Alexander Sladek ist Vorstand der Genossenschaft EWS Elektrizitätswerke Schönau.

Alexander Sladek ist Vorstand der Genossenschaft EWS Elektrizitätswerke Schönau.

Bild: © EWS Schönau

Mit der Übernahme der Stromnetze in Schönau im Schwarzwald im Jahr 1997 hat die Geschichte der Elektrizitätswerke Schönau begonnen. Ziel der aus einer Bürgerinitiative entstandenen Energiegenossenschaft war es, regenerativ erzeugten Strom zu fördern und vom Atomstrom wegzukommen. Dazu brauchte man damals eigene Netze. Dass die Genossenschaft jetzt, 30 Jahre später, im Netzbereich eine weitreichende Kooperation mit der Badenova vereinbart und ihre neun Stromnetze ab 2027 an die Freiburger verpachtet, ist eine tiefgreifende Veränderung. 

"Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen", sagt EWS-Vorstand Alexander Sladek im Gespräch mit der ZFK.

 Ab 2028 und bis Anfang der 2030er Jahre stehen die nächsten Konzessionsausschreibungen an. Aktuell liegen die Netznutzungsentgelte der EWS für einen Privathaushalt teils 60 Prozent über denen der Mitbewerber. Knapp 13 Cent pro Kilowattstunde sind es aktuell bei der EWS, bei der Badenova liegt das Entgelt aktuell bei etwas über sieben Cent. 



Topographische Herausforderungen und Frachkräftemangel


Als Grund für das Gefälle nennt Sladek die topographischen Gegebenheiten. Das Netzgebiet erstreckt sich von 400 bis zu 1400 Meter über Meereshöhe. In der Niederspannung gibt es zwar keine Freileitungen mehr, in der Mittelspannung aber schon. Im Herbst und Winter gibt es oftmals Schäden durch Stürme oder Schnee, die Kosten der Netzbewirtschaftung seien deshalb höher als andernorts.  Als kleiner Netzbetreiber mit rund 3500 Zählpunkten haben die EWS ein Größenproblem, es fehlen die Skalierungsmöglichkeiten, um die Kosten auf ein Vielfaches an Kunden zu verteilen und so entsprechend marktfähige Netzentgelte sicherzustellen. Bei den anstehenden Konzessionswettbewerben wäre das ein echter Nachteil gewesen.



Aber auch der Fachkräftemangel habe letztlich dazu geführt, sich für eine Verpachtung der Netze zu entscheiden. "Wir haben nach wie vor Schwierigkeiten, Elektromonteure zu rekrutieren. Unser langjähriger Geschäftsführer Martin Halm wird zudem nächstes Jahr altersbedingt das Unternehmen verlassen", erklärt Sladek. Trotz großen Rekrutierungsaufwands und dem Einschalten von Headhuntern habe man diese wichtige Position bis heute nicht nachbesetzen können.



Die steigenden Anforderungen im Regulierungs- und Informationssicherheitsmanagement sorgen für Kostenblöcke, die nicht zu vernachlässigen sind.

Neben den hohen Kosten zur operativen Netzbewirtschaftung habe man als kleiner Verteilnetzbetreiber aber auch mit den Kosten aus den steigenden Anforderungen im Regulierungs- oder Informationssicherheitsmanagement, etwa durch die EU-Cybersicherheitsrichtlinie NIS 2, zu kämpfen gehabt. "Da entstehen Kostenblöcke, die für einen kleinen Netzbetreiber nicht zu vernachlässigen sind. Wir müssen diese Anforderungen genauso erfüllen und unsere Assets genauso schützen wie große Unternehmen", sagt Sladek. Mit dem Unterschied, dass sich die Kosten bei einem großen VNB auf viel mehr Kunden verteilten.


Man habe in den vergangenen Jahren verschiedene Optionen sondiert. Auch eine Fusion wurde überlegt, aber es fehlte an geeigneten Partnern in der unmittelbaren Nachbarschaft.

 Die Ergebnisse der EWS Netze in den vergangenen Jahren seien oft negativ gewesen. Trotz einer relativ hohen Erlös-Obergrenze sei der Netzbetrieb aber nicht auskömmlich gewesen, insbesondere wegen der hohen Fixkostenblöcke durch spezifische Regulierungsanforderungen. Durch die Verpachtung an die Badenova ab kommendem Jahr geht er hier künftig von schwarzen Zahlen aus.

Kooperationsdruck für kleinere Netzbetreiber ist gestiegen

"Die Stromnetze sind maximal reguliert, an vielen Stellen auch überreguliert. Hier sind die Einflussmöglichkeiten für einen Netzbetreiber sehr gering", verdeutlicht er. Als Netzeigentümer könne die EWS aber auch künftig Einfluss auf die Sektorenkopplung vor Ort nehmen. Was mit den zwei kleinen Gasnetzen der EWS geschehe, werde man noch überlegen. "Dort sind die Kosten für Digitalisierung und IT andere als im Strom, die Ergebnisse hier waren immer schwarz", sagt er.

Ob man in der Branche künftig vermehrt solche weitreichenden Kooperationen oder gar Fusionen von Verteilnetzbetreibern sehen wird? Der Handlungsdruck jedenfalls ist groß. "Jeder Netzbetreiber unter 20.000 Zählpunkten muss sich künftig fragen, wie wettbewerbsfähig er auf Dauer ist", prognostiziert Sladek. Es gebe wohl seitens der Bundesnetzagentur den unausgesprochenen Wunsch nach einer Konsolidierung in der Verteilnetzbranche. Aber statt einer ehrlichen und offenen Diskussion über mehr Kooperationen und effizientere Struktur setze die Politik auf eine Konsolidierung durch die Hintertür.

"Die Regulierungsvorgaben machen den Netzbetrieb für kleinere Unternehmen Schritt für Schritt so unwirtschaftlich, dass ihr Fortbestand auf Dauer nur über Kooperationen oder Fusionen möglich ist." Sladek kritisiert die mangelnde Transparenz in diesem schleichenden Konsolidierungsprozess. "Wenn man diese Handlungszwänge offen und transparent in der Branche diskutieren würde, kämen oftmals bessere Lösungen dabei raus, als wenn man das letztlich nur über den wirtschaftlichen Zwangshebel der Regulierung macht", ist er überzeugt.

Negative Kooperationslogik bedeutet: Es wird nur auf die Schmerzpunkte geschaut, nicht auf zusätzliche Mehrwerte.

Statt eine echte Bereitschaft zur Kooperation werde so eine "negative Kooperationslogik" erzeugt. "Es geht nur darum zu verhindern, noch mehr zu verlieren, etwa den Netzbetrieb. Ob es aber gegebenenfalls Sinn macht und Chancen birgt, in weiteren Feldern zusammenzuarbeiten, wie in der IT, Shared Services oder Vertrieb, wird so nicht gesehen und gehoben", verdeutlicht Sladek. Es werde nur auf die Schmerzpunkte geschaut und nicht auf die zusätzlichen Mehrwerte. In Summe werde hier branchenweit "zu betriebswirtschaftlich und zu wenig volkswirtschaftlich gedacht".

Ausbau der Kooperation mit Badenova denkbar

Die EWS versuche an der Stelle eine positive Kooperationslogik zu entwickeln. Sprich, mit dem neuen Kooperationspartner Badenova würden auch weitere Kooperationsansätze verfolgt. Beide projektierten Windkraftanlagen im Schwarzwald, beide engagierten sich im Bereich Wärmenetze. Auch hier sei eine engere Zusammenarbeit denkbar. 

Die drei Hauptgeschäftsfelder der EWS blieben auch künftig die Erzeugung, die Verteilung und der Vertrieb. Der Fokus liege weiterhin auf dem Erneuerbaren-Ausbau, hier wolle man bis 2030 das eigene Portfolio auf 150 Megawatt ausbauen. Auch der Strom- und Biogasvertrieb bleibe ein wichtiges Standbein. Hinzugekommen sei in den letzten Jahren auch der Aufbau und Betrieb von Wärmenetzen im eigenen Versorgungsgebiet.



Im Landkreis Lörrach gebe es aktuell Bestrebungen, einen großen Wärmeverbund zu schaffen, der die Abwärme der Industrie vom Hochrhein nutze oder auch Geothermie und weitere Wärmequellen einzubinden versuche. "Eine Kooperation könnte auch für uns interessant sein, wir sind im stetigen Austausch mit den beteiligten Akteuren im Landkreis", so Sladek, denn: "Wie bei Strom- und Gasnetzen geht es auch beim Ausbau der Wärmenetze um zukunftsweisende Infrastrukturleistungen, die von großem öffentlichen Interesse sind. Insofern arbeiten wir dabei eng mit Kommunen, dem Landkreis und anderen Energieversorgern zusammen."

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