Carsten Hoffmann ist Vorstand des Kommunalversorgers GGEW im hessischen Bensheim.

Carsten Hoffmann ist Vorstand des Kommunalversorgers GGEW im hessischen Bensheim.

Bild: © GGEW

Eine aktuelle Studie der Managementberatung Horváth zeigt aktuell drei zentrale Prioritäten der Energiebranche: effizientere digitale Prozesse mit dem Ziel der Prozessexzellenz, mehr Flexibilität im Stromsystem und weiteres Personalwachstum. So sollen wirtschaftlicher Druck und steigender Investitionsbedarf gleichzeitig bewältigt werden.

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Eine ähnliche Strategie hat der Bensheimer Kommunalversorger GGEW aus Hessen eingeschlagen, auch weil digital besser aufgestellte Konkurrenten wie Octopus aufgrund schlankerer Prozesse aktuell eine bessere Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit aufweisen.

Der Weckruf kam aus dem Ergebnis

Der Katalysator für eine neue Digitalisierungsoffensive war laut Vorstand Carsten Hoffmann das Geschäftsjahr 2024, das mit einem starken Gewinneinbruch und Verlusten im Vertrieb einherging. "So schlecht dieses Geschäftsjahr für uns war, es war ein Beschleuniger für uns, um die alte Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen", bezeichnete der GGEW-Chef das Geschäftsjahr bei der Bilanzpressekonferenz am Montag. Diesen Tiefpunkt hat man im vergangenen Jahr überwunden. Die Rückkehr in die Erfolgsspur ist geschafft, "wir sind aber noch nicht ganz am Ziel", so Hoffmann. Auch Kostenoptimierungen und der Einsatz künstlicher Intelligenz in Vertrieb und Beschaffung haben im Geschäftsjahr 2025 zu einem deutlich verbesserten Ergebnis beigetragen.

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Herzstück der neuen Digitalstrategie ist eine im Aufbau befindliche Data-Analytics-Plattform. Dafür wurde eine eigene Digitaltochter gegründet. Diese wurde bewusst außerhalb des Mutterkonzerns, der GGEW AG, angesiedelt, um eine andere und agilere Arbeitsform zu etablieren und entsprechend Geschwindigkeit zu erzeugen. Um den Blick über den Tellerrand zu schärfen und externe Expertise in die GGEW zu bringen, wurde eine eigene Digitalmanagerin aus der Logistikbranche eingestellt.

Eine eigene Tochter soll Tempo machen

Als "Turnhalle außerhalb der GGEW AG", in der man neue Anwendungen in einer ganz anderen Arbeitsumgebung und Geschwindigkeit ausprobieren kann, bezeichnete der Vorstand die neue Gesellschaft. Bis Ende des Jahres soll die Plattform vollständig aufgebaut sein. Ziel ist es auch, einen entsprechenden Datenpool mit allen relevanten Daten zusammenzuführen und perspektivisch daraus datenbasierte weitere Geschäftsmodelle zu entwickeln. Noch ist das Zukunftsmusik: Als Stichworte fielen der bundesweite Vertrieb und die Vermarktung von Strom.

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Die Einsparungen bei den Prozesskosten, etwa im Kundenservice, sollen Freiräume für mehr wertschöpfende und beratungsintensivere Gespräche mit dem Kunden schaffen und die Kundenzufriedenheit entsprechend erhöhen.

Zur Optimierung im vergangenen Geschäftsjahr gehörte auch die Priorisierung von Investitionen. Rund 13 Millionen Euro wurden investiert. Der Fokus lag neben der Digitalisierung auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur. Im Gegenzug wurden weniger Mittel im Glasfaserausbau eingesetzt.

Mehr Geld für Netze und erneuerbare Energien

Perspektivisch werden sich die Investitionen in die Netzinfrastruktur in den kommenden Jahren verdoppeln. Im Versorgungsgebiet der GGEW werden pro Jahr rund 10 bis 12 Megawatt (MW) an neuen dezentralen Anlagen zugebaut. Zum Vergleich: Die Spitzenlast in der Region liegt bei 100 MW. In Summe wird im Netz der GGEW also mehr Strom produziert als verbraucht. "Den überschüssigen Strom müssen wir an den vorgelagerten Netzbetreiber zurückspeisen; das erhöht die Komplexität der Netzflüsse erheblich", so Vorstand Hoffmann. Um diesen sensiblen Prozess besser steuern zu können, wird ein digitaler Zwilling zur Simulation eingesetzt. "Man muss die Veränderungen der Netzflüsse frühzeitig erkennen, überwachen und gegensteuern", verdeutlichte er. Wichtig sei es, durch zusätzliche Speicher noch mehr Flexibilität in die eigene Energieversorgung zu bekommen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien wird weiter vorangetrieben. Das Portfolio umfasst mittlerweile über 240 MW. Aktuell stehen mehrere große Freiflächen-Solarparks in der Region vor der Fertigstellung.

Die wirtschaftliche Stabilisierung ist gelungen

Das Geschäftsjahr 2025 hat die GGEW mit einem Jahresüberschuss von 5,5 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist ein Plus von mehr als 4,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf 216,6 Millionen Euro. Zugleich erhöhte sich das Eigenkapital des kommunalen Energieversorgers von 76,8 auf 81 Millionen Euro. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 32 Prozent. An die Gesellschafter wurden aus dem Ergebnis die vereinbarten vier Millionen Euro ausgeschüttet. "2025 war für die GGEW das Jahr der wirtschaftlichen Stabilisierung. Wir haben unsere Prognose eingehalten, unsere finanzielle Basis gestärkt und wichtige Veränderungen im Unternehmen umgesetzt", sagt Hoffmann.

Den deutlichen Einbruch im Vertriebsergebnis bezeichnete Hoffmann als "einmaligen Effekt". Man habe sich 2024 auf dem höchsten Punkt der Beschaffungskurve Energiemengen in die Bücher geholt. "Die Preise konnten wir aber nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben; das wäre tödlich gewesen", versichert der Vorstand. Hätte man die Beschaffungskosten weitergegeben, hätte man deutlich mehr Kunden verloren. So habe man die Verluste in einem erträglichen Rahmen halten können. Aktuell und mittelfristig sieht er das Unternehmen in Vertrieb und Beschaffung mit Blick auf die Preise für die eingekauften Energiemengen wettbewerbsfähig aufgestellt.

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