Corona verändert das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben maßgeblich und auf unbestimmte Zeit. Die Grundpfeiler des Umgangs miteinander – bei der Arbeit und auch im Privatleben – wackeln, eine Rückkehr in die Welt vor dem Virus wird es nicht geben. Im Zuge des Wandels des Arbeitsmarktes in Deutschland durch Covid-19 hat der Coworking-Spaces-Anbieter Satellite Office eine Befragung zum Thema „Homeoffice“ bei 1800 Kunden durchgeführt und die Ergebnisse in einem White Paper zusammengefasst.
Standen vor dem Ausbruch des Virus hauptsächlich die vier Megatrends Digitalisierung, Klimawandel, Globalisierung und demografischer Wandel im Fokus der Arbeitsweltanalysen, ergeben sich durch die erzwungene, abrupte Veränderung des Arbeitsverhaltens durch das Virus völlig neue Aspekte. Der sofortige, unvorbereitete Rückzug ins Homeoffice aus ganz verschiedenen Arbeitsumgebungen hat einschneidende Veränderungen für die Menschen mit sich gebracht. Die Satellite Office-Umfrage spiegelt wider, was dieser Schnitt für den Einzelnen in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Qualität der Arbeit, Belastung und Freiheit bedeutet hat und immer noch bedeutet.
Ausgangslage
Von den 1800 befragten Satellite Office-Kunden sind 60 Prozent selbstständige Unternehmer, 40 Prozent sind Angestellte. Unter ihnen sind 70 Prozent Wissensarbeiter und 30 Prozent Entrepreneure. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sind 30 bis 50 Jahre alt, 44 Prozent sind über 50 Jahre alt. Die Mehrheit der Befragten (67 Prozent) hat schon vor Covid-19 an mehreren Arbeitsplätzen wie Homeoffice, Firmenbüro, flexible Workspace oder im Coworking gearbeitet. Zum Zeitpunkt der Befragung arbeiteten 80 Prozent ausschließlich im Homeoffice.
Der Grund, sich vollständig dorthin zurückzuziehen, war bei 45 Prozent der Befragten freiwillig aus Angst vor einer Ansteckung, bei 28 Prozent war es die Vorgabe des Arbeitgebers. Knapp zehn Prozent der Befragten arbeiteten aufgrund der familiären Situation, meist für die Kinderbetreuung, zu Hause. Angegeben wurden als weitere Gründe in mehreren Kommentaren auch der Rückgang an Präsenzmeetings mit Kunden im Workspace und die Gefahr der Ansteckung schon bei der Anreise mit dem ÖPNV.
Zwischen Vereinsamung und familiärer Überforderung
Homeoffice von jetzt auf gleich, plötzlich durch den Lockdown herbeigeführt, bedeutet eine massive Veränderung, wie die Satellite Office-Umfrage zeigt. Viele neue Herausforderungen, die vorher eine kleine oder gar keine Rolle spielten, zeigen sich im neuen Alltag. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, die soziale Vereinsamung als Herausforderung zu betrachten.
Hier zeigt sich die Schere in unserer Gesellschaft: Die einen vereinsamen, in Familien mit Kindern finden die Befragten kaum genug Ruhe zum Arbeiten. Der neutrale Ort der Begegnung, das Büro oder der Workspace, fehlen allerdings beiden Gruppen gleichermaßen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. In Haushalten ohne Kinder haben die Menschen mehr Zeit zum Arbeiten als in Haushalten mit Kindern ohne externe Betreuung.
Zwischen Übererfüllung und Über-die-Runden-kommen
Das führt dazu, dass in kinderlosen Haushalten vieles abgearbeitet werden kann, was sonst eventuell liegen geblieben wäre. Das „Aufgearbeitete“ schwappt in die Haushalte mit Familien und kann nicht ebenso zügig weiterbearbeitet werden. Hier wird eher die Spitze des Eisbergs erledigt, an Aufarbeiten ist oft nicht zu denken. Ein Missverhältnis mit Konfliktpotenzial unter Kollegen entsteht.
Auch die Mehrarbeit für Führungskräfte schlägt zu Buche, denn Abstimmungsprozesse werden schwieriger, der digitale Austausch scheint aufwendiger als der direkte Kontakt und auch die Mitarbeiterführung ist deutlich schwieriger als im Office. 70 Prozent bewerten daher die Mitarbeiterführung aus dem Homeoffice nur mit ausreichend bis befriedigend
Größtes Plus: Wegfall der Anfahrt
Die am positivsten wahrgenommene Charakteristik des Homeoffices ist mit 75 Prozent der Wegfall des Arbeitsweges. Die freie Zeiteinteilung ist ebenfalls ein Faktor, der von der Hälfte der Befragten als sehr positiv wahrgenommen wird. Weit über ein Drittel (36 Prozent) befürworten die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Homeoffice. Über 20 Prozent empfinden das selbstständigere Arbeiten als sehr angenehm.
Hubertus Heil (SPD) will nun ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern. Wie immer gibt es Befürworter und Gegner eines solchen Gesetzes. Wie sehen das die Satellite Office-Kunden? Mit 55 Anmerkungen ist diese Frage die am stärksten kommentierte Frage der Umfrage. Das klare Ergebnis: Es braucht aus Sicht der Mehrheit der Befragten keine gesetzliche Regelung (fast 60 Prozent). Hauptgrund: Die Anforderungen sind zu unterschiedlich.
Nein zu Homeoffice-Gesetz
Anita Gödiker, CEO von Satellite Office, warnt sogar vor einem Arbeitsstättenrichtliniengesetz für Homeoffices. „Ein solches Gesetz würde vom Abstand bis zum Lichteinfall alles regeln müssen. Damit wäre das Homeoffice schnell wieder tot, weil die meisten zu Hause diese Auflagen gar nicht umsetzen können.“ (hp)
