Mit Enercity und den Stadtwerken Pforzheim haben gestern gleich zwei Kommunalversorger offiziell bekannt gegeben, dass Sie zum Monatsanfang bei der Bundesagentur für Arbeit temporäre Kurzarbeit für einen Teil der Belegeschaft beantragt haben. Enercity auf Nachfrage bei der Bilanzpressekonferenz, die Stadtwerke Pforzheim offensiv mit einer eigenen Pressemitteilung. Bei Enercity in Hannover sind von der Regelung rund 200 der fast 3000 Mitarbeiter betroffen, in Pforzheim rund 20 Prozent der 480 Mitarbeiter – sprich knapp 100 Personen, unter anderem aus den Bereichen Bau, Einkauf und Auftragsabrechnung. Es geht dabei vor allem um Bereiche, in denen aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen so gut wie keine Arbeiten anfallen.
Enercity bildet Mitarbeiter-Segmente
"Wir rechnen im Verlauf des Jahres mit Absatzeinbußen, in welcher Höhe können wir noch nicht sagen. Deswegen wählen wir vorsorglich für einen Teil der Mitarbeiter den Weg in die Kurzarbeit", erklärte ein Enercity-Sprecher auf Anfrage. In der Telefonkonferenz hatte das Unternehmen laut einem Pressevertreter auch mitgeteilt, dass sich der Rückgang der Industriestromnachfrage negativ auf das diesjährige Ergebnis auwirken werde. Das Kurzarbeitergeld entspricht 60 respektive 67 Prozent des Nettolohnes. Enercity stockt diesen Betrag auf 100 Prozent, die Stadtwerke Pforzheim auf 90 Prozent auf. Wie hoch dieses genau ist, wird nicht kommuniziert. Bei Enercity hat man die Belegschaft seit Beginn der Coronakrise in drei Gruppen eingeteilt: Zum einen Mitarbeiter aus systemrelevanten Bereichen wie dem Kraftwerk, der Leitstelle oder dem Energiehandel, dann die bis zu 1000 Mitarbeiter im Homeoffice und schließlich die rund 200 Beschäftigten, die aufgrund der aktuellen Lage nichts zu tun haben.
SWP: "Zahlungsmoratorium macht sich schon bemerkbar"
Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise für die SWP sind aktuell noch nicht einschätzbar. "Das Zahlungsmoratorium für Privat- und Gewerbekunden macht sich aber jetzt schon bemerkbar bei der Liquiditätsplanung und auch im Arbeitsaufkommen. Wir bekommen sehr viele Anfragen und werden die Auswirkungen noch stärker zu spüren bekommen", erklärte eine Sprecherin der Stadtwerke Pforzheim (SWP) auf ZfK-Nachfrage.
"Nur für eine kurze Übergangszeit"
Durch die zunehmenden Einschränkungen der Auftragserfüllung durch Drittunternehmen und der SWP selbst sei die Geschäftsführung gezwungen, den rechtlich möglichen Rahmen zur Verhinderung weitreichender wirtschaftlicher Folgen für das Unternehmen und zum Schutz seiner Beschäftigten zu nutzen und Kurzarbeit zu beantragen, betonte SWP-Geschäftsführer Herbert Marquard. Die Dauer der Kurzarbeit sei davon abhängig, wie schnell sich die allgemeine Situation wieder normalisiert und der reguläre Geschäftsbetrieb wiederaufgenommen werden könne. "Im Sinne der SWP und aller Beschäftigten sollte dieses Mittel nur eine kurze Übergangszeit darstellen“, so Herbert Marquard zu der nun notwendigen Maßnahme.
Bäderbetrieb in Goch betroffen
Auch die Stadtwerke Goch am Niederrhein haben laut einem Bericht der "Rheinischen Post" Kurzarbeit für einige Duttzend Mitarbeiter im Bäderbetrieb beantragt, auch für weitere zehn Beschäftigte in den Bereichen Vollstreckung und Zählerwechsel soll diese Maßnahme vorgesehen sein. Die Geschäftsführung war gestern nicht für Anfragen erreichbar. Laut ZfK-Informationen haben mittlerweile weitere Kommunalversorger für Teile ihrer Belegschaft Kurzarbeit beantragt, gerade im Bäderbereich scheint das des öfteren ein Thema zu sein. Weitere Kommunalversorger sollen den Schritt zur Kurzarbeit prüfen und hierzu im engen Austausch mit den Betriebsräten stehen.
Zwei Werktage Zusatzurlaub in Bad Salzuflen
Um Kurzarbeit und finanzielle Einschnitte für die Mitarbeiter zu vermeiden, und auch mit Blick auf die sich weiter verschärfende Corona-Krise, werden die Stadtwerke im ostwestälischen Bad Salzuflen eine Betriebspause vom 6. bis 17. April durchführen. Das bedeutet, dass das Unternehmen für zwei Wochen ruhen wird, die Versorgungssicherheit ist aber selbstverständlich gewährleistet. "Uns ist völlig klar, dass nicht jeder in dieser Zeit seinen persönlichen Urlaubswunsch verwirklichen kann. Daher mildern wir diese Urlaubszeit ab, indem jeder Mitarbeiter zwei Werktage Zusatzurlaub erhält. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht dabei ganz oben auf der Agenda und wir wollen in voller Leistungsfähigkeit für unsere Kunden da sein, wenn es wieder bergauf geht", sagt Geschäftsführer Volker Stammer. (hoe)
