Eva Weikl ist Mitglied der Geschäftsführung von Badenova Netze, Stephan Nagl ist Leiter des Kompetenzcenters Netze bei der Thüga.

Eva Weikl ist Mitglied der Geschäftsführung von Badenova Netze, Stephan Nagl ist Leiter des Kompetenzcenters Netze bei der Thüga.

Bilder: © Badenova Netze/Thüga

Seit Anfang dieses Jahres ist die Bundesnetzagentur (BNetzA) mit der Energiebranche im engen Austausch zur Weiterentwicklung der Kosten- und Anreizregulierung im Strom- und Gasbereich. Die Marschrichtung der Bonner Behörde lautet: Die Netz­re­gu­lie­rung soll schnel­ler und un­bü­ro­kra­ti­scher wer­den. Die Branche erwartet, dass die mit der Energiewende verbundenen erheblichen Kostenbelastungen berücksichtigt werden.

Im ZfK-Interview äußern sich Eva Weikl, Mitglied der Geschäftsführung der Badenova Netze und Stephan Nagl, Leiter des Kompetenzcenters Netze bei der Thüga, grundsätzlich positiv über den bisherigen Konsultationsprozess (NEST) mit der Bonner Behörde. Grundsätzlich bereitet ihnen der regulatorische Rahmen allgemein aber Kopfzerbrechen. Kritisiert werden etwa die "unbeständige Förderpolitik" und auch der nicht in Gang kommende Hochlauf von Wasserstoff.

Frau Weikl, die Bundesnetzagentur stellt den aktuellen Regulierungsrahmen auf den Prüfstand. Der NEST-Prozess (Netze, Effizient, Sicher, Transformiert) befindet sich in der Diskussion und der Konkretisierung. Was ist essenziell, um als Netzbetreiber handlungsfähig zu bleiben, wo gibt es noch Hürden?
Eva Weikl: Als Netzbetreiber verstehen wir uns als zentralen Akteur der Energie- und Wärmewende und haben dabei die Verpflichtung, die Transformation im Gleichklang von Daseinsvorsorge, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit voranzutreiben. Das gilt aus meiner Sicht für die Gegenwart als auch für die Zukunft. Dafür benötigen wir ein umfassendes, ganzheitlich ausgerichtetes Instrumentarium, das uns Handlungsfähigkeit und Stabilität für unsere Kernaufgaben gibt.

Hier befürworten wir einen Rahmen, der Vorgaben zur Kapitalverzinsung, der OPEX-Kostenanerkennung und dem Effizienzvergleich macht. Diese sollen den Netzbetreiber dazu anreizen, die Energiewende möglichst zügig und kosteneffizient voranzutreiben, die Wahl der konkreten Ausgestaltung  ihm aber soweit möglich selbst überlassen. KANU 2.0 hat uns hier schon einen guten Spielraum gegeben.

"Uns ist wichtig, dass die BNetzA ihr Ziel, den Regulierungsrahmen konsequent zu vereinfachen, auch weiterverfolgt." (Stephan Nagl, Kompetenzcenterleiter Netze bei der Thüga)

Herr Nagl, wie gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit zwischen Ihrem Unternehmen und der Bundesnetzagentur? Was unternehmen die Verteilnetzbetreiber und Thüga konkret, um die Herausforderungen und Lösungsansätze der Branche sichtbar zu machen?
Stephan Nagl: Wir verstehen uns als Gesprächspartner und engagieren uns in der Diskussion mit der Bundesnetzagentur, denn wir haben ein gemeinsames Ziel, die Energie- und Wärmewende zum Erfolg zu führen. In der Thüga-Gruppe vereinen wir über 100 Partnerunternehmen und damit eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen, sodass wir der BNetzA ein umfassendes Bild der Herausforderungen und Lösungsansätzen vermitteln können. Auch mit Badenova Netze sind wir im regelmäßigen und engen Austausch.

Wir verfügen im Netzwerk über langjährige und umfassende Praxiserfahrung aus der deutschen Netzbetreiberlandschaft. Mit diesem Erfahrungsschatz können wir zur Entwicklung eines flexiblen Regulierungsrahmens für Energienetze beitragen. Beim NEST-Prozess ist uns gemeinsam wichtig, dass die BNetzA ihr zu Beginn formuliertes Ziel, den Regulierungsrahmen konsequent zu vereinfachen, auch weiterverfolgt. Was nicht der Fall sein sollte, ist, dass Vereinfachungen an einer Stelle – wie beispielsweise der WACC-Ansatz – auf Komplexität an anderer Stelle stoßen,  wie etwa im Fall einer Verkürzung der Regulierungsperioden.

"Die Energiewende muss finanziell tragfähig und für Investoren attraktiv bleiben." (Eva Weikl, Geschäftsführung Badenova Netze)

Frau Weikl, NEST soll einen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Energiewirtschaft leisten. Welche Erwartungen haben Sie an die weitere Entwicklung von NEST?
Eva Weikl: NEST und dessen Prozess sehe ich als einen richtigen und guten Weg. Die Bundesnetzagentur setzt mit NEST wichtige Akzente, die wir als Netzbetreiber auch immer wieder eingefordert haben und im Sinne einer Aktualisierung der Rahmenbedingungen an die veränderten Gegebenheiten auch benötigen. Letzten Endes kommt es wie bei allem auf die finale Umsetzung an. Hier erhoffen wir uns, dass wir auch über die Regulatorik einen Baustein zu einem verlässlichen, finanziellen Rahmen erhalten. 

Der Netzbetrieb muss gesichert und Deutschland wettbewerbsfähig gehalten werden, besonders in seiner Rolle für die Daseinsvorsorge. Die Energiewende muss dabei finanziell tragfähig und für Investoren attraktiv bleiben, was einen stabilen politischen und regulatorischen Rahmen erfordert. Ein entscheidendes Element innerhalb NEST ist daher die Ausgestaltung der Kapitalverzinsung, die konkurrenzfähig sein muss. Ein darauf ausgerichteter regulatorischer Rahmen ist deshalb ein entscheidender Erfolgsfaktor.  


Herr Nagl, wie sehen Ihre konkreten Erwartungen hier aus ?
Stephan Nagl: Das Vorgehen der BNetzA im NEST-Prozess finde ich sehr gut und zielführend. Thesen zu formulieren und Fragen an die Branche zu adressieren, ist aus meiner Sicht die richtige Herangehensweise. Auf diesem Wege wurden bereits sehr gute und vor allem einfache Regelungen gefunden – die Verteilung der Netzkosten aus der Integration erneuerbarer Energien ist ein Beispiel dafür.

Insgesamt bereitet mir der regulatorische Rahmen jedoch Kopfzerbrechen. Durch die Gesetzes- und Verordnungsflut sowie unbeständige Förderpolitik wird meines Erachtens mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen und dringend benötigte Investitionen werden dadurch ausgebremst.

Zur Veranschaulichung: Stromnetzbetreiber sollen Mess- und Steuerungstechnik verbauen – die Nutzung nach §14a verpflichtet jedoch zum Netzausbau. Wir planen ein Wasserstoffkernnetz und lassen die Frage nach der Anbindung von Kunden in den Regionen unbeantwortet. Wir wollen Wasserstoff im Zuge der Dekarbonisierung einsetzen und stellen im ersten Schritt viel zu detaillierte Anforderungen für die Produktion respektive den Import auf. Dann darf man sich nicht wundern, wenn der Hochlauf von Wasserstoff nicht in Gang kommt. Daher sollte aus meiner Sicht die Regulierung insgesamt verschlankt und das Vertrauen in den Markt gestärkt werden.

Es geht doch aber auch um Effizienz. Welche Möglichkeiten sehen Sie Herr Nagl hier, gerade in der Zusammenarbeit und einem gemeinschaftlichen Vorgehen aus Sicht der Thüga?
Stephan Nagl: Unbedingt geht es um Effizienz. Die Energie- und Wärmewende wird nur erfolgreich, wenn wir Kunden wettbewerbsfähige Preise anbieten können. Und die Infrastrukturkosten haben einen wesentlichen Anteil an diesen Preisen. Insofern ist es vollkommen richtig, dass Bundesnetzagentur und Landesregulierungsbehörden von uns als Netzbetreibern Effizienz einfordern.    

Wir als Thüga-Gruppe leben diesen Gedanken, bündeln Aktivitäten, heben Skaleneffekte und entwickeln gemeinsam Lösungen für mehr Effizienz. Beispielsweise beschaffen wir seit vielen Jahren Netzinfrastrukturmaterialien über eine gemeinsame Einkaufsplattform. Ebenfalls gemeinsam entwickeln wir IT-Lösungen wie ein Workforce-Management-System. So heben wir Effizienzen von denen die Netzkunden profitieren. Dass solche Modelle ganz ohne gesetzgeberischen Zwang funktionieren und noch ausgebaut werden können, stellen wir in der Thüga-Gruppe unter Beweis.

"Datenanalyse und Digitalisierung können den Investitionsbedarf und die Finanzierungskosten nachhaltig entlasten." (Eva Weikl, Geschäftsführung Badenova Netze)

Im Zusammenhang mit Verteilnetzbetreibern und einem Gelingen der Energie- und Wärmewende fällt ganz schnell auch mal das Wort „Digitalisierung“. Welche Potenziale sehen Sie, Frau Weikl, konkret noch für die Branche beim Thema Digitalisierung und Datenanalyse?
Eva Weikl: Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. Es geht auf der einen Seite darum, wie wir einen optimalen Netzausbau gewährleisten. Denn der Ausbau ist aktuell noch zu eng an den reinen Erfordernissen der sogenannten „Kupferplattform“ ausgerichtet. Es muss nicht zwangsläufig immer das noch dickere Kabel sein. Datenanalyse und Digitalisierung sind essenzielle Faktoren, um die Netzplanung mittelfristig zielgerichteter zu steuern und langfristig eine optimale Netzauslastung zu erreichen. Dies kann den Investitionsbedarf und die Finanzierungskosten nachhaltig entlasten.

Zum anderen geht es aber auch um die grundsätzliche Digitalisierung unserer Netzprozesse, angefangen beim Netzanschlussprozess, über ein Customer Self Service Center und die Möglichkeit weiterer digital unterstützter Dienstleistungen. Das alles funktioniert aber nur, wenn wir zunächst an Datenbereitstellung und Datenhaltung arbeiten. Das wird auch Kosten in die IT-Infrastruktur und IT-Sicherheit bedeuten, die wir kontinuierlich über die Regulierung erwirtschaften müssen.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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