Die Zeit der gespaltenen Grundversorgungstarife bei Haushaltskunden ist am 1. November endgültig zu Ende gegangen. Seitdem ist es verboten, in der Grundversorgung zwischen Bestands- und Neukunden preislich zu differenzieren.
Dafür dürfen Grundversorger seit einigen Monaten auch bei Haushaltskunden Ersatzversorgungspreise von denen der Grundversorgung preislich loslösen. Dabei gilt: "Die Beschaffungskosten der Ersatzversorgung dürfen kalkulatorisch nicht höher angesetzt werden als sie sich für Grundversorger im Falle einer kurzfristigen Beschaffung [der benötigten Energiemengen] über Börsenprodukte ergeben würden." So steht es im überarbeiteten Energiewirtschaftsgesetz, Paragraph 38.
Stark schwankende Börsenpreise
In der Realität sind die Spotmarktpreise allerdings in der jüngeren Zeit wild hin- und hergeschwankt. So kostete der Gas-Frontmonat am Handelsplatz TTF noch im August mehr als 300 Euro pro MWh. Ende Oktober waren es dann zwischenzeitlich weniger als 100 Euro pro MWh. Noch deutlicher nach unten gingen die Preise am Spotmarkt, wo Anfang November die Megawattstunde für den Folgetag für 22 Euro eingekauft werden konnte. Inzwischen geht es dort wieder steil nach oben. Extrem schwierige Zeiten also, um Preise zu kalkulieren.
Entsprechend unterscheiden sich auch die aktuellen Gas-Ersatzversorgungspreise von Grundversorgern teils erheblich, wie eine ZfK-Stichprobe ergab. So berechnen die Wuppertaler Stadtwerke derzeit 29,66 Cent pro kWh. Bei der Berliner Gasag wiederum sind es je nach Verbrauch 12,48 oder 12,90 Cent pro kWh. Beide Anbieter kalkulierten für 1. November neu.
Bis zu 37 Cent pro kWh
Die Potsdamer Stadtwerke verlangen 36,77 Cent pro kWh, wobei am 1. September, also nach der Gasmarkt-Rallye im August, zum letzten Mal neu kalkuliert wurde. Der baden-württembergische Grundversorger EnBW wiederum listete zuletzt einen Preis von 20,08 Cent pro kWh. Dieser Tarif gilt seit 1. Oktober.
Auch die Stadtwerke Krefeld haben separate Ersatzversorgungstarife eingeführt. Sie berechnen aktuell 16 Cent pro kWh. Hier wurde am 1. November zum letzten Mal neu kalkuliert. Die Stadtwerke Magdeburg wiederum geben 25,56 Cent pro kWh als aktuellen Ersatzversorgungspreis an. Auch dieser ist nach eigenen Angaben seit 1. November gültig.
Auch Eon führt separaten Ersatzversorgungstarif
Ferner führt die Kölner Rheinenergie einen gesonderten Ersatzversorgungstarif für Haushaltskunden. Hier steht der Preis aktuell bei 22,64 Cent pro kWh. Der Frankfurter Versorger Mainova verweist in seinem Preisblatt auf eine Formel, die da lautet: (Spot-Kosten + 5,697)*1,07 [Cent pro kWh]. Der für die erste Novemberhälfte gültige Preis steht noch nicht fest. Für die zweite Oktoberhälfte ergab sich ein Preis von 11,07 Cent pro kWh.
Auch Deutschlands größter Gasgrundversorger Eon listet inzwischen separate Ersatzversorgungstarife. Ersatzversorgte Kunden in Hamburg zahlen derzeit zwischen 25 und 26 Cent pro kWh.
Stadtwerke München verzichten auf Extra-Ersatzversorgungstarif
Andere Versorger verzichten weiterhin auf die Möglichkeit, getrennte Ersatzversorgungspreise zu verlangen. Zu ihnen gehören die Stadtwerke München. Im seit 1. November gültigen Preisblatt Erdgas heißt es für Haushaltskunden, dass die Preise für ersatzversorgte Erdgaskunden den Grundversorgungspreisen entsprechen. (aba)
