Die Eon-Zentrale in Essen.

Die Eon-Zentrale in Essen.

Bild: © Eon

Von Hans-Peter Hoeren

Die Aktien von Eon sind am Freitag nach einem skeptischen Kommentar der Bank of America (Bofa) auf den tiefsten Stand seit Oktober 2023 gefallen. 10,55 Euro kosteten die Papiere zum Börsenschluss.

Bofa-Analyst Peter Bisztyga hatte sie von "Buy" auf "Neutral" abgestuft. Das Scheitern einer Renditebeschwerde der Netzbetreiber in Deutschland vor dem BGH lastet laut dem Experten ein Stück weit auf den Wachstumsperspektiven des Energieversorgers. Zudem dürfte Eon den durchaus vorhandenen reichlichen finanziellen Spielraum wahren, womit höhere Dividenden oder Aktienrückkäufe unwahrscheinlich erscheinen.

 



Eon-Sprecherin: "Kein Auswirkungen auf aktuelle Planungen"

Mitte Dezember hatten Energienetzbetreiber wie Eon im Streit um regulierte Renditen auf getätigte Investitionen vor dem obersten deutschen Gericht eine Schlappe einstecken müssen. Der Bundesgerichtshof hatte eine Beschwerde gegen den Beschluss der Bundesnetzagentur vom 12. Oktober 2021 zurückgewiesen.

"Auf unsere aktuelle Geschäftsplanung hat das Urteil keine Auswirkung, da wir für die 4. Regulierungsperiode vom aktuellen EK-I Zinssatz für Bestandsinvestitionen ausgegangen sind", sagte eine Eon-Sprecherin auf ZfK-Anfrage. Unabhängig vom Gerichtsverfahren werde sich der Energiekonzern  bei der Weiterentwicklung des Regulierungssystems für die fünfte Regulierungsperiode dafür einsetzen, die bestehende Methodik zur EK-Zinsfestlegung anzupassen. Denn wettbewerbsfähige EK-Zinssätze seien für Investitionen in zukunftsfähige Verteilnetze unerlässlich.

Analyst: "Gerichts-Entscheidung senkt Tempo der Energiewende"

"Die Marktreaktion auf das Urteil ist eher eine enttäuschte Hoffnung auf steigende Ergebnisse als die Sorge vor sinkenden Gewinnen. Die Kursreaktion erscheint daher zunächst übertrieben. Dennoch trifft das Urteil die Eon hart, da es à la longue Spielräume reduziert und darauf schauen Anleger ganz genau", ordnete auf Anfrage Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung Wertpapierbesitz ein.

Schaue man perspektivisch auf die Entscheidung des BGH und zuvor der Netzagentur, wirkten diese fatal auf die Umsetzung sowie die Geschwindigkeit der Energiewende. "Die Netze sehen sich massiven Investitionen gegenüber. Zugleich müssen Sie digitaler und intelligenter werden. Senkt man die Attraktivität von Investitionen in die Netze, senkt man damit zugleich das Tempo der Energiewende", stellte Tüngler klar.

Verluste seit September von über 20 Prozent

In dem Prozess war es um die Festlegung der Eigenkapitalzinssätze für Strom- und Gasnetzbetreiber gegangen. An die Zinssätze sind die Unternehmen gebunden, wenn sie Netzkosten in Rechnung stellen. Über Netzentgelte zahlen Netznutzer, also Haushalte, Gewerbe und Industrie, auch die Renditen der Betreiber. Während Investitionen durch höhere Verzinsungen also attraktiver werden, würden die Energiekosten auf der Verbraucherseite steigen.

Die Eon-Aktien waren schon im Zuge der sich anbahnenden Entscheidung ab Mitte Dezember stark unter Druck geraten. Seither haben sie gut sieben Prozent an Wert verloren. Seit dem Mehrjahreshoch im September summieren sich die Verluste auf mehr als 20 Prozent. So war das Unternehmen nach der Sonderkonjunktur als Folge der wegen des Ukraine-Kriegs gestiegenen Energiepreise zuletzt auch mit schwächeren Ergebnissen konfrontiert. (mit Material von der dpa)

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