Expertinnen und Experten fordern die Bundesregierung auf, die Abkehr von Erdgas ganz oben auf die Agenda zu setzen. Dies sei technisch möglich und könne ein Booster für die deutsche Wirtschaft sein, sagte Jonathan Barth, Sprecher des Fachrats Energieunabhängigkeit und Politischer Direktor des Instituts für zukunftsfähige Ökonomien am Dienstag in Berlin.
"Größte Erdgaseinsparungspotentiale und Investitionsbedarfe liegen bei privaten Eigentümer:innen, während Stadtwerke vor hohen konzentrierten Kosten stehen", heißt es dazu in dem Bericht.
Wie die Erdgasabhängigkeit weiter reduziert werden soll
Damit die Abkehr gelinge, müssten alle zusammenarbeiten. «Banken mit ihrer Kompetenz im Risikomanagement, Stadtwerke als Energiedienstleister und Unternehmen des Mittelstands als Vorreiter der Elektrifizierung.»
Expertinnen und Experten aus Finanzwirtschaft, Wirtschaftspolitik und Technik legten in einem Bericht dar, wie Deutschlands Abhängigkeit von Erdgas in Zukunft um bis zu 78 Prozent reduziert werden könne. Dazu formulierten sie zehn Empfehlungen an politische Entscheidungsträger.
Staatliche Ausfallbürgschaft für Kreditausfälle vorgeschlagen
Demnach sollen unter anderem Stadtwerke Mietmodelle für Heizungen anbieten, um Hausbesitzern den Umstieg auf eine erdgasfreie Heizung zu erleichtern. Die Umstellung auf erdgasfreie Heizsysteme in Wohngebäuden könne Deutschlands Erdgasverbrauch um mehr als ein Drittel reduzieren.
Stadtwerke müssten jetzt neue Geschäftsmodelle entwickeln, um starke Umsatzrückgänge aus dem Gasgeschäft zu kompensieren und ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, heißt es dazu. 25 Prozent des Gesamtumsatzes großer Stadtwerke kämen aus dem Gasgeschäft.
Außerdem solle es ein Programm geben, das auch Haushalten mit niedrigem Einkommen und schlechter Bonität den Zugang zu Krediten ermögliche. «Das Programm funktioniert durch eine staatliche Ausfallbürgschaft, die bei Kreditausfällen einspringt», heißt es in dem Bericht.
Skalierungsprogramm für Wärmecontracting
Ein wesentlicher Hebel für neue Geschäftsmodelle soll ein Skalierungsprogramm für Wärmecontracting werden, aber auch ein Ermöglichungspaket kommunale Wärmewende. Praxis-Checks sollen darüber hinaus Wohnungsunternehmen, Energiedienstleister und Stadtwerke für Investitionen mobilisieren und Skaleneffekte schaffen.
Um Wärmedienstleistungen in die Breite zu tragen, wird die Gründung von regionalen Zweckgesellschaften (Special Purpose Vehicle, ZG) als Aktiengesellschaften oder Genossenschaften vorgeschlagen.
Zentrale Rolle regionaler Zweckgesellschaften
Die ZG würden den Einkauf von erneuerbaren Heiztechnologien und die damit verbundene Kreditaufnahme bündeln und die Produkte als Leasingangebot Stadtwerken und anderen Dienstleistern zur weiteren Vermittlung an Immobilieneigentümer:innen zur Verfügung stellen.
Die Zweckgesellschaft würde rechtlich die Produkte (Wärmepumpen, energetische Hüllensanierung etc.) erwerben. Das Produkt soll dabei direkt Energiedienstleistern, wie Stadtwerken zur Verfügung gestellt werden.
Im Gegenzug wird ein Leasingcontract zwischen ZG und Energiedienstleister über ein bestimmtes Volumen der Wärmepumpen und Isolierungen abgeschlossen. Den vollständigen Bericht finden Sie hier. (hoe/dpa)



