Der schwedische Staatskonzern Vattenfall nimmt mit dem Land Berlin exklusive Verhandlungen über den Verkauf seines Fernwärmegeschäfts in der Hauptstadt auf. Einen entsprechenden Letter of Intent (Absichtserklärung) unterzeichneten beide Seiten am Freitag, wie der Berliner Senat und Vattenfall mitteilten.
«Eine Einigung unter Vorbehalt der Zustimmung des Abgeordnetenhauses von Berlin wird bis Jahresende angestrebt», hieß es in der Mitteilung des Senats weiter. Zu den Details des laufenden Verfahrens nähmen die Verhandlungspartner keine Stellung.
Wie der Tagesspiegel berichtet, soll Vattenfall beim Kaufpreis erhebliche Zugeständnisse an das Land Berlin gemacht haben. Von dem ursprünglich gewünschten Erlös von rund drei Milliarden Euro sind die Schweden demnach abgerückt, weil die Vorstellungen des Senats deutlich darunter liegen. Zusammen mit dem Vattenfall-Anteil an der Gasag, das sind 31,6 Prozent, könnte das Geschäft ein Volumen von knapp zwei Milliarden Euro haben, heißt es dazu im Tagesspiegel.
Vattenfall hatte im Mai 2022 verkündet, sein Geschäft mit Fernwärme für 1,4 Millionen Wohnungen in Berlin auf den Prüfstand zu stellen. Der Berliner Senat hatte damals bereits Interesse gezeigt, war aber bei weitem nicht der einzige Bieter. Der australische Investor Macquarie sowie ein Pensionsfonds aus Kanada waren ebenfalls im Rennen. Anfang Dezember 2022 startete dann das Bieterverfahren, an dem sich auch der Berliner Senat beteiligte.
Vattenfall: "Konstruktiver Verlauf der Gespräche"
Der Leiter des Vattenfall-Geschäftsbereichs Wärme, Martijn Hagens, sprach von einem konstruktiven Verlauf der Gespräche mit dem Land Berlin. Beide Parteien verfolgten das Ziel, die Wärmeversorgung in der Stadt nachhaltig und zukunftssicher zu entwickeln, zu dekarbonisieren und Arbeitsplätze langfristig zu sichern.
«Unser Ziel ist eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Wärmeversorgung für Berlin», erklärte Finanzsenator Stefan Evers (CDU) zu der Vereinbarung mit Vattenfall. «Das will der Senat perspektivisch gemeinsam mit industriellen Partnern sicherstellen.»
Senatorin Giffey: "Wichtigstes Vorhaben unserer Energiepolitik"
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich ähnlich. «Das ist das wichtigste Vorhaben unserer Energiepolitik in dieser Legislatur und eine enorm bedeutende Weichenstellung für die Zukunft», erklärte sie mit Blick auf den angestrebten Deal mit Vattenfall.
Das Land Berlin verspricht sich davon mehr Einfluss auf die Gestaltung der Energiewende weg von fossilen Energieträgern. Im Wärmegeschäft von Vattenfall in Berlin arbeiten nach Angaben des Unternehmens rund 1700 Beschäftigte.
Mehrheit bei der Gasag im Visier
Der schwarz-rote Berliner Senat arbeitet darauf hin, bei der Wärmeversorgung in der Hauptstadt das Zepter in die Hand zu bekommen. Dazu gehört nicht nur der Erwerb der Fernwärme. Dem Koalitionsvertrag ist zu entnehmen, dass das Land Berlin auch die Mehrheit an der Berliner Gasag anstrebt. Das Unternehmen gehört aktuell Vattenfall, Eon und Engie. (amo/hoe mit dpa)



