Auch am Standort in Gelsenkirchen-Scholven plant Uniper ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk.

Auch am Standort in Gelsenkirchen-Scholven plant Uniper ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk.

Bild: © Uniper

Der Energiekonzern Uniper wird sich bereits bei der ersten Ausschreibung im Rahmen des sogenannten Kraftwerksgesetzes (Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz; StromVKG) Anfang September mit zwei wasserstofffähigen Gaskraftwerken beteiligen. Die Anlagen sollen an den Standorten Gelsenkirchen-Scholven und Staudinger entstehen. Zusammen haben sie eine Kapazität von rund 1,7 Gigawatt (GW).

"Es handelt sich um sehr wettbewerbsfähige Projekte an guten Standorten", zeigte sich Uniper-CEO Michael Lewis bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen gegenüber Journalisten optimistisch. Uniper habe seine Hausaufgaben gemacht und sei gut auf die Ausschreibungen vorbereitet – auch dank einer frühzeitig eingegangenen Kooperation mit Siemens Energy. Kommt Uniper bei den Ausschreibungen zum Zug, sollen die Anlagen 2030/31 bereits in Betrieb gehen. Sollten beide oder eines der Projekte in der ersten Ausschreibung keinen Zuschlag erhalten, werde man erneut bei der geplanten zweiten Ausschreibung im Dezember ins Rennen gehen.

Uniper sieht sich für die Ausschreibung gut vorbereitet

Die deutlich verbesserten Halbjahreszahlen (siehe Infobox) geben dem Unternehmen zusätzlichen Rückenwind. "Ob eine Strategie trägt, zeigt sich erst, wenn das Fahrwasser rauer wird“, betonte Lewis. Uniper habe aus der Krise vor über drei Jahren gelernt und sei mittlerweile deutlich resilienter aufgestellt als noch vor vier Jahren, als der Bund Deutschlands größten Gasimporteur auf dem Höhepunkt der Ukrainekrise mit seinem Einstieg stabilisieren musste. "Das Halbjahresergebnis zeigt die Stärke unseres diversifizierten Portfolios", ergänzte Finanzchef Christian Barr.

Gasgeschäft treibt Ergebnisse

Halbjahreszahlen

Der Energiekonzern Uniper blickt nach den ersten sechs Monaten mit mehr Zuversicht auf das Gesamtjahr. Die Ergebnisprognosen würden bestätigt und die jeweiligen Untergrenzen angehoben, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mit. Für das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwartet Uniper nun 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro und damit am unteren Ende 100 Millionen Euro mehr. Der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen, was im schlechtesten Fall 150 Millionen Euro mehr wären als zuvor erwartet.

Im zweiten Quartal setzte sich die positive Dynamik aus dem ersten Jahresviertel fort. So erwirtschaftete Uniper zum ersten Halbjahr im Tagesgeschäft mit 711 Millionen Euro fast 90 Prozent mehr operatives Ergebnis als im Vorjahreszeitraum. Dabei profitierten die Düsseldorfer von einem starken Gasgeschäft, weil in diesem Bereich im laufenden Jahr kostenintensive Umbaumaßnahmen wegfallen. Belastend wirkte hingegen die ungeplante Nichtverfügbarkeit eines schwedischen Atomkraftwerks. Der bereinigte Gewinn des Konzerns verdreifachte sich nahezu auf 388 Millionen Euro (dpa)

Auch wenn Uniper kein Flüssiggas aus der Golfregion bezieht und von der Blockade der Straße von Hormus nicht betroffen ist, hofft CEO Lewis naturgemäß auf eine zeitnahe und dauerhafte Lösung des Konflikts. "Ein mittel- bis langfristiges Anhalten der Krise wäre fatal", verdeutlichte er. Solange die Meerenge gesperrt bleibe, würden die Großhandelspreise im Bereich von 50 bis 60 Euro pro Megawattstunde (MWh) verharren.

Lewis verweist auf die gewachsene Widerstandsfähigkeit

Infolge des Irankriegs fehlten aktuell aufgrund der vergleichsweise hohen Großhandelspreise ausreichend Anreize für eine zügige Einspeicherung von Gas bis zum Beginn der Winterperiode Anfang November. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher lagen am 10. August bei 48,4 Prozent, die Speicher von Uniper Storage bei rund 57 Prozent. "Es bleibt genügend Zeit, um einen Speicherfüllstand von 70 Prozent zu erreichen", so Lewis. Das entspricht den nationalen Füllstandszielen; EU-weit sind 80 Prozent das Ziel. Damit das Einspeichertempo zunehme, müssten sich aber auch die Gaspreise entsprechend entwickeln, hieß es weiter.

Die Sorge, dass die deutschen Gasspeicher nach einem harten Winter zum Ende der Heizperiode mit sehr niedrigen Füllständen in die Einspeichersaison gehen und dadurch eventuell auch die Versorgungssicherheit beeinträchtigt werden könnte, teilt der Uniper-Chef indes nicht. "Für unsere Kunden haben wir bereits ausreichend Gasmengen bestellt und gehedgt“, verdeutlichte er.

Uniper-Chef skeptisch gegenüber staatlichen Eingriffen

Staatliche Eingriffe, um das Erreichen der Speicherziele zu beschleunigen, sieht Lewis eher kritisch. "Die Auswirkungen von Ad-hoc-Interventionen auf die Marktpreise sind immer schwer zu prognostizieren", stellte er klar. Mittelfristig benötige das Marktdesign für Gasspeicher in Deutschland aber einen neuen regulatorischen Rahmen. Als mögliches Vorbild nannte er Frankreich. Auch die von der Bundesregierung ab 2027 geplante strategische Gasreserve könne hier hilfreich sein.

Der Energiekonzern plant bis 2030 Investitionen von rund fünf Milliarden Euro, unter anderem in flexible Erzeugung, erneuerbare Energien sowie den Ausbau des Gasbezugsportfolios. Ein wichtiger Bestandteil der Transformationsstrategie ist die Ansiedlung von Rechenzentren an geeigneten Kraftwerksstandorten. Man habe zehn Anschlüsse evaluiert, die sich als geeignet erweisen können; darunter befänden sich mindestens vier in Deutschland.

Niedrigere Produktion aus Wasserkraft beeinflusst Handelsstrategie

Finanziert werden die Investitionen aus eigener Kraft. Das Eigenkapital liegt aktuell bei zwölf Milliarden Euro; das Unternehmen ist laut Finanzchef Barr schuldenfrei. Dank des stark diversifizierten Portfolios konnten auch die jüngsten Belastungen durch eine deutlich niedrigere Produktion der Wasserkraftwerke kompensiert werden. "Der Einfluss der Hitzesommer auf die Wasserkraft beschäftigt uns schon länger, auch das vergangene Jahr war sehr trocken", so der Manager.

Die Schwankungen bei den zur Verfügung stehenden Wassermengen nehmen zu. Damit hier keine größeren wirtschaftlichen Schäden entstünden, müsse die Handelsstrategie eventuell angepasst werden. Man werde überlegen müssen, im Vorfeld weniger Strom zu vermarkten. Die Wasserkraftanlagen von Uniper seien gerade auch bei der Hochwasserregulierung sehr wichtig, ergänzte Uniper-Chef Lewis. Deshalb sei es weiterhin "sehr wichtig", die Wasserkraftwerksflotte als Portfolio zu managen.

Uniper Chef: "Heute sind wir für Investoren attraktiv

Der Bund hat die Reprivatisierung von Uniper eingeleitet. Fragen über eine mögliche Zerschlagung oder Wünsche mit Blick auf Investoren wollte Lewis nicht kommentieren und verwies an den Bund. Die Entscheidung über Form und Zeitplan der Reprivatisierung liege beim Bund. Uniper konzentriere sich auf sein Geschäft: "verlässliche Erträge, eine starke Bilanz, eine klare Strategie". Das sei die beste Vorbereitung. Man habe Uniper in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt. "Heute sind wir finanziell stark, strategisch klar aufgestellt und für Investoren attraktiv. Das macht jede Entscheidung über die Eigentümerstruktur einfacher."

Co-Autor*in:
Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper