Die Drewag wird ihre Investitionsoffensive fortführen. Das hat am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang Frank Brinkmann, der Sprecher des Dresdner Energieversorgers beim Neujahrsempfang des Unternehmens am Donnerstagabend angekündigt. Zugleich warnte Frank Brinkmann davor, dass mit der geplanten Kürzung der Kapitalverzinsung für die Netze durch die Regulierungsbehörden dem Unternehmen massiv die Möglichkeiten beschnitten werden könnten, das hohe Investitionsniveau auch über 2024 hinaus zu halten.
2020 wird ein besonderes Jahr für die Drewag
Es waren rund 500 Gäste ins alte Dresdner Kraftwerksgebäude angereist, inzwischen eine Eventlocation mitten in der Altstadt, zu der auch ein Operettenhaus und viel Musizierkunst in der Nachbarschaft bis hin zu einer Musikhochschule gehört. Bundestagsabgeordnete, der sächsische Wirtschaftsminister, Vertreter von BDEW und VKU und natürlich von anderen Stadtwerken kommen schon seit Jahren zu dem Auftakt-Empfang des Unternehmens, das 2020 wohl als ein besonderes Jahr erleben wird.
Regulierungen führen zu Finanzlücke im Haushalt der Stadt
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der die Begrüßung übernahm, sprach jedenfalls gleich Klartext in Richtung Berlin: "Die geplanten Regulierungen der maximalen Kapitalverzinsungen oder auch die Ideen für weiter steigende Mindestlöhne werden im Gesamthaushalt der Landeshauptstadt Dresden bis 2025 zu einer Finanzlücke von bis zu 200 Millionen Euro führen. Das sind unter anderem Erträge aus den kommunalen Unternehmen, die bislang als Ausgleich für die Verluste der Verkehrs- oder Bäderbetriebe zur Verfügung standen, die wir unbedingt benötigen“, so das Stadtoberhaupt.
Netze: Kürzung der EK-Verzinsung kommt teuer
Frank Brinkmann, der "für 2020 und die Jahre danach" Investitionen von mehr als einer Drittel Milliarde Euro in die Unternehmensgruppe Drewag und Enso ankündigte, hieb in die gleiche Kerbe. "Wissen Sie, was der im Raum stehende politische Federstrich zur Kürzung unserer Zinsen aus dem 1,5 Milliarden Anlagevermögen im Leitungsbereich bedeutet? Wir werden einen Ertragsrückgang von 37 Millionen Euro pro Jahr haben, was einem Äquivalent von rund 500 Arbeitsplätzen entspricht", appellierte Brinkmann in Richtung Berlin.
Auch wenn die Versorger versuchten, mit Kostenoptimierungen und dem Aufbau neuer Geschäftsfelder den Folgen entgegenzuwirken, sei das wohl nicht auszugleichen. Für 2020 sehen die Pläne Investitionen von 67,5 Mio. Euro in die Strom- und 26,9 Mio. in die Gasnetze vor, dazu kommen 24,8 Mio. in den Ausbau des Fernwärmenetzes sowie 47,5 Mio. für Telekommunikation/Glasfaser. Für den Bereich Erzeugung sind hingegen 72,3 Mio. vorgesehen, die restlichen 70,7 Mio. Euro fließen in den neuen Verwaltungsbau, IT und weitere Immobilien.
Rückkauf der Thüga-Anteile beste Option
Brinkmann ging in seiner Rede auch auf den im Juni 2019 verkündeten Rückkauf der zehn Prozent Drewag-Anteile von der Thüga durch die Stadt Dresden ein. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, jedoch hätten Gespräche mit der Thüga über eine künftige Überkreuz-Beteiligung letztlich keinen Erfolg gebracht. Die Dresdner wollten sich damit künftig stärker in den Stadtwerksverbund einbringen. Eine reine Finanzbeteiligung des Thüga-Verbundes bei der Drewag mache hingegen keinen Sinn, weil man dann auch Interessen von Partnern aus anderen Regionen verpflichtet gewesen wäre.
Kaufpreis soll schnellstmöglich ermittelt werden
"Wir haben bereits die Enso erfolgreich rekommunalisiert und können nun bald als 100 prozentig kommunales Unternehmen unser Selbstverständnis noch deutlicher herausstellen“, sagte Brinkmann. "Unsere Kunden werden durch ein Energieunternehmen versorgt, dessen Management vor Ort ist und deren investierende Eigentümer ebenfalls vor Ort sind. Der Erfolg fließt, anders als bei den Filialunternehmen der Eon rings um uns herum, ebenfalls komplett in die Region zurück". Ein Kaufpreis für die Thüga-Anteile müsse nun schnellstmöglich ermittelt werden.
Enge Verzahnung von Enso und Drewag wirkt nach
In diesem Zusammenhang verwies Brinkmann auch auf die Umsetzung der paritätischen Mitbestimmung in den Aufsichtsräten. Drewag und Enso sind inzwischen so eng miteinander verzahnt, dass sie im Sinne des Mitbestimmungsgesetzes als Gemeinschaftsbetrieb mit über 3.000 Mitarbeitern gesehen werden. Eine entsprechende Umsetzung durch neue Aufsichtsräte erfolge noch in der kommenden Woche. (masch)



