Von Artjom Maksimenko
Der Essener Energiekonzern Eon und der Betreiber und Entwickler von Rechenzentren Cyrus One wollen mit einem innovativen Ansatz gegen die Netzengpässe im Frankfurter Raum vorgehen. Dabei greift Eon auf sein Konzept "IQ Energy Center" zurück, das künftig ergänzend zur bestehenden Versorgung eingesetzt wird.
Für die Partnerschaft entwickelt Eon Energy Infrastructure Solutions (EIS) sein lokales Stromerzeugungssystem "E.ON IQ Energy® Center" zusammen mit Cyrus One weiter, welches das Rechenzentrum FRA7 in Frankfurt-Griesheim künftig mit Strom versorgen soll.
IT-Kapazität steigt deutlich
Mit einem lokalen Stromerzeugungssystem will Eon dem Rechenzentrum ab 2029 61 Megawatt zusätzlich zur Verfügung stellen. Damit würde sich die gesamte IT-Kapazität des Campus auf 126 Megawatt erhöhen. Mit diesem Schritt reagieren die Unternehmen auf die herrschenden Netzengpässe im Frankfurter Raum. In diesem Gebiet steigt die Zahl der großen Verbraucher, wie Rechenzentren, kontinuierlich weiter. Neben lokalen Lösungen zur Energieerzeugung ist ebenfalls eine Zusammenarbeit bei Power Purchasing Agreements (PPA) und Abwärmenutzung vorgesehen. Ziel der Partnerschaft sei es, kurzfristig zusätzliche Kapazitäten für Kunden in dynamisch wachsenden Regionen bereitzustellen, in denen der Netzzugang derzeit stark eingeschränkt oder verzögert ist.
Neben dem Raum Frankfurt soll die Partnerschaft auch in weiteren Regionen Europas fortgesetzt werden. "So schaffen wir durch die Skalierung innovativer Technologien eine einzigartige Gelegenheit, unseren Kunden in ihren wichtigsten Märkten Wachstumskapazitäten zu ermöglichen", sagte Matthew Pullen, Executive Vice President und Managing Director Europe bei Cyrus One.
Nachhaltiges Gesamtkonzept
Das Rechenzentrum FRA7 von Cyrus One ist Teil des Campus Frankfurt Westside, einer 73 Hektar großen Entwicklungsfläche für Gewerbe und Industrie, der von der Beos AG und Swiss Life Asset Managers verwaltet wird. Im Jahr 2023 wurde Cyrus One ausgewählt, ein Rechenzentrum zu realisieren, das bis zu 40 Megawatt Abwärme in das Campus-Heiznetz einspeisen kann.
Im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen werde auch beim geplanten Stromerzeugungssystem insbesondere auf Energieeffizienz und ökologische Verantwortung geachtet. Ein weiteres Novum in der Branche ist laut Unternehmensangaben die geplante Integration einer Grundlastkühlung über Absorptionskältemaschinen, die die Abwärme aus der Stromerzeugung in Kühlung für das Rechenzentrum umwandeln.
Dieses Verfahren soll die Gesamteffizienz des Systems steigern, den Stromverbrauch senken und damit den Power-Usage-Effectiveness(PUE)-Wert signifikant verringern.
Das gemeinsam entwickelte System erzeugt Strom, Kühlung und Wärme durch einen Verbrennungsprozess und ermöglicht Cyrus One die Einbindung von Herkunftsnachweisen für grünen Strom. Zu Beginn kommt Erdgas als Brennstoff zum Einsatz. Das System kann künftig mit bis zu 25 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Auch eine Umstellung auf 100 Prozent Wasserstoff sei durch entsprechende Nachrüstungen möglich.
