29 Prozent Absatzrückgang bei Gas, 31 Prozent bei Strom und zwölf Prozent bei der Wärme: In normalen Jahren wären bei solchen Zahlen die Mienen von Stadtwerkechefs ziemlich finster gewesen. Schließlich hätte weniger Absatz gleich weniger Marge bedeutet.
Das vergangene Jahr war aber für die Energiewelt inmitten historischer Marktturbulenzen und bundesweiter Energiesparapelle alles andere als normal. Und so präsentierte Hannovers Kommunalversorger Enercity trotz besagter Absatzrückgänge am Donnerstag insgesamt glänzende Geschäftszahlen.
Enercity-Kundenstamm wächst
Das Konzernergebnis (Ebit) ging im Vergleich zum Vorjahr um fast sieben Millionen Euro nach oben und erreichte mit 218,5 Millionen Euro einen neuen Rekordwert. Der Umsatz wuchs um 61 Prozent auf 8,1 Mrd. Euro.
Zudem seien die Kunden- und Mitarbeiterzahl sowie Investitionen gewachsen, resümierte Finanzvorstand Marc Hansmann. "Mit dem Jahr können wir zufrieden sein. Oder norddeutsch gesagt: Da können wir nicht meckern."
Enercity-Preispolitik
Der hohe Gewinn sei aber nicht zulasten der Kunden gegangen, betonte Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva zugleich. Für grundversorgte Kunden in Hannover berechnet das Unternehmen aktuell laut Preisblatt rund 39 Cent pro kWh. Bei Gas sind es im Schmitt zwölf Cent pro kWh. Alle Werte liegen unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Wie andere Energieversorger dürfte Enercity im vergangenen Jahr in der Stromerzeugung angesichts hoher Großhandelspreise prächtig verdient haben. Das gilt insbesondere für das Erneuerbaren-Portfolio.
Kohlekraftwerk produziert mehr Strom
Hier legte die Stromproduktion nach Unternehmensangaben um zwei Prozent auf insgesamt 1,2 TWh zu. Damit macht die erneuerbare Stromerzeugung 35 Prozent der Gesamtstromerzeugung aus. Mit dem Erwerb von 60 Windparks zu Jahresbeginn dürfte dieser Anteil deutlich steigern – auf mehr als 50 Prozent.
Die Turbulenzen an den Gasmärkten führten zudem dazu, dass das Kohlekraftwerk in Hannover-Stöcken wieder häufiger lief. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Kohleeinsatz um 30 Prozent nach oben.
"Strukturell sind Themen noch nicht gelöst"
Der Gaseinsatz bei der Stromerzeugung ging demgegenüber um fast 40 Prozent zurück. Das Minus wäre noch stärker ausgefallen, wenn der Strom nicht gebraucht worden wäre, um Frankreichs Stromlücken infolge dortiger Kernkraftwerksausfälle zu schließen.
Die Märkte haben sich inzwischen merklich entspannt. Vorbei sei die Krise aber noch nicht, warnte Zapreva. "Wir erwarten für den nächsten Winter, abhängig von den Witterungsbedingungen, wieder eine Anspannung der Situation. Strukturell sind die Themen noch nicht gelöst."
Gute Geschäfte bei PV-Anlagenvertrieb
Sich selbst sieht Enercity aber gut vorbereitet. Der firmeneigene Speicher in Empelde mit einer Kapazität von 2,3 TWh ist derzeit zu 96 Prozent gefüllt. Nur zwei auf der Transparenzplattform AGSI einsehbare Anlagen waren zuletzt noch voller.
Gute Geschäfte machte Enercity nach eigenen Angaben beim Vertrieb von Photovoltaikanlagen, einem noch jungen Betätigungsfeld des Unternehmens. Demnach verdreifachte sich das Auftragsvolumen im Geschäftskundensegment gegenüber dem Vorjahr.
5000. Ladepunkt noch dieses Jahr
Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos kommt das Unternehmen weiter voran. In der ersten Jahreshälfte werde es seinen 5000. Ladepunkt in Deutschland installieren, sagte Zapreva. Bis 2026 will Enercity die Zahl öffentlicher Ladepunkte in der Heimatstadt Hannover auf 1300 erhöhen. "Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Schnellladepunkten." (aba)



