Seit Beginn des Iran-Kriegs verzeichnet EWE einen deutlich gestiegenes Interesse bei Gewerbe- und Haushaltskunden an PV-Anlagen.

Seit Beginn des Iran-Kriegs verzeichnet EWE einen deutlich gestiegenes Interesse bei Gewerbe- und Haushaltskunden an PV-Anlagen.

Die Intensität des Vertriebswettbewerbs im Energiebereich hat sich seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich eingeschränkt. Die Wechselbereitschaft der Verbraucher sei gesunken, erklärte EWE-Chef Stefan Dohler auf der Bilanzpressekonferenz des Regionalversorgers am Donnerstag (23. April). Im Gegenzug sei das Interesse und der Beratungsbedarf der Haushalts- und Gewerbekunden rund um Lösungen zur Eigenversorgung und zur Flexibilisierung stark gestiegen. "Das läuft gerade massiv hoch und die Nachfrage ist deutlich höher als vor Beginn des Kriegs", erklärte Dohler. Als Beispiele nannte er PV-Anlagen, Wallboxen und Batteriespeicher.

Stefan Dohler ist seit 2018 EWE-Chef.Bild: © EWE

Wenn sich der Markt dreht, kann das schnell nach hinten losgehen.

Stefan Dohler

Vorstandsvorsitzender der EWE AG

Anders als manch andere Versorger hat EWE den Energieeinkauf für Haushaltskunden derzeit nicht komplett ausgesetzt. "Wenn sich hier dann der Markt dreht, kann das schnell nach hinten losgehen“, so Dohler. EWE setze deshalb bei der Energiebeschaffung auf einen "möglichst gedämpften und smarten Mechanismus". Ähnlich handhabe man es bei den Endkundenpreisen. Nach einem breiten Absenken im vergangenen Jahr habe es bei EWE bis jetzt lediglich im Neukundenbereich beim Erdgas eine geringe Preissteigerung gegeben. Das Unternehmen beschaffe langfristig und gebe alle Preissignale gedämpft weiter an die Verbraucher.

Erneuerbaren-Ausbau als Ausweg aus Importabhängigkeit

Die aktuelle Lage an den Energiemärkten zeige aber einmal mehr, dass eine hohe Abhängigkeit von Energieimporten eine Belastung sei. Im vergangenen Jahr habe Deutschland für 80 Milliarden Euro fossile Energien importiert, das könne man künftig "klüger gestalten", verdeutlichte der EWE-Chef. Der Wechsel auf erneuerbare Energien sei hier die beste Antwort, die man geben könne.

Mit Blick auf die aktuell mit 23 Prozent sehr niedrigen Gasspeicherfüllstände hält er aber auch politische Maßnahmen, wie die Schaffung einer nationalen Gasreserve für prüfenswert. Aufgrund des fehlenden Flüssiggases (LNG) für Asien könnten die Gaspreise im Sommer eher weiter nach oben gehen. Damit könnten, Stand jetzt, die finanziellen Anreize zu schwach sein für eine rechtzeitige und ausreichende Befüllung der Gasspeicher zur kommenden Heizperiode.

Ergebnisrückgang trotz annähernd stabiler Ertragskraft

Vor allem Rückgänge im Wind- und Gasspeichergeschäft ließen im vergangenen Jahr das um Sondereffekte bereinigte operative EBIT (oEBIT) um zehn Prozent auf 568,8 Millionen Euro sinken (2024: 631,8 Mio. Euro). Den besseren Aufschluss über die nachhaltige Ertragskraft zeige sich aber im operativen Ergebnis vor Abschreibungen, so Finanzvorstand Frank Reiners. Dieses liege mit rund 1,214 Milliarden Euro nur 3,7 Prozent unter dem Vorjahr. "Wir können daher insgesamt von einer stabilen Ertragskraft des operativen Geschäfts sprechen", so Reiners. Die Normalisierung der Energiepreise in 2025 und ein windschwaches Geschäftsjahr ließen den Umsatz um 6,6 Prozent sinken auf 8,104 Milliarden Euro.

Kapitalerhöhung und Anleihenemission geplant

Der mehrheitlich kommunale Energie- und Telekommunikationsdienstleister plant in den nächsten zehn Jahren Investitionen von rund 16 Milliarden Euro in den Umbau der Energieversorgung. Im vergangenen Jahr wurden 1,6 Milliarden Euro (2024: 1,3 Milliarden Euro) investiert, vorrangig in den Ausbau der regionalen Stromnetze, Erzeugungsanlagen für grünen Wasserstoff und den Erneuerbarenausbau.

Mit dem für das laufende Jahr eingeplanten Investitionsniveau von zwei Milliarden Euro wird laut Stefan Dohler der Investitionspeak erreicht. Die Investitionen würden sich in den kommenden Jahren dann auf einem stabilen Niveau einpendeln. Um das für die Bankdarlehen notwendige Eigenkapital weiter zu stärken, sind in den nächsten Monaten eine Kapitalerhöhung in Höhe von einer halben Milliarde Euro sowie die Emission einer Anleihe am Kapitalmarkt mit einem Volumen von weiteren 500 Millionen Euro geplant.

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