„Ich denke nicht, dass sich die Unternehmensstrategie stark unterscheiden würde“, sagte Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag auf die Frage, wie sich eine Beteiligung des Landes Berlins an dem Unternehmen auswirken würde. Die Gasag stellte am 7. Mai in Berlin ihre Jahresbilanz vor.
Mit dem Kauf der Fernwärme hat sich Berlin auch Aktienoptionen für den Vattenfallanteil an der Gasag von 32 Prozent gesichert. Dem Gasag-Vorstand sei bisher nicht bekannt, ob dazu konkrete Verhandlungen laufen.
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte zuletzt jedoch immer wieder, wie wichtig es sei, dass Wärme, Energie und Wasser in kommunaler Hand liegen. Unwahrscheinlich dürfte eine Landesbeteiligung also nicht sein. Der Ankauf der restlichen Gasag-Anteile im Besitz von Eon und Engie ist bisher kein Thema.
„Bezüglich dem Kauf der Fernwärme freuen wir uns für die Stadt, wobei ein direkter Effekt für Gasag nicht so groß sein wird“, so Friedrich weiter. Immerhin bezögen nur ein Drittel der Gebäude in der Hauptstadt Fernwärme. Der Berliner Wärmemarkt sei groß genug: „Uns wird nicht langweilig.“
Langweilig darf dem Vorstand auch nicht werden, denn dem Unternehmen steht eine große Transformation bevor. Die Gasag hat im vergangenen Geschäftsjahr 70 Prozent ihres Umsatzes mit der Erdgasglieferung gemacht, weitere große Geschäftsfelder sind der Netzbetrieb und der Stromverkauf.
Ergebnis: unterm Strich gleichgeblieben
Auf das Geschäftsjahr 2023 schaut der Vorstand zufrieden zurück. Zwar sei der Gashandel durch einen warmen Winter und sparsame Kunden herausgefordert gewesen, insgesamt jedoch ausreichend gut verlaufen.
Ebit (144 Mio. Euro) und Erlös (86 Mio. Euro) seien im Vergleich zum Vorjahr gleichgeblieben, wenn Sondereffekte beachtet werden.
Der Anstieg des Jahresüberschusses um 16 Prozent auf 86 Mio. Euro in 2023 sei auf temporäre Einmaleffekte bei den Erlösen aus Netznutzungsentgelten sowie auf das Verbrauchsverhalten zurückzuführen.
Investitionen sollen 150 Mio. Marke sprengen
Beim Stromverkauf will die Gasag kräftig zulegen, da die Zukunft des Gasvertriebs unsicher sei. Um langfristig gut aufgestellt zu sein, investieren die Berliner auch in weitere Geschäftsfelder: „Es ist ein Glück, dass wir im Gasgeschäft genug verdienen und solche strategischen Investments machen können“, sagte Vorstand Friedrichs. Die Gasag-Gruppe plant das Investitionsniveau im Jahr 2024 um über 50 Prozent gegenüber 2023 auf 174 Mio. Euro zu steigern.
Gasag setzt auf Contracting
Zukunftsgeschäftsfelder sieht die Gasag vor allem im Contracting für Quartierslösungen und Wärmenetzen, auch beim Ausbau der Fernwärme.
„Wir freuen uns über jeden Großkunden, der mit uns eine grüne Wärmeversorgung beispielsweise auf Basis der Nutzung von Erdwärme mit solarbetriebenen Wärmepumpen realisieren will. Aber auch die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren, die fürs Heizen des Wohnblocks Pallasseum erstmals in Berlin zum Einsatz kommt, wollen wir in der Zukunft stärker nutzen“, sagt Gasag-Vertriebsvorstand Matthias Trunk.
„Wir werden aber noch viel größer denken müssen."
„Wir werden aber noch viel größer denken müssen, um die riesigen Mengen schneller grün zu bekommen. In der kommunalen Wärmeplanung bringen wir uns daher mit unserem Know how im Wärmemarkt als auch mit unseren Erfahrungen im Bereich der Tiefengeothermie ein, die wir unter anderem durch den Betrieb des Berliner Erdgasspeichers gesammelt haben“, so Trunk weiter.
Bezüglich des Contractings bereiten dem Unternehmen bisher noch die schwächelnde Immobilienbranche, Sanierungsauflagen für Miethäuser und die geringe Bereitschaft von Bereitschaft der Kunden, energetisch zu sanieren oder in Energiesysteme zu investieren, Probleme.
Zudem bereitet sich das Unternehmen auf das Wasserstoff-Startnetz für Berlin vor. Die Gasag ist interessiert daran, die eigenen KWK-Anlagen auf Wasserstoff umzurüsten und im Spitzenlastbetrieb zu vermarkten.
(pfa)
