. Im Zuge der digitalen Transformation der Energiewirtschaft würden deshalb klassische Versorgungsprodukte immer mehr durch digitale Lösungen substituiert werden. "Mittelfristig droht Energieversorgern ohne klare Digitalisierungsstrategie der Verlust ihrer Spielberechtigung", stellte sie klar. Zum Vergleich: Die DEW21 hat die IT-Projekte in den vergangenen Jahren verdreifacht, allein die Roadmap für das laufende Jahr beinhaltet mehr als 70 Projekte.

Neue Ansätze im Vertrieb

Bis 2024 investiert das mehrheitlich kommunale Unternehmen rund 440 Mio. Euro in seine Zukunftsfähigkeit. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 100 Mio. Euro für die Neuausrichtung zum nachhaltigen Lebensversorger aufgewendet. Teil dieser Neuausrichtung ist auch der im laufenden Jahr geplante Marktstart einer neuen Vertriebstochter, der "StadtEnergie", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Diese soll bundesweit Energieprodukte vertreiben und Commodityprodukte mit energienahen und energiefernen Dienstleistungen zu neuen Produktkombinationen bündeln. Das Unternehmen wird räumlich und operativ von der DEW21 getrennt und noch deutlich agiler und digitaler ausgerichtet sein. "Es soll in der Lage sein, digitale Trends und Entwicklungen schnell umzusetzen und weiterzuentwickeln. Die Erfahrungen aus den neuen IT- und Vertriebsprozessen wollen wir für unseren klassischen Vertrieb bei der DEW21 nutzen", so die Sprecherin weiter. Ziel sei es, beispielsweise, mit der neuen IT- und Vertriebsprozessstruktur allen Anforderungen an ein modernes, End-to-End betrachtetes Kundenerlebnis gerecht zu werden. Die Stellen für die Mitarbeiter der neuen Tochtergesellschaft wurden extern ausgeschrieben.

Neues PV-Produkt

Die Nachhaltigkeit spiegelt sich laut Pressemitteilung auch im Erneuerbaren-Ausbau sowie dem Produktportfolio wider. Als Beispiel werden unter anderem die neuen Photovoltaik-Produkte angeführt. Diese erhält der Kunde gebündelt von einer intelligent geregelten, sicheren PV-Anlage mit dem Smartphone bis zum Stromspeicher und einer leistungsfähigen E-Auto-Ladestation. Gleiches gelte für die Elektromobilität: Unter der Marke "fahr-e" biete das Unternehmen seinen Kunden sämtliche Leistungen im Bereich Elektromobilität aus einer Hand. Abgerundet wird dieses Angebot durch zusätzliche Services wie der "fahr-e Lade-App" und der "fahr-e Simulator-App" sowie gezielte Kooperationen mit dem lokalen Handwerk und Autohäusern.

Nahezu 100prozentige LoRAWAN-Abdeckung in Dortmund

Zur Rolle als nachhaltiger Lebensversorger gehört auch der Infrastrukturbetrieb. Neben den klassischen Versorgungsnetzen bekommen hiuer auch digitale Netze wie LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) eine immer größere Bedeutung. "Wir verstehen uns hier zunehmend auch als Betreiber moderner Lebensadern, die das Rückgrat einer Smart City sind", bekräftigte Heim. Erst im Herbst hatte die DEW21 mit der Tochtergesellschaft DOdata GmbH in Dortmund ein Unternehmen etabliert, das konkrete Anwendungen im Bereich Internet-of-Things und Datenmehrwertservices umsetzt. Erste Anwendungen konnte DOdata bereits pilotieren, zwei davon sollen in diesem Jahr in den Livebetrieb übergehen. Das LoRaWAN-Netz der DEW21 deckt bereits nahezu 100 Prozent der Outdoor-Flächen in Dortmund ab.

Voraussichtliches Jahresergebnis über Plan

Im Erzeugungsbereich hat das Unternehmen trotz widriger Rahmenbedingungen sein Windkkraftportfolio um zwei neue Anlagen im nordrhein-westfälischen Straelen erweitern können. Der Energieversorger erzeugt aktuell rund 255 Mio. kWh Strom mit Wind-, Wasserkraft und Photovoltaik. Auch der Aufbau einer klimafreundlichen Wärmeversorgung in der Dortmunder Innenstadt schreitet voran. Rund 25 Prozent der Bautätigkeiten sind bereits abgeschlossen, im Laufe des Jahres sollen zwei von insgesamt drei geplanten Energiezentrralen in Betrieb genommen werden. Das Energieunternehmen feiert zudem im laufenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Operativ ist der Versorger weiterhin auf Kurs. Gemäß den vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2019 wird ein Ergebnis nach Zinsen vor Steuern (EBT) von 48,2 Mio. Euro erwartet. Damit liegt das Unternehmen über Plan. (hoe)

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