ZfK: Ist für Sie der Bau wasserstofffähiger neuer Gaskraftwerke ein Thema?
Zapreva: Im Moment sind wir dabei, in mehreren Städten und Kommunen eine umfassende Transformation der Energieversorgung zu gestalten. Wir haben auch ein Gaskraftwerk, das wir auf Wasserstoff umbauen müssen. Insofern interessiert uns das Thema schon, weil das für die Versorgungssicherheit auch der Fernwärme von besonderer Relevanz sein wird. Derzeit planen wir keinen Bau weiterer Gaskraftwerke, die wir später auf Wasserstoff umstellen.
Aber Sie schließen das nicht aus?
Ich schließe das nicht aus. Wir werden auf alle Fälle eines umrüsten müssen. So gesehen, sind wir auf jeden Fall bei dem Thema dabei.
Bis jetzt war ja Ihre Strategie, sich ganz auf die Erneuerbaren zu fokussieren.
Ja, das bleibt auch so. Wir bauen keine neuen Gaskraftwerke, unsere jetzige Strategie sieht vor, dass wir beim Kohleausstieg nicht den Weg über Gas machen. Doch mittelfristig ist für uns beim Thema Wasserstoff das letzte Wort noch nicht gesprochen, da lassen wir uns Zeit. Denn jetzt investieren wir nur in den Kohleausstieg und den Fernwärmeausbau für die nächsten Jahre 1 Milliarde Euro. In Hannover wollen wir bis 2026 aus der Kohle aussteigen. Und bundesweit gestalten wir gerade die Energiewende für rund 350 Kommunen, die CO2-neutral werden wollen. Das heißt: Das machen wir ohne Gas. Doch wenn die Rahmenbedingungen für Wasserstoff etwas klarer sind, werden wir uns sicher auch mit dem Thema auseinandersetzen und schauen, ob das in unser gesamtes Portfolio passt. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir ein eigenes Wasserstoffnetz haben werden und sich die Beimengung von Wasserstoff zu Erdgas nicht durchsetzen wird. Unser Ziel ist, ein rundes, ausgeglichenes, diversifiziertes Portfolio hinzubekommen. Und das bedeutet in erster Linie weniger Erdgas.
Wie hoch ist denn im Moment ihr Gasanteil?
In den Städten haben etwa 65 Prozent unserer Kunden Gas. Dazu kommt noch ein Gasanteil bei der Fernwärme und der Stromerzeugung. Insgesamt kommen wir auf rund 70 Prozent. Unser Ziel ist jetzt, den fossilen Anteil bei der Fernwärme zu reduzieren und gleichzeitig Gaskunden zum Umstieg auf Fernwärme zu bewegen. Hilfreich ist hier eine neue Fernwärmesatzung in Hannover mit einer Anschlusspflicht.
Doch haben Sie nicht die Befürchtung, dass angesichts der Anschlusspflicht irgendwann Regulierungsfragen „aufkochen“?
Ich sehe sehr positiv in die Zukunft. Wir schließen alle Wärmequellen jetzt schon an das Fernwärmenetz an, ein Gesetz würde nichts an unserer derzeitigen Vorgangsweise ändern. Was die Preisentwicklungen betrifft, haben wir Kartellbehörden und nach wie vor den Wettbewerb. Denn auch in Hannover gibt es die Möglichkeit, sich von der Anschlusspflicht befreien zu lassen, wenn alternative Technologien mit geringeren CO2-Emissionen genutzt werden. Zudem besteht der Preiswettbewerb. Wenn die Fernwärme teurer wird als die Alternativen, würden die Kunden wegbleiben. Vielfach werden derzeit noch Äpfel mit Birnen verglichen. Da werden die Gasheizung und die Fernwärme und die Wärmepumpe gegenübergestellt, obwohl die ganz andere Primäremissionsfaktoren haben, ganz andere Umfeld-Effekte. Und da müssen wir in eine Welt kommen, dass wir Gleiches mit Gleichem vergleichen. Dann glaube ich sehr stark, dass die Fernwärme wettbewerbsfähig sein wird. Im vergangenen Jahr stiegen im Übrigen die Fernwärmepreise weniger stark als die von Gas, Kohle oder Öl, was vor allem Haushalten mit den niedrigsten Einkommen in den Großstädten zugutekommt. Denn dort ist die Fernwärme überproportional vertreten.
Die Fragen stellten Klaus Hinkel und Hans-Christoph Neidlein
Lesen Sie am Mittwoch im zweiten Teil des ZfK-Online-Interviews, warum aus der Sicht der Enercity-Chefin die jetzige Netzentgeltregulierung für die Energiewende nicht funktioniert und wie die Energiemanagerin die Entwicklung bei den Haushaltskundenpreisen einschätzt. In der jüngsten ZfK-Printausgabe äußert sich Zapreva zudem über die Auswirkungen der US-Investitionsoffensive für Erneuerbare auf Europa und die EU-Pläne für eine neues Strommarktdesign.
