Trotz eines besseren operativen Ergebnisses im ersten Halbjahr hat die deutsch-schweizerische Energiedienst-Gruppe aufgrund der Coronapandemie ihre Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Das für 2020 angestrebte EBIT in Höhe von 41 Mio. Euro werde nicht erreicht, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Als Grund nennt die EnBW-Tochter Belastungen durch negative Kapitalmarktentwicklungen, die sich über die Personalvorsorge Deutschland auf den EBIT auswirkten sowie wirtschaftliche Folgeschäden durch die Corona-Krise.
In Abhängigkeit von der Dauer der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Folgen könnte das geplante EBIT für das Gesamtjahr deutlich unterschritten werden.
Industriekunden nehmen weniger Strom ab
Die Auswirkungen der Coronapandemie belasteten das Unternehmen auch im ersten Halbjahr. Da Industriekunden ihren Absatz teils deutlich reduzierten, mussten überschüssige Strommengen zu deutlichen geringeren Grosshandelspreisen abgesetzt werden. Dies führte im Segment „Kundennnahe Energielösungen“ zu einem Minus von 1,4 Mio. Euro.
Höhere Vermarktungspreise für Strom
Unterm Strich konnte das Unternehmen aber die zentrale operative Steuerungsgröße, den adjusted EBIT, im ersten Halbjahr deutlich auf 24,0 Mio. Euro steigern (1. Halbjahr 2019: 16,0 Mio. Euro). Hierzu trugen nach Unternehmensangaben insbesondere höhere Vermarktungspreise für Strom und eine höhere Stromproduktion in den Wasserkraftwerken im Wallis bei.
Klares Umsatzplus
Auch der Umsatz (Betriebeertrag) kletterte deutlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 49 Mio. auf 532 Mio. Euro. Als Gründe werden die positive Preisentwicklung im Vertriebsgeschäft Strom, die gestiegenen Stromhandelsmengen, ein Anstieg der durchlaufenden regulatorischen Geschäfte sowie höhere Netznutzungserlöse angeführt.
Gestiegene Handelsvolumen
Auch der Gesamtstromabsatz legte um 10,6 Prozent auf 4,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) zu. Das hängt vor allem mit gestiegenen Handelsvolumen im Stromgeschäft zusammen, der Stromabsatz an Kunden ging hingegen um 123 Mio. kWh zurück.
Negative Kapitalmarkteffekte
Die operativen positiven Einflüsse konnten laut Energiedienst aber die negativen Effekte aus dem Kapitalmarkt nicht vollständig kompensieren. Das betriebliche Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank daher gegenüber dem Vorjahr um 1 Million Euro auf 12 Millionen Euro. Die negativen Kapitalmarkeffekte führten zu ergebniswirksamen Bewertungseffekten bei der Personalvorsorge Deutschland. Da die Energiedienst Holding AG ihre Geschäftszahlen nach Swiss GAAP FER publiziert, werden diese Effekte direkt im EBIT gebucht.
Negatives Finanzergebnis
Das Finanzergebnis fällt im Wesentlichen aufgrund der negativen Performance der Wertschriften um rund 5 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr und liegt bei -3 Millionen Euro. Der Periodengewinn nach Steuern der Energiedienst-Gruppe sank daher um 6 Milionen Euro auf 8 Millionen Euro.
"Obwohl uns Corona leicht gebremst hat, kommen wir mit der Implementierung unserer Unternehmensstrategie 2030 voran“, erklärte Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG. Das Unternehmen sei als eines der ersten integrierten Energie-Unternehmen in Deutschland und der Schweiz seit Januar 2020 klimaneutral.
"Nachhaltige Ausrichtung"
"Die Klimaneutralität bildet den strategischen Rahmen für die zukünftige Entwicklung mit den drei zentralen Säulen: Kundennahe Energielösungen, Systemrelevante Infrastruktur und Erneuerbare Erzeugungs-Infrastruktur", sagte Reichert. Damit setzen man auf Wachstum. "Mit der Marke NaturEnergie und dieser nachhaltigen Ausrichtung sehen wir auch die Entwicklung nach der Corona-Pandemie optimistisch." (hoe)
