Von der Braunkohle zur Windkraft: In einer Umfrage zeigten sich Unternehmen skeptisch gegenüber der Energiewende. (Symbolbild)

Von der Braunkohle zur Windkraft: In einer Umfrage zeigten sich Unternehmen skeptisch gegenüber der Energiewende. (Symbolbild)

Bild: © Lucas Maier 

Für jedes dritte Unternehmen hat die Energiewende negative Auswirkungen. Das geht aus dem diesjährigen Energiewendebarometer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor.  
"In vielen Betrieben dominieren aktuell Skepsis und Verunsicherung beim Stichwort Energiewende", fasst Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer, die Ergebnisse zusammen. Hauptprobleme seien hohe Kosten, hoher bürokratischer Aufwand und eine herausfordernde wirtschaftliche Situation.  

Energiewende sorgt weiter für Skepsis  

In der Studie der DIHK konnten die befragten Unternehmen die Energiewende auf einer Skala von minus 100 (sehr negativ) bis plus 100 (sehr positiv) bewerten. Im Mittel liegt die Bewertung in diesem Jahr bei minus 8,3. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag sie noch bei minus 20. Die befragten Unternehmen blicken in diesem Jahr zwar weniger negativ auf die Energiewende, zeigen sich aber weiterhin skeptisch.  

36 Prozent gaben an, dass die Energiewende sich negativ auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Eine positive Auswirkung gab nur jedes vierte Unternehmen an.  

22,7 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurückstellen müssten. Im vergangenen Jahr waren es 21,5 Prozent. Bei Industrieunternehmen zeigt sich dies noch deutlicher. Hier stellen rund 27 Prozent ihre Investitionen in den Klimaschutz zurück.  

Hintergrund zum Energiewende-Barometer 

3600 Unternehmen haben an der Studie, die vom 10. bis zum 30. Juni 2025 erhoben wurde, teilgenommen. Dabei stammte der Großteil der Befragten aus der Dienstleistungsbranche (56 Prozent), 23 Prozent aus der Industrie, 15 Prozent aus dem Handel und 6 Prozent aus der Bauwirtschaft. Durchgeführt wurde die Befragung von der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Den Angaben zufolge zeigen die Werte ein "repräsentatives Stimmungsbild der gewerblichen Wirtschaft."

Preise für Energie belasten Unternehmen 

Hauptgrund für die fehlenden Investitionen dürften die hohen Energiepreise in Deutschland sein. 63 Prozent der Industrieunternehmen und 41 Prozent aller befragten Unternehmen, sehen sich durch die hohen Kosten gegenüber internationalen Konkurrenten benachteiligt.  

Besonders hart trifft es die großen Industrieunternehmen (mit mehr als 500 Mitarbeitenden). Jedes zweite dieser Unternehmen (59 Prozent) schränkt bereits die Produktion in Deutschland ein oder plant Einschränkungen. 82 Prozent der befragten Unternehmen fordern vor dem Hintergrund der hohen Energiepreise eine Senkung des Strompreises in Deutschland.

"Unternehmen in Deutschland zahlen deutlich mehr für Strom und Wärme als ihre Wettbewerber in anderen Ländern. Geld, das an anderer Stelle fehlt, nicht zuletzt bei den Investitionen in Transformation der Industrie", erläutert Dercks die Situation. 

Unternehmen wollen klimaneutral werden  

Bis zum Jahr 2045 wollen 89 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben klimaneutral werden. 26 Prozent haben sich sogar das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral wirtschaften zu wollen. Sechs Prozent seien bereits klimaneutral, heißt es von der DIHK.  

Dabei vermissen einige Unternehmen noch die notwendige Planungssicherheit. "Wir haben uns noch kein Klimaziel gesetzt, da es am ganz langen Ende ein Würfeln ist und aktuell keine vernünftige Planung möglich ist", zitiert die DIHK in ihrer Veröffentlichung einen weiteren Studienteilnehmer.  

Unmissverständliches Signal an die Politik: Weniger Bürokratie notwendig für mehr Klimaschutz  

Der größte Dorn im Auge der Unternehmen ist laut der vorliegenden Studie neben den hohen Energiepreisen die Bürokratie in Deutschland. "Planungssicherheit steht – neben Energiepolitik und Bürokratieabbau – ganz oben. An den letzten Punkt glaube ich leider nicht", zitiert die DIHK einen anonymen Unternehmensvertreter.   

Mit 67 Prozent kritisieren nochmals mehr Unternehmen die Bürokratie als noch im Vorjahr, damals waren es 61 Prozent. Der zweitgrößte Hemmer der Transformation sind laut 60 Prozent fehlende Informationen und Planbarkeit, sowie die Verlässlichkeit in die Energiepolitik generell. Langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie fehlende Infrastruktur kritisieren 47 Prozent der Unternehmen.   

Stark zurückgegangen ist die Einschätzung des Fachkräftemangels als Hindernis in der Transformation. Lediglich 15 Prozent der Unternehmen sehen hierin noch ein Hemmnis – 2024 waren es noch 24 Prozent und 2023 sogar 34 Prozent.  

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