Verena Amann, Personalvorständin der Mannheimer MVV Energie

Verena Amann, Personalvorständin der Mannheimer MVV Energie

Bild: © MVV Energie

Die Corona-Krise dauert nun mehr als ein Jahr an. Viele Menschen arbeiten schon lange im Homeoffice. Wie gehen Ihre Mitarbeiter damit um? Sind viele von der Situation genervt?
Die Ansichten sind gemischt. Die anfängliche Euphorie über fünf Tage Homeoffice ist sicherlich verflogen. Im Übrigen gibt es eine hohe Korrelation zwischen der privaten Wohn- und Lebenssituation und der Zufriedenheit mit dem Arbeiten zu Hause. Grundsätzlich spüren wir aber eine große Sehnsucht nach dem Büro, was uns natürlich freut.

Wie sind im Moment die Regelungen bei MVV?
Alle Mitarbeiter, die Homeoffice-fähige Funktionen ausüben, sind streng angehalten, zu Hause zu arbeiten und wirklich nur ins Büro zu kommen, wenn es dringend erforderlich ist. Bei den Mitarbeitern, die ihre Arbeit nicht zu Hause erledigen können, sorgen wir dafür, dass die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten und die Prozesse möglichst kontaktarm durchgeführt werden können, beispielsweise bei einer Schichtübergabe.

Wie arbeitet der Vorstand?
Wir sind genauso im Homeoffice wie die Kollegen auch. Wir vermeiden jedes persönliche Treffen, auch wenn wir mal ins Büro müssen. So haben wir auch unsere Hauptversammlung und unsere Bilanzkonferenzen rein virtuell durchgeführt.

Das Homeoffice wird weiterhin empfohlen und es könnte sein, dass die Situation noch einige Wochen oder Monate andauert …
Wir haben schon zu Jahresbeginn entschieden, dass wir uns von Themen wie der Impfgeschwindigkeit lösen. Bei uns steht der Gesundheitsschutz mit Kontaktminimierung und damit auch die Planungssicherheit für unsere Mitarbeiter im Vordergrund. Wir haben sehr früh im Jahr kommuniziert, dass wir bis 30. September im Homeoffice bleiben, es sei denn, die pandemische Situation entspannt sich grundlegend.

Was bedeutet das für die Personalarbeit?
Daraus ergeben sich zwei Herausforderungen: Es ist eine Sache, das Geschäft sozusagen „am Laufen zu halten“. Eine andere ist, es auch weiterzuentwickeln, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu gestalten, Innovationen zu ermöglichen. Es geht also nicht nur darum, Microsoft Teams bedienen und Videokonferenzen durchführen zu können. Es geht auch darum, Innovations-Workshops im digitalen Raum zu veranstalten.
Wir sehen im bisherigen Verlauf der Corona-Krise, dass wir die richtigen Konzepte gewählt und die richtigen Hard- und Software-Tools für das Arbeiten zu Hause bereitgestellt haben, um das Funktionieren des Unternehmens sicherzustellen. Wir haben im vergangenen Jahr einen Riesensprung in Sachen Digitalisierung gemacht. Es gibt in unserer Unternehmenskultur gleichzeitig sehr schätzenswerte Eigenschaften, die nicht leiden dürfen: Zusammenarbeit, Austausch, Kommunikation, Wertschätzung. Je länger jeder allein im Homeoffice vor dem PC sitzt, desto mehr müssen wir dafür sorgen, dass davon nichts verloren geht. Wir wirken dem mit verschiedenen Digitalformaten dieser Entwicklung entgegen.

Was wollen Sie im Einzelnen machen?
Wir testen derzeit verschiedene Software-Lösungen für mehrere Situationen, die wir dann in Workshops ausrollen wollen. Außerdem versuchen wir, Themen stärker als bisher ressort- und bereichsübergreifend oder auch über Hierarchien hinweg zu bearbeiten. Wir wollen die Gruppen, die an einer Sache arbeiten, heterogener besetzen als bisher. Das ist etwas aufwendiger, führt aber dazu, dass die Vernetzung besser wird und dass alle wissen, was erarbeitet wird.

Wie handhaben Sie das Thema Innovationen aus dem Homeoffice heraus?
Wir hatten vor der Pandemie das Innovationsprojekt „Take-off“ entwickelt, das auf Präsenz ausgelegt war. Im Herbst 2020 hätte eine zweite Runde starten sollen, aber wir haben den Start auf Herbst dieses Jahres verschoben. Die so gewonnene Zeit nutzen wir, um das Unternehmen „ready for Take-off“ zu machen, indem wir digitale Kreativprozesse schulen. Dafür haben wir verschiedene Bausteine entwickelt, zum Beispiel wie man Online-Verfahren zur Ideenfindung gestaltet, wie man Feedback gibt und eine Streitkultur etabliert. Wir gehen im Moment davon aus, dass wir auch im Herbst noch keine Präsenz-Kreativ-Workshops abhalten können. Deshalb bereiten wir uns nun auf einen digitalen Innovationsprozess vor.

Viele Unternehmen machen sich Gedanken, wie sich das Thema Homeoffice – bei einer Normalisierung der Verhältnisse – entwickeln wird …
Wir auch. Wir wollen zunächst sehen, wo sich bei uns das Pendel einschwingt. Vor der Pandemie arbeiteten wir fast ausschließlich im Büro. Wir sind also aus einer Situation mit fast 100 Prozent Präsenz in eine Situation mit rund zwei Dritteln Homeoffice katapultiert worden. Für uns stellt sich nun die Frage: Was ist für unser Unternehmen in Zukunft die richtige Balance? Auch unter der Berücksichtigung, dass wir viele Mitarbeiter haben, die für unsere Leistungserbringung zwingend vor Ort tätig sein müssen. Denn wir wollen keine Parallelwelten schaffen. Und wir sehen es auch nicht als ideal an, wenn jemand ausschließlich im Homeoffice arbeitet.

Wie sieht Ihre Lösung aus?
Wir wollen ein Modell mit drei Tagen Präsenz und zwei Tagen Homeoffice einführen. Die Homeoffice-Tage können ohne bürokratischen Aufwand mit der Führungskraft vereinbart werden. Dieses Modell gilt für ein Jahr. Nach sechs Monaten wollen wir verschiedene Feedbackrunden durchführen – mit Mitarbeitern ganz unterschiedlicher Funktionen und Rahmenbedingungen, also mit Führungskräften, mit Pendlern, die einen weiten Arbeitsweg haben, mit Mitarbeitern, die um die Ecke wohnen, mit Teilzeitkräften usw. – und fragen: Wie geht es euch mit dem hybriden Modell? Dann werden wir sehen, wie wir weiter vorgehen: ob wir differenziertere oder pauschalere Lösungen anbieten.

Was halten Sie von gesetzlichen Regelungen zum Homeoffice? Bundesarbeitsminister Heil hat ja einen Gesetzentwurf dazu vorgelegt, der vermutlich in dieser Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet wird. Was ist grundsätzlich Ihre Meinung dazu?
Ich kann das Ansinnen von Minister Heil durchaus nachvollziehen - vor allem vor dem Hintergrund, dass nicht mal in Pandemiezeiten alle Homeoffice-fähigen Funktionen auch tatsächlich zu Hause arbeiten. Das ist ja ein Ausgangspunkt für den Gesetzesvorschlag.
Gleichzeitig haben mittlerweile viele Unternehmen für sich die passenden Regelungen geschaffen. Ein solches Gesetz bedeutet einen Eingriff in die Unternehmens- und Arbeitsorganisation, die schwierig sein kann, je nachdem, wie tief die Vorschriften greifen. Mein Wunsch wäre, dass alle Unternehmen mit der Verantwortung, die sie haben, so umgehen, dass so ein Gesetz gar nicht nötig ist. Das ist unser Anspruch.

Das Interview führte Elwine Happ-Frank

Das ganze Interview lesen Sie in der Mai-Ausgabe der ZfK. Hier können Sie ein Abo erwerben.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper