Bei der Bekanntgabe des Kaufs stehen Christian Barthélémy (l-r), Vorsitzender Geschäftsführer Vattenfall, Christian Feuerherd, Vorstandsvorsitzender Vattenfall Wärme und Martijn Hagens, Leiter Wärme, zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Finanzsenator Stefan Evers (CDU).

Bei der Bekanntgabe des Kaufs stehen Christian Barthélémy (l-r), Vorsitzender Geschäftsführer Vattenfall, Christian Feuerherd, Vorstandsvorsitzender Vattenfall Wärme und Martijn Hagens, Leiter Wärme, zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Finanzsenator Stefan Evers (CDU).

Bild: © Felix Krone/dpa

Vattenfall hat die strategische Neubewertung seines Berliner Wärmegeschäfts abgeschlossen und entschieden, das Berliner Wärmegeschäft vollständig an das Land Berlin zu veräußern. Eine entsprechende Vereinbarung wurde heute von beiden Seiten unterschrieben, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Darüber hinaus wurde dem Land Berlin eine Option zum Erwerb von Vattenfalls Anteilen an der Gasag eingeräumt - unabhängig vom Verkauf des Wärmegeschäfts.

Dem Beschluss vorausgegangen waren ein Bieterverfahren um die Fernwärme sowie exklusive zweijährige Verhandlungen, deren Ergebnisse durch entsprechende Beschlüsse des Senats von Berlin und dem Aufsichtsrat von Vattenfall vom heutigen Tage bestätigt wurden.

"Der Ankauf der Vattenfall Wärme Berlin ist ein Meilenstein für unsere Stadt", erklärte Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin.

Kaufpreis von rund 1,6 Mrd. Euro erwartet

Es werde in Zukunft möglich sein, den Berlinerinnen und Berlinern eine sichere, effiziente und nachhaltige Energieversorgung zu fairen Preisen zu gewährleisten. „Es ist auch ein wichtiger Schritt dafür, dass das Land Berlin künftig seine Klimaziele einhalten kann.“

Derzeit wird ein Kaufpreis auf Basis des Eigenkapitalwerts von rund 1,6 Mrd. Euro erwartet, erklärte Vattenfall. Grundlage für den Kaufpreis sei ein Unternehmenswert von knapp unter 2 Mrd. Euro.

Über 1.700 Beschäftigte sollen wechseln

Mit dem Verkauf werden rund 1.700 Beschäftigte der Vattenfall Wärme Berlin zum neuen Eigentümer wechseln. Vattenfall und das Land Berlin planen, die Transaktion im zweiten Quartal 2024 abzuschließen.

Anschließend sollen weitere Mitarbeitende aus zentralen Funktionen wie Personal und Finanzen zum Wärmegeschäft übergehen. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Berliner Abgeordnetenhauses und der Freigabe durch das Bundeskartellamt. 

Vattenfall: keine Fernwärme in Deutschland mehr

Für Vattenfall bedeutet der Verkauf das Ende der Fernwärmeaktivitäten in Deutschland. Der Konzern will sich in der Bundesrepublik auf seine anderen Geschäftsbereiche konzentrieren.

Neben einem „rasant wachsenden“ Endkundengeschäft sei Vattenfall in Deutschland seit vielen Jahren Marktführer in der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft und habe hierzulande seine kontinentaleuropäischen Großhandelsaktivitäten konzentriert. Man werde zudem weiter massiv in Solar-, On- und Offshore-Wind-Kapazitäten investieren.

Weiterhin hohe Bedeutung von Deutschlandgeschäft

„Deutschland bleibt ein Kernmarkt für Vattenfall" betont Anna Borg. „So planen wir derzeit einen weiteren großen Windpark in der Nordsee mit der Leistung eines Kernkraftwerkes.“ Das Nordlicht-Cluster werde ab 2027/28 Windstrom produzieren, der dem Bedarf von rund 1,6 Millionen deutschen Haushalten entspreche.

Großes Fernwärmenetz

Vattenfalls Wärmegeschäft in Berlin versorgt rund 1,4 Millionen Wohneinheiten mit Warmwasser und Wärme. Vattenfall besitzt und betreibt in Berlin zehn große Heiz- und Heizkraftwerke sowie 105 kleinere Blockheizkraftwerke und verschiedene andere Anlagen. Das Wärmenetz hat eine Gesamtlänge von ca. 2.000 Kilometer. 

Der Verkauf bezieht sich auf das gesamte Wärmegeschäft in Berlin einschließlich der Tochtergesellschaften der Vattenfall Wärme Berlin AG.

Berlin steigt bei der Gasag ein

Unabhängig vom Verkauf des Wärmegeschäftes hat das Land Berlin eine Kaufoption der Anteile von Vattenfall an der Gasag erhandelt. Vattenfall hält - ebenso wie der französische Energieversorger Engie - 31,575 Prozent der Anteile, Eon hält 36,85 Prozent.

Die Gasag betreibt die Berliner Gasverteilungsnetze sowie Netze im benachbarten Brandenburg und ist der größte regionale Erdgasversorger für Industrie- und Privatkunden. Die Prüfung zur Ausübung der Option auf die Gasaganteile werde im kommenden Jahr 2024 beginnen.

Das Land Berlin erklärte, man strebe zur Dekarbonisierung der Energieversorgung perspektivisch ein stärkeres Zusammenwirken zwischen der Wärme Berlin und der Gasag an und setzt dabei auf die Unterstützung der Gasag und deren verbleibenden Anteilseignern.

 „Integrierte Infrastruktur: Diese Option ist seit heute realistisch.“ - Kai Wegener (CDU)

In Berlin sind Wasserversorgung, Strom- und bald auch das Wärmenetz in kommunaler Hand. „Wir gehen diesen Weg weiter und setzen dabei auch auf starke industrielle Partner. Gemeinsam mit der Stromnetz Berlin wird die Daseinsvorsorge die Basis für die Entwicklung einer integrierten Infrastruktur bilden, die künftig auch die Gasversorgung einschließen kann“, erklärte Kai Wegner.

„Diese Option ist seit heute realistisch: Berlin hat jetzt alle Möglichkeiten, den Aufbau einer echten integrierten Wärmeplattform in Angriff zu nehmen.“ (pfa)

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