Von Pauline Faust
Die Stadtwerke Bielefeld haben Gespräche über den Verkauf von Anteilen an den Stadtwerken Gütersloh an die Stadt Gütersloh aufgenommen. Das teilten die beiden Gesellschafter in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Die Nachricht kommt überraschend, nachdem die Bielefelder noch im vergangenen Jahr einen Verkauf ausgeschlossen hatten. Die Stadtwerke Bielefeld begrüßten nun, "in dieser Angelegenheit auf Gesellschafterebene erstmals in einen offenen und vertrauensvollen Austausch zu kommen", erklärte der Bielefelder Stadtwerkechef Martin Uekmann.
Die Stadtwerke Bielefeld halten an dem Gütersloher Kommunalversorger Anteile von 49,9 Prozent, welche sie 2001 für 110 Millionen D-Mark gekauft hatten. Die Gütersloher Politik bekundete seit einiger Zeit Interesse an einem Rückkauf und kritisierte den Bielefelder Mitgesellschafter unter anderem dafür, dass dieser sich nicht an wichtigen Investitionen in Gütersloh beteiligen wolle.
In Gütersloh gab es Ende vergangenen Jahres zwei personelle Wechsel. Mit dem neuen Gütersloher Bürgermeister und dem neuen Gütersloher Stadtwerkechef nimmt der Rückkauf nun Fahrt auf.
"Als hundertprozentige Gesellschafterin würde die Stadt Gütersloh wieder die volle Verantwortung für unsere Stadtwerke tragen", erklärt Matthias Trepper, der seit Dezember 2024 Bürgermeister der Stadt Gütersloh ist. "Die wichtigen Entscheidungen über die strategische Ausrichtung würden bei uns getroffen." Während der sehr konstruktiven Gespräche mit den Stadtwerken Bielefeld sei aber deutlich geworden, dass die beiden Partner auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten wollen, erklärte der SPD-Politiker: "Wir wissen um die Bedeutung einer Kooperation gerade in diesen Zeiten."
Nach 13 Jahren verließ der Gütersloher Stadtwerke-Chef das Unternehmen
Ende letzten Jahres verließ auch der langjährige Stadtwerke-Chef Ralf Libuda das Unternehmen vorzeitig. Sein Nachfolger ist Dietmar Spohn.
Außer dem Wunsch Libudas sich neuen Herausforderungen widmen zu wollen, nannten die Stadtwerke keine Gründe für den vorzeitigen Abschied. Allerdings war das kommunale Unternehmen zuletzt in die Negativschlagzeilen geraten, da es einen verlustreichen Stromliefervertrag mit Bertelsmann abgeschlossen hatte. Der Schaden soll Medienberichten zufolge in Millionenhöhe gehen.
Rückkauf ist noch in diesem Jahr möglich – Einsatz von Fremdkapital steht im Raum
Die Stadt Gütersloh will für die Stadtwerke künftig eine Holding gründen. Die Anteile werden sie nach ZfK-Informationen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Die Finanzierung könnte für Gütersloh, welches derzeit 100 Millionen Euro Schulden hat und auf Sparkurs ist, eine Herausforderung werden.
"Eine endgültige Entscheidung über den Kauf soll in den kommenden Wochen vom Rat der Stadt Gütersloh getroffen werden", erklärte der Gütersloher Gesellschaftervertreter Carsten Schlepphorst auf Anfrage. "Unser Ziel ist es, eine Übernahmestruktur zu entwickeln, die sowohl den Haushalt 2025 nicht zusätzlich belastet als auch die finanzielle Stabilität der Stadtwerke künftig gewährleistet."
Um dieses Ziel zu erreichen, solle die Finanzierungspotentiale aus dem Stadtwerkegeschäft eingesetzt werden, um die Umsetzung des ausgewählten Finanzierungsmodells sowie die strategische Ausrichtung des Stadtwerkegeschäfts zu ermöglichen. Dabei werde auch der Einsatz von Fremdkapital berücksichtigt, um eine möglichst wirtschaftliche Umsetzung sicherzustellen und die Maßgaben zur Vermeidung von Haushaltsbelastungen zu erfüllen. Entsprechende strukturelle Anpassungen im "Konzern Stadt Gütersloh" für die Realisierung dieses Plans seien in der Erarbeitung.
In dem von beiden Seiten als "offen und gut" bezeichneten Austausch sei bereits über wesentliche Eckpunkte eine Einigung erzielt worden. Aus Sicht beider Gesellschafter sei es möglich, den Rückkauf noch in diesem Jahr abzuwickeln – immer unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gremien.
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Anmerkung der Redaktion: Zitate von Carsten Schlepphorst (Stadt Gütersloh) wurden am 11. April um 9:40 Uhr ergänzt.
