Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt verändert. Von heute auf morgen waren Millionen Beschäftigte gezwungen, von zu Hause zu arbeiten. Mehr als ein halbes Jahr später sind Unternehmen und Arbeitnehmer im "neuen Normal" angekommen und beschäftigen sich mit der Frage, wie nachhaltig die Veränderungen sind. Dieser und weiteren Fragestellungen geht die Studie "Neues Arbeiten in Deutschland" der Marktforschungsgesellschaft Innofact im Auftrag der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ und des Magazins „Stern“ nach.
Im Vorspann zur Studie schreibt Florian Kunze, Prof. für Organizational Studies der Universität Konstanz: "Für Büro- und Wissenstätigkeiten in Deutschland finden massive Veränderungen der Arbeitsweisen statt hin zu mehr räumlicher Flexibilität. Mobiles Arbeiten und Homeoffice ist die neue Realität für viele Beschäftigte. Aus Unternehmensperspektive gilt es jetzt, diesen Wandel proaktiv mitzugestalten und eine produktive und gesundheitsfördernde Mischung aus mobiler und Präsenztätigkeit zu ermöglichen."
Flexiblere Raumkonzepte
94 Prozent der befragten Arbeitnehmer sagen, dass sich ihre Arbeitsweise durch den Corona-bedingten Lockdown verändert hat. Mehr als die Hälfte von ihnen (58 Prozent) glaubt zudem, dass die Veränderungen Bestand haben werden. Insbesondere Arbeitnehmer aus größeren Unternehmen (249+ Mitarbeiter), die häufig mit Großraumbüros und Mixed Areas ausgestattet sind, bekommen den Trend hin zum „Neuen Arbeiten“ und Homeoffice verstärkt zu spüren (81 Prozent). Bei den Entscheidern geben rund Dreiviertel an (74 Prozent), dass ein Wandel im eigenen Unternehmen bereits begonnen hat.
Firmen sind verpflichtet, strikte Sicherheits- und Hygienevorschriften umzusetzen. Folglich befassen sich 82 Prozent der Entscheider aus Unternehmen mit 200 bis 249 Mitarbeitern momentan damit, Arbeitsräume neu zu planen und einzurichten. Zu den wichtigsten Faktoren bei der Umgestaltung zählen für sie neben dem Wohlbefinden (88 Prozent) und der Gesundheit (87 Prozent) der Mitarbeiter auch die Langlebigkeit (87 Prozent) sowie gesundheitsfördernde und ergonomische Eigenschaften von Büromöbeln (86 Prozent).
Investitionsschwerpunkte
Mehr Relevanz gewinnen im Gegensatz zu einer vergleichbaren Vorjahresstudie flexible (76 Prozent in 2020 vs. 69 Prozent in 2019) und offene (75 vs. 70 Prozent) Raumkonzepte. Schnelle Anpassungsfähigkeit und Transparenz sind wichtige Anforderungen an moderne Büros.
Sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte werden in naher Zukunft in die Einrichtung von Büro und Homeoffice investieren. Entscheider sehen den größten Investitionsbedarf bei der technischen Ausstattung (89 Prozent), gefolgt von Büromöbeln, die ein flexibles Arbeiten ermöglichen (86 Prozent). Vorausgesetzt, ihr finanzieller Spielraum wäre größer, würden 77 Prozent auch in die Bürogestaltung investieren.
Drei Tage Homeoffice pro Woche
Beim Kauf der Möbel legen sie Wert auf das Preis-Leistungsverhältnis (61 Prozent), schnelle Lieferung (39 Prozent), Design und Optik (37 Prozent) sowie persönliche Beratung (35 Prozent). Letztere gewann im Vergleich zu einer thematisch ähnlich aufgebauten Befragung aus dem Jahr 2019 um ganze elf Prozentpunkte hinzu.
Durchschnittlich drei Tage pro Woche verbringen die Arbeitnehmer zurzeit im Homeoffice und möchten diese Frequenz zukünftig beibehalten. Beinahe alle befragten Beschäftigten (92 Prozent) sind tendenziell zufrieden mit dem Arbeiten zu Hause.
Vorteile und Nachteile des HO
Die Vorteile liegen für sie auf der Hand. 40 Prozent sagen, dass sie sich den nervigen Arbeitsweg sparen. 35 Prozent freuen sich über mehr zeitliche Flexibilität und 33 Prozent schätzen es, Familie, Freizeit und Beruf flexibler in Einklang bringen zu können.
Als nachteilig erweist sich für fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent), dass die sozialen Kontakte im Büro wegfallen. 36 Prozent fehlt zudem der schnelle Austausch mit Kollegen und rund ein Viertel (28 Prozent) stört, dass sie keinen Zugriff auf wichtige Unterlagen im Büro haben.
Arbeitsplatz zu Hause
Fast der Hälfte der Befragten (45 Prozent) steht zu Hause ein separates Arbeitszimmer zur Verfügung. 40 Prozent integrieren den Arbeitsplatz in das Wohn-, Ess- oder Schlafzimmer. Dafür hat etwa die Hälfte der Befragten (48 Prozent) vorhandenes Mobiliar provisorisch umfunktioniert. (dpa/hp)
