"Wir wachsen als Unternehmen und auch ganz konkret", sagte die Vorstandsvorsitzende Marie-Luise Wolff am Freitag bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Darmstadt. Der Jahresüberschuss kletterte im Geschäftsjahr 2017 um knapp 19 Prozent auf 26,5 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (Ergebnis vor Zinsen und Steuern, EBIT) blieb stabil bei 73 Mio. Euro und soll 2018 auf 76 Mio. Euro zulegen. Im laufenden Jahr soll auch die Umsatzmarke von 1,6 Milliarden Euro geknackt werden.
Profitieren von der Entwicklung werden auch die Anteilseigner, größtenteils die Stadt Darmstadt sowie umliegende Städte und Gemeinden. Sie erhalten insgesamt 19,7 Mio. Euro und damit ein Fünftel mehr als 2016. Der positive Trend soll auch weiterhin zur finanziellen Konsolidierung genutzt werden.
Ratingagenturen stufen hoch
Die Eigenkapitalquote hat erstmals wieder die Zehn-Prozent-Marke überschritten. Normal sind für Unternehmen dieser Größenordnung allerdings 20 bis 25 Prozent, das 20-Prozent-Ziel will das Management fest im Blick behalten. Zudem haben die beiden Ratingagenturen Moody’s und Fitch den Kommunalversorger angesichts der Fortschritte im vergangenen Monat auf Investmentgrade hochgestuft, berichtete Finanzvorstand Albrecht Förster.
Fortschritte vermeldet der südhessische Energieversorger auch im umkämpften und zuletzt schwierigen Geschäft mit den Haushaltskunden. Hier gab es im vergangenen Jahr ein Netto-Plus von knapp 30.000 Kunden. Und zwar über 25.000 bei Strom und Gas, 1.200 bei der "Entega Zuhause-Flat" und gut 3.000 mit Internet-Neuanschlüssen. Vor allem im Stammgebiet Darmstadt, Mainz, Südhessen sei hier die Trendwende geschafft worden. Entega hat insgesamt rund 700.000 Strom- und Gaskunden. Den Marktanteil im eigenen Netzgebiet taxierte Entega-Chefin Wolff auf 60 bis 70 Prozent.
Mitten im Umbruch- und Lernprozess
Die "Entega Zuhause Flat", die Anfang dieses Jahres eingeführt wurde und Internet, Telefon und Ökostrom beinhaltet, soll noch bald durch ein weiteres Flatrate-Angebot erweitert werden. Im kommenden Winter 2018/2019 wird die "Entega Ökogas-Flat" zunächst in einem Testmarkt angeboten. Das Produkt wurde gemeinsam mit Uniper entwickelt.
Bei der Entwicklung neuer Tarife und Produkte befinde sich das Unternehmen mitten in einem Umbruch- und Lernprozess. Die Zeiten des "althergebrachten Versorgungsunternehmens mit behördenähnlichen Strukturen und jahrelangen Prozessen zur Produkteinführung, mit Leistungsempfängern statt Kunden, diese Zeit gehört endgültig der Vergangenheit an", erklärte Wolff.
Erneuerbaren-Portfolio von 268 Megawatt
Das Erneuerbaren-Portfolio der Südhessen umfasst inzwischen eine Leistung von 268 Megawatt und eine Jahresproduktion von 690 Gigawattstunden. Ziel bleibt eine Ökostrom-Jahresproduktion von einer Terawattstunde. Dafür wurden allerdings in den vergangenen Jahren auch fast 900 Mio. Euro in die Entwicklung regenerativer Anlagen und der Fernwärme investiert.
Die Beteiligung an dem 180 Kilometer vor Bremerhaven gelegenen 400-MW-Offshore-Windkraftpark Global-Tech I (24,9 Prozent) hat im vergangenen Geschäftsjahr einen finanziellen Rückfluss im "kleinen achtstelligen Millionen-Euro-Bereich" gebracht, wie Finanzvorstand Förster sagte.
Glasfaser für Gewerbegebiete
Einen starken Fokus will das Entega-Management in den kommenden Jahren auf den Ausbau digitaler Infrastruktur legen. Das derzeit rund 2.000 Kilometer lange Breitbandnetz soll kontinuierlich erweitert werden. Derzeit werde damit in den Kerngebieten ein Marktanteil von knapp 20 Prozent erreicht. Für den Ausbau stehen in den kommenden fünf Jahren 30 bis 40 Mio. Euro bereit.
Einer der Schwerpunkte der Strategie liegt darin, Gewerbegebiete in der gesamten Rhein-Main-Neckar-Region zu erschließen. So sei im laufenden Jahr bereits in zehn Gewerbegebieten von Neu-Isenburg bis Lorsch Hochgeschwindigkeits-Glasfaser bis in die Unternehmen hinein gelegt worden. "Wenn sich entsprechende Gelegenheiten ergeben werden wir unser Investitionsvolumen dafür auch auf einen dreistelligen Millionenbetrag aufstocken", sagte Entega-Chefin Wolff. (hil)



