Zum Jahresanfang trat der Online-Shop Grünspar noch auf mehreren Stadtwerketagungen und - foren als Haupt- respektive Großsponsor auf. Damals ging es um ein neues White-Label-Produkt, das Stadtwerken den Einstieg in die Breitbandausbau ermöglicht. Die gewünschte Nachfrage hat sich daraus offensichtlich nicht entwickelt, jetzt hat Mehrheitseigner EWE die Reißleine gezogen. Das Geschäftsmodell von Grünspar habe nicht den angestrebten Erfolg bieten können, bestätigte ein EWE-Sprecher auf ZfK-Anfrage gleichlautende Medienberichte der vergangenen Tage.
Wiederholte Anpassungen am Geschäftsmodell
Die Gesellschaft werde geordnet aufgelöst, die Angebote der Grünspar GmbH werden von EWE nicht mehr fortgeführt. "Obwohl das Team von Grünspar gute Arbeit geleistet hat und auch wiederholt Anpassungen am Geschäftsmodell vornahm, ist eine Fortführung des Betriebs aus unserer Sicht nicht wirtschaftlich vertretbar", sagt der Sprecher, "leider sind daher auch betriebsbedingte Kündigungen bei Grünspar unvermeidlich." Am Unternehmenssitz von Grünspar in Münster arbeiten rund 55 Mitarbeiter.
Betroffen von der Liquidierung sind über 130 Stadtwerke, die den Online-Shop von Grünspar unter ihrer eigenen Marke für ihre Kunden nutzen. Grünspar werde alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllen, dazu zählten auch sämtliche Bestellungen im Online-Shop, versichert der EWE-Sprecher. Bis zur Auflösung sei die Finanzierung durch EWE gesichert, diese diene aber nur der ordnungsgemäßen Abwicklung des Unternehmens.
White-Label-Shops auf Stadtwerke-Websites
Die 2010 gegründete Firma Grünspar galt als führender Online-Shop für Energieeffizienzprodukte. Das Unternehmen verkaufte White-Label-Lösungen, mit Hilfe derer Energieversorger oder -dienstleister eigene Tarifpakete erstellen oder eigene Energiespar-Shops aufbauen konnten. Ein weiteres Standbein ist die Einrichtung von White Label Shops auf den Websites von Energieversorgern und Stadtwerken. Viele Kommunalversorger lassen ihre Shops durch das Komplettangebot als "Software as a Service" (SaaS) von den Münsteranern managen.
Im Herbst 2015 hatte EWE für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einen 90-Prozent-Anteil an Grünspar erworben, die restlichen zehn Prozent hält Grünspar-Gründer Sebastian Kotzwander. Über die Beteiligung an dem Online-Shop wollte EWE Innovationen im Bereich E-Commerce außerhalb des eigenen Unternehmens in einem neuen Umfeld aufbauen und umsetzen. Zu diesem Vorgehen gehöre auch die regelmäßige Überprüfung, ob sich ein Geschäft wie gewünscht entwickelt, teilt das Unternehmen mit. Grünspar ist für EWE in diesem Sinne eine Investition in ein Start-up, dessen Geschäftsmodell zwar im ersten Schritt überzeugt, sich letztlich am Markt aber bisher nicht durchgesetzt hat. (hoe)


