Florian Grob ist Bereichsleiter erneuerbare Energien bei der GGEW AG im südhessischen Bensheim.

Florian Grob ist Bereichsleiter erneuerbare Energien bei der GGEW AG im südhessischen Bensheim.

Bild: © GGEW AG

Die GGEW AG hat durch den Kauf eines Hybrid-Solarparks im hessischen Wald-Michelbach das Erneuerbaren-Portfolio auf über 125 MW ausgebaut. Das kommunale Unternehmen setzt stark auf Photovoltaik und betreibt bereits über 40 PV-Anlagen, darunter zahlreiche PV-Freiflächenanlagen. Im Interview spricht Florian Grob, Leiter erneuerbare Energien bei der GGEW, über die neu gewonnene Flexibilität und die künftige Speicherstrategie.

Herr Grob, mit der Übernahme zweier Batteriespeicher im Innovationspark macht GGEW einen ersten Schritt in Richtung Speichertechnologie. Welche strategischen Überlegungen stehen genau dahinter?
Florian Grob:Durch die beiden Batterien sollen sich der Vermarktungswert und damit auch die Vermarktungserlöse der produzierten PV-Strommengen im Rahmen der EEG-Innovations-Ausschreibung erhöhen. Perspektivisch sollen Speicher die Vermarktungsmöglichkeiten im Rahmen von PPA-Modellen erweitern. Darüber hinaus finden die Energiewende und Wertschöpfung auch lokal vor Ort statt. Hier möchten wir als GGEW AG mit dem weiteren Ausbau unseres Erzeugungsportfolios aus erneuerbaren Energien unseren Beitrag leisten.

Wie genau sieht das Geschäftsmodell dahinter aus? Bis wann könnte sich die Investition amortisieren und wie wollen Sie die zusätzliche Flexibilität nutzen?
Indem wir die Energie zwischenspeichern, können wir durch die gewonnene Flexibilität deren Verfügbarkeit planbarer und bedarfsgerecht gestalten und damit auf Preissignale, etwa durch zunehmende „Kannibalisierung“ der EEG-Einspeisung im jetzigen Strommarktdesign, reagieren. Die Amortisation des Speichers wird sich gemeinsam mit der PV-Anlage im branchenüblichen Rahmen bewegen.
 
   


GGEW hat ein Erneuerbaren-Portfolio von aktuell über 125 MW. Wie interessant ist künftig die weitere Inbetriebnahme und der Kauf von Speichern durch die GGEW, um eine möglichst hohe Flexibilität zu erreichen?
Im Bereich Photovoltaik denken wir bereits alle neuen Projekte mit Speicher. Das bedeutet, dass genehmigungsseitig die PV-Projekte bereits Speicher umfassen sollen. Ob Speicher direkt mit der Inbetriebnahme der jeweiligen Anlage, oder erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgestattet werden, wird dann im Einzelfall entschieden. Dies geschieht in Zukunft auch auf Basis der gewonnenen Erfahrungswerte aus dem Projekt in Wald-Michelbach.  

Wie herausfordernd war die Suche nach einem Fremdkapitalgeber für die Finanzierung des Projekts in Wald-Michaelbach. Viele Banken tun sich ja noch schwer mit der Finanzierung von Speicherprojekten?
Tatsächlich ist das Thema Speicher und dessen Bewertung auch für viele Banken Neuland. Nichtsdestotrotz gab es sehr konstruktive und lösungsorientierte Diskussionen mit unserem Finanzierungspartner. Alle Beteiligten waren stark an einer gemeinsamen Lösung interessiert.
 
Wie hoch ist der zu leistende EK-Anteil durch GGEW und wie sehr unterscheiden sich die Finanzierungskonditionen (Stichwort Risikoprämie, Sicherheiten) von einem reinen Solarprojekt?
Über den Eigenkapital-Anteil der Projektfinanzierung können wir keine Angaben machen. Es kann bei Projekten dieser Art allerdings davon ausgegangen werden, dass aufgrund der Marktkomponente des „Speicherstroms“ in Verbindung mit den höheren Investitionskosten eine etwas höhere Eigenkapital-Ausstattung notwendig ist.



(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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