Die Covid-19-Epidemie hat sich zu einer globalen Pandemie entwickelt. Sie hat einen doppelten Schock ausgelöst – bei Angebot und Nachfrage – und betrifft eine große Zahl von Branchen, wie Coface analysiert. Der Kreditversicherer erwartet die erste weltweite Rezession seit 2009 mit einer Wachstumsrate von minus 1,3 Prozent, 2019 waren es noch plus 2,5 Prozent.
Den Rückgang des globalen Handels beziffert der Kreditversicherer für 2020 auf minus 4,3 Prozent. Allerdings gilt diese ohnehin niedrige Prognose nur, wenn nicht noch zahlreiche Grenzschließungen den Handel weiter erschweren. Coface geht deshalb von einer Rezession in 68 Ländern aus – gegenüber nur elf im letzten Jahr. Die Unternehmensinsolvenzen dürften weltweit um durchschnittlich 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zunehmen.
„Best-Case“-Szenario
Die BIP-Wachstumsprognose für Deutschland lautet bei Coface minus 6,7 Prozent. Die Firmenpleiten werden hierzulande um elf Prozent steigen. Dabei ist nach Angaben der französischen Gesellschaft ein „Best-Case“-Szenario zugrunde gelegt, bei dem die Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal des Jahres allmählich wieder aufgenommen wird und es in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 keine zweite Welle der Coronavirus-Epidemie gibt.
Mit dem Angebotsschock durch den Lockdown geht ein ebenso brutaler Nachfrageschock einher. Viele Verbraucher streichen oder verschieben ihre Ausgaben für Waren und Dienstleistungen. Der GfK-Konsumklimaindex ist im März regelrecht eingebrochen und liegt mit 2,7 Punkten auf dem Niveau von Mai 2009 während der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Dramatische: Es sind sowohl die Indikatoren für die Einkommenserwartungen aufgrund von Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit zurückgegangen als auch für die Anschaffungsneigung.
Viele Verlierer und ein paar Gewinner
Langlebige Verbrauchsgüter wie Fahrzeuge werden wahrscheinlich zu den am stärksten von diesem Schock betroffenen Waren zählen. Auch andere Ausgaben, wie für Textilien und Kleidung sowie Elektronik, werden vermutlich auf fast Null reduziert werden. Am anderen Ende des Spektrums könnte der Verbrauch von Agrarnahrungsmitteln und pharmazeutischen Produkten von dieser Ausnahmesituation sogar profitieren.
Viele Unternehmenspleiten sind im Tourismus, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie bei Freizeit und Verkehr zu erwarten. Insolvenzen dürfte es auch in fast allen Transport- und Logistikbereichen geben, speziell in solchen Sparten, die auf bestimmte Waren oder Branchen spezialisiert sind und die nun selbst die Produktion herunterfahren. Auch in den meisten Sektoren des verarbeitenden Gewerbes mit Ausnahme der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie wird es viele Firmenschließungen geben. Andere Dienstleistungssektoren – wie die Telekommunikation, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, um nur einige zu nennen – sind weitaus weniger betroffen, teilt Coface mit. (hp)
