Grünes Licht für die Umstrukturierung des bisherigen Eigenbetriebs, der Stadtwerke Eberbach im Rhein-Neckar-Kreis: Der Rat der 15.000-Einwohnerstadt hat vor kurzem einstimmig die Ausgliederung der Geschäftsfelder Strom und Gas inklusive der dazugehörigen Netze , der Wärme, des Kaufmännischen Service sowie der Contractingtochter e.con GmbH in die neu gegründete "Stadtwerke Eberbach GmbH" zugestimmt. Die Änderung soll rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres wirksam werden, dazu bedarf es noch einer Eintragung ins Handelsregister bis Ende August.
Langer Vorbereitungsprozess
Die ebenfalls profitable Sparte Wasser sowie die defizitären Bereiche ÖPNV und Bäder sowie der Fährbetrieb verbleiben im Eigenbetrieb. Dieser wird in Städtische Dienste Eberbach umbenannt und fungiert als Holding für die beiden Unternehmen. Zwischen GmbH und Eigenbetrieb besteht ein steuerlicher Querverbund. Für den Hafen ist künftig die Stadt zuständig. Dem Beschluss war ein zweijähriger Vorbereitungsprozess vorausgegangen. "Wir hoffen, dass die Ausgliederung der richtige Schritt ist, wir brauchen die GmbH, um zukunftsfähig zu sein", betonte Bürgermeister Peter Reichert laut Lokalmedien.
Mehr Flexibilität, höhere Ergebnistransparenz
Die Aufspaltung soll vor allem die Wettbewerbs -und Kooperationsfähigkeit der Stadtwerke stärken. "Steigende Komplexitäten in der Energiewirtschaft, hoher Wettbewerbsdruck und hohe digitale Prozessanforderungen stellen insbesondere kleinere Stadtwerke vor große Herausforderungen", erklärte Stadtwerkeleiter Günter Haag gegenüber der ZfK. In der Rechtsform der GmbH könne man flexibler agieren, zudem bestehe eine größere Ergebnistransparenz. Die Ertragskraft und die Wachstumspotenziale der einzelnen Bereiche ließen sich besser darstellen.
Eigenkapitalquote verbessert sich deutlich
Der bisherige städtische Eigenbetrieb habe zudem aufgrund einer langjährigen Verlustphase in den Jahren 2006 und 2013 eine zu geringe Eigenkapitalquote und einen zu hohen Verschuldungsgrad aufgewiesen. Ungeachtet der darauf folgenden sechs Jahre mit Gewinn. Durch die Aufstockung des Eigenkapitals auf nunmehr 6,8 Mio. € verändere sich aber nun auch die Kapitalstruktur. Die Eigenkapitalquote steige von elf auf rund 40 Prozent.
Gros der Mitarbeiter bleibt im TVÖD
Die Mitarbeiter bleiben überwiegend Angestellte der Stadt und arbeiten für die GmbH. Sie werden quasi von der Stadt an die GmbH entliehen. Ihre Anstellungsbedingungen und die Bezahlung nach dem TVÖD haben sich im Rahmen des Betriebsübergangs nicht verändert. Günter Haag und weitere Führungskräfte sind hingegen Mitarbeiter der GmbH. Das gilt auch künftig für neue Mitarbeiter, die dann entsprechend auf der Grundlage des TVV angestellt werden.
"Synergien und Skaleneffekte auf Augenhöhe"
Konkrete Gespräche mit möglichen, künftigen Kooperationspartnern gibt es laut Günter Haag noch nicht. "Interesse haben wir sicher schon hervorgerufen", versichert er. Man werde hier zu gegebener Zeit mit dem Aufsichtsrat und der Stadt das weitere Vorgehen besprechen. "Wichtig wären für uns dabei die Realisierung von Synergien und Skaleneffekten auf Augenhöhe", betont der Stadtwerkechef.
Wachtumsfelder im Visier
Mögliche Bereiche für eine Zusammenarbeit sieht er in neuen Geschäftsfeldern, beispielsweise bei den erneuerbaren Energien, dem Messstellenbetrieb, in bestimmten Bereichen der Beschaffung oder des Vertriebs. Wichtig sei es dabei, in Feldern zu kooperieren, die Wachstumspotenziale versprechen. (hoe)



