Die Energie & Umwelt Niederrhein GmbH (Enni) startete Anfang der 2000er Jahre. Experten prognostizierten den meisten der über 1000 ehemals als Monopolisten agierenden Stadtwerken im Zuge der Marktöffnung das Aus. Trotz der unsicheren Zukunft ergriffen Moers und Neukirchen-Vluyn die Chance, im Verbund eines gemeinsamen Stadtwerks zu überleben.
"Die Markengeburt war die Antwort im Umfeld aufkommender gelber und oranger Stromriesen", laut Geschäftsführer Stefan Krämer. Enni sei damals zunächst als Produktmarke gestartet und erst im September des Jahres mit Gründung der Energie Wasser Niederrhein zur Unternehmensmarke geworden. Unter Beteiligung der privaten Gesellschafter RWE und Rhenag habe es sich zu einem bundesweit agierenden Stadtwerk entwickelt, teilte das niederrheinische Unternehmen mit.
Viermal so viel wert wie zur Gründung
"Der Schritt hat allein den kommunalen Gesellschaftern in zwei Jahrzehnten weit über 200 Millionen Euro Gewinn in leere Kassen gespült und der Region mithilfe von Investitionen von rund 280 Millionen Euro und Aufträgen von über 200 Millionen Euro enorme Kaufkraft gebracht", sagt Volker Marschmann als Aufsichtsratsvorsitzender. Damit sei Enni mit 260 Millionen Euro mittlerweile viermal so viel wert wie zur Gründung.
Mit dem Einstieg in die Energieerzeugung verabschiedete sich das Unternehmen 2009 davon, ausschließlich Energiehändler zu sein. Hier fokussierte es sich früh und bereits vor dem Atomausstieg auf regenerative Projekte. Es hat mehrere Solar- und Windparks, ein Biomasseheizkraftwerk und Dutzende PV-Dachanlagen in seinem Portfolio.
"Größter Wachstumsschritt" seit der Gründung
Dort wo sinnvoll und die Unternehmensgröße für Großprojekte nicht reicht, hat das Unternehmen auf Partnerschaften wie den Stadtwerkeverbund Trianel gesetzt. Über den ist Enni aktuell am Bau des Offshore-Windparks vor Borkum als einem der derzeit größten bundesweiten Erzeugungsprojekte beteiligt. Das Tochterunternehmen Enni Solar bündelt mehrere Solarprojekte und soll ausgebaut werden: "Nachdem Windenergie zurückfällt, sehen wir hier auch für Stadtwerke große Chancen und suchen niederrheinweit Standorte für neue Anlagen", so Krämer.
Festhalten wird Enni weiter an den Partnerschaften. Die Zusammenarbeit mit der Gelsenwasser AG, die an dem niederrheinischen Unternehmen seit 2019 beteiligt ist, hat den "größten Wachstumsschritt" seit der Gründung ermöglicht. Gelsenwasser brachte die Gasnetze in Rheinberg und Uedem in die Partnerschaft mit ein, für die Enni zuvor in Ausschreibungen die Konzessionen gewonnen hatte.
2007 gliederte Stadt Services aus
Im Jahr 2007 begann für Enni die Rolle des Dienstleisters. Hier gliederte die Stadt Moers zahlreiche kommunale Services, wie die Abfallabfuhr, die Straßenreinigung oder viele Sport- und Bädereinrichtungen in zwei Unternehmen aus – die Geburtsstunde der heutigen Unternehmensgruppe.
Besonders auf die setzt Krämer bei seinen Wachstumsabsichten im dritten Markenjahrzehnt. Klares Ziel: Nicht nur mit Energie sondern mit vielen kommunalen Angeboten punkten. Ausgangspunkt wird dabei die neue Firmenzentrale sein, in die die drei Unternehmen der Enni-Gruppe einziehen werden. Dort sollen rund 600 Mitarbeiter unterkommen. (gun)
