Eon zählt in Europa mehr als 52 Millionen Kunden, 14 Millionen davon in Deutschland.

Eon zählt in Europa mehr als 52 Millionen Kunden, 14 Millionen davon in Deutschland.

Bild: © Mona Wenisch/dpa

Bis zum Jahr 2026 wollen die Essener insgesamt rund 27 Milliarden Euro investieren. Davon sind allein 22 Milliarden Euro für die Strom- und Gasnetze vorgesehen, die Hälfte davon in Deutschland. Weitere fünf Milliarden Euro fließen in den Bereich Kundenlösungen, also etwa in Angebote für die Elektromobilität. Der Ergebnisbeitrag der Netze werde durch das Ausbauprogramm pro Jahr um drei bis vier Prozent bis 2026 wachsen, teilte Eon am Dienstag anlässlich eines Kapitalmarkttages zur Vorstellung der neuen Konzernstrategie mit.  

Mit der Netzausbauoffensive will sich der Dax-Konzern für den flächendeckenden Erneuerbaren-Ausbau rüsten und zudem alle Prozesse komplett digitalisieren. „Allein in den nächsten fünf Jahren werden wir zusätzliche 35 bis 40 Gigawatt Erneuerbare an unsere Netze anschließen”, sagte Eon-Netzvorstand Thomas König. Hinzu komme der Ausbau für Millionen Wärmepumpen, Batteriespeicher und die Elektromobilität. Eon will bis 2026 rund zwei Milliarden Euro in die Digitalisierung der Netzplanung, -überwachung und -steuerung stecken. Bis dahin soll die Netzinfrastruktur auf jeder Spannungsebene vollständig digital ausgebaut sein.

„Berechnung der Marktrisikoprämie ist voller Fehler“

Die jüngste Entscheidung der Bundesnetzagentur, die Eigenkapitalverzinsung für neue Strom- und Gasnetze in der kommenden Regulierungsperiode auf 5,07 Prozent zu senken, will Eon nicht akzeptieren. „Die Berechnung der Marktrisikoprämie ist voller Fehler. Und die Rendite ist im internationalen Vergleich viel zu gering“, erklärte Netzvorstand König. Das Management habe deshalb beschlossen, gegen den Beschluss der Regulierungsbehörde juristische Schritte einzuleiten. Weitere Netzbetreiber planten dies ebenfalls.

„Wir halten das für so angreifbar, dass wir dagegen vorgehen“, bekräftigte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum das Vorgehen bei einer digitalen Pressekonferenz. Bis zu einer Entscheidung durch den Bundesgerichtshof würden wahrscheinlich drei Jahre vergehen.

Aktuell betragen die Zinssätze 6,91 Prozent vor Körperschaftsteuer für Neuanlagen und 5,12 Prozent vor Körperschaftsteuer für Altanlagen. Die neuen Zinssätze gelten ab der vierten Regulierungsperiode. Diese beginnt für die Gasnetzbetreiber im Jahr 2023, für die Stromnetzbetreiber im Jahr 2024.

Verkäufe von Unternehmensteilen geplant

Sein operatives Ergebnis (EBITDA) ohne die Ende 2022 auslaufenden Kernenergie-Aktivitäten bei Preussen Elektra will Eon künftig pro Jahr um rund vier Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro im Jahr 2026 steigern. Zudem soll die Dividende bis zu diesem Zeitpunkt um bis zu fünf Prozent und das Ergebnis je Aktie um acht bis zehn Prozent pro Jahr klettern. Für das laufende Jahr sollen die Anteilseigner eine Dividende in Höhe von 49 Cent je Aktie erhalten.

Weil die ehrgeizigen Investitionen ohne eine Erhöhung des Verschuldungsfaktors umgesetzt werden sollen, plant Eon in den kommenden fünf Jahren Konzernteile zu verkaufen. Dabei werde in den nächsten fünf Jahren mit Erlösen von etwa 2 bis 4 Milliarden Euro gerechnet, hieß es. Zu möglichen konkreten Verkaufsobjekten wollte sich Eon-Chef Birnbaum nicht äußern.

Die Bereinigung des Portfolios werde sowohl direkte Veräußerungen von Geschäften beinhalten, die nicht mehr in das „Strategiedreieck aus Wachstum, Nachhaltigkeit und Digitalisierung passen“, als auch selektive Partnerschaften, teilte Eon lediglich mit. Steigender Cashflow sowie die Erlöse aus den Veräußerungen sollen eine Kapitalerhöhung überflüssig machen.

„Nicht die ganze Digitalisierung inhouse entwickeln“

Im klassischen Energievertriebsgeschäft sollen bis 2026 die Erträge um drei bis sechs Prozent steigen. Auch hier steht die Digitalisierung im Vordergrund. „Wir werden alle unsere Kunden auf digitale Plattformen migrieren“, sagte Konzernchef Birnbaum. Die Kunden erwarteten „vollständig digitalisierte Dienstleistungen, wie sie es von anderen Branchen kennen“. Auf dem Weg dorthin setze Eon weiterhin auch auf Partnerschaften. „Wir werden nicht die ganze Digitalisierung inhouse entwickeln“, so Birnbaum.

Bei der Elektromobilität soll sich der Ausbau der Ladeinfrastruktur fortsetzten. Etwa 5.000 neue Schnellladepunkte sollen bis 2026 errichtet werden. Das Geschäft mit dezentralen Energieinfrastrukturlösungen wird mit jährlichen Investitionen von 500 bis 600 Mio. Euro angekurbelt.

Wasserstoff-Aktivitäten zielen auf industriellen Mittelstand

Beim Zukunftsmarkt Wasserstoffwirtschaft setzen die Essener auf europäische Projekt-Partnerschaften wie „H2.Ruhr“. Kernzielgruppe ist hier der industrielle Mittelstand. Eine konkrete Gewinnperspektive werde sich hier aber aufgrund der langfristigen Vorlaufinvestitionen erst ab Ende 2026 ergeben, betonte Finanzvorstand Marc Spieker. (hil)

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