Die Gasag-Gruppe kann beim Stromvertrieb beachtliche Erfolge vorweisen: Obwohl das Unternehmen erst 2014 in den Stromvertrieb einstieg, zählte es Ende 2017 bereits 183 000 Stromkunden. Bis Ende des Jahres sollen es dann 240 000 sein. 2017 gewann das Unternehmen allein über 50 000 Neukunden im Stromgeschäft. Dies war die herausragende Neuigkeit der Jahrespressekonferenz des Unternehmens, die der neue Vorstandsvorsitzende Gerhard Holtmeier leitete.
Der Stromabsatz stieg 2017 um 89 Prozent auf jetzt 1036 Mio. kWh (2016: 549 Mio. kWh). Der Umsatz des Segments erhöhte sich um 52 Prozent auf 146 Mio. Euro. Die Gasag zähle damit zu den am schnellsten wachsenden Ökostromanbietern, erklärte Holtmeier. Gründe seien die starke Marke, Kundennähe und wettbewerbliche Preise.
Zahl der Gaskunden stabilisiert sich
Bei der Zahl der Gaskunden gab es dieses Jahr erstmals eine Stabilisierung nach Jahren rückläufiger Tendenz. 530 000 Gaskunden zählt das Unternehmen derzeit, erklärte Vertriebsvorstand Matthias Trunk. Der Gasabsatz sank um vier Prozent auf zuletzt 18,4 Mrd. kWh (2016: 19,2 Mrd. kWh). Aufgrund des intensiven Wettbewerbs habe das Unternehmen auch größere Kunden verloren, musste Trunk zugeben. Positiv entwickelt habe sich aber der Gastransport, der um sieben Prozent stieg, da nun vermehrt Gas- statt Kohlekraftwerke betrieben werden.
Die Gesamtbilanz zeigt sich solide. „Wir haben ein gutes Geschäftsjahr genutzt, um bilanzielle Risiken zu verarbeiten“, sagte Finanzvorstand Michael Kamsteeg. Das Eigenkapital stieg 2017 um 35 Mio. Euro, zugleich sank die langfristige Verschuldung um 88 Mio. Euro. Der Umsatz fiel um etwa sechs Prozent auf 1,105 Mrd. Euro. Dies hänge auch mit dem gesunkenen Erdgas-Preis zusammen. Das Ebit fiel ebenfalls von 117 auf 82 Mio. Euro. Dieser Wert hängt aber sehr stark mit Sonderpositionen durch die Schließung des Gasspeichers zusammen. Da 2017 etwa 73 Mio. Euro an Sonderabschreibungen für den Gasspeicher verbucht wurden, läge das wirkliche Ebit bei 155 Mio. Euro. Schon 2016 schrieb die Gasag 89 Mio. Euro für die Schließung des Gasspeichers ab. „Nun haben wir keine Risiken mehr wegen des Speichers“, erklärte Kamsteeg. Vorstandsvorsitzender Holtmeier sieht in dem Speicher ein wertvolles Element für das Energiesystem der Zukunft. Deshalb möchte er den Speicher in Power-to-Gas-Manier nutzen. Dafür bedarf es aber finanzieller Unterstützung seitens der Bundesregierung oder der EU.
Photovoltaik erscheint attraktiv
In den kommenden drei Jahren will die Gasag-Gruppe etwa 400 Mio. Euro in Energienetze und neue Geschäfte investieren, erklärte Holtmeier. Die Erzeugung von Ökostrom hat die Gruppe im letzten Jahr weiter ausgebaut. 2017 wurden in Brandenburg vier große Solaranlagen mit rund 26 MW elektrischer Leistung installiert. Für 2018 sind zwei weitere Anlagen mit rund zehn MW geplant. Für die 36 MW investiert die Gasag insgesamt über 23 Mio. Euro. Die Photovoltaik bleibt weiterhin der attraktivste Energieträger der Erneuerbaren für das Unternehmen. Turnkey-Windkraftprojekte sind derzeit keine Option, erklärte Vertriebsvorstand Trunk. Dafür hat die Gruppe jetzt Biogasanlagen entdeckt. Jüngst kaufte sie die Anlage in Rhinow. Im Prinzip möchte das Unternehmen Anlagen erstehen, für die das Wärmenetz noch optimiert werden kann.
Eines der wichtigsten Handlungsfelder ist laut Holtmeier der Wärme- und Mobilitätsbereich in der Hauptstadtregion: „Die Energiewende wird entweder in den großen Städten stattfinden oder überhaupt nicht.“ Alleine in Berlin seien 70 000 alte Ölheizungen, die schnell ausgetauscht werden müssten. Und im Mobilitätsbereich könnten mit der vorhandenen Infrastruktur sofort 10 000 Erdgasfahrzeuge auf die Straße gebracht werden. (al)

Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der Gasag-Gruppe
Bild: © Leßner
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