Die angeschlagenen Stadtwerke Teterow in Mecklenburg-Vorpommern wollen ihre defizitäre Glasfasersparte verkaufen. Nach Informationen der ZFK laufen aktuell erste Gespräche mit verschiedenen privaten Glasfaser- und Telekommunikationsanbietern. Als Erstes hatte der "Nordkurier" darüber berichtet.
Die Verkaufsgespräche sind Teil einer neuen strategischen Ausrichtung. Der Fokus des kommunalen Unternehmens und seiner rund 90 Mitarbeitenden soll künftig primär wieder auf das Kerngeschäft gerichtet werden. Das ist vor allem die Versorgung mit Fernwärme, Strom und Gas.
Zu wenig Anschlüsse in Glasfasersparte
Die Stadtwerke aus der Kleinstadt im Landkreis Rostock hatten 2016 mit dem Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes begonnen. Ziel war es, über diese digitale Infrastruktur Internetzugang, Telefonie und Fernsehen anzubieten. Der Kommunalversorger hat beim Aufbau seiner Glasfasersparte offenbar einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Der defizitäre Geschäftsbereich schrieb in den vergangenen Jahren im Schnitt rund 600.000 Euro Verlust pro Jahr.
Grund ist unter anderem, dass die erhofften Anschlussquoten weit unter den ursprünglichen Erwartungen liegen. Rund 9.000 Menschen leben in der Kleinstadt Teterow. Das Anschlusspotenzial im Glasfaserbereich liegt bei insgesamt rund 5.000. Ziel der Stadtwerke waren 2.500 Anschlüsse, aktuell sind es aber nur 1.000.
Höhere Kosten und Konkurrenz durch private Anbieter
Weil Unternehmen und Gewerbe höhere Bandbreiten gefordert hatten, waren die Stadtwerke Teterow nach Informationen der ZFK vor einigen Jahren im Sinne der "digitalen Daseinsvorsorge vor Ort" in das neue Geschäftsfeld Glasfaserausbau eingestiegen. Die Kosten des Ausbaus sind aber wegen der gestiegenen Preise im Baubereich teurer geworden als ursprünglich angenommen.
Erschwerend hinzukommt, dass nach Beginn des Aufbaus einer entsprechenden Infrastruktur große private Mitbewerber begonnen haben sollen, höhere Bandbreiten vor Ort anzubieten. Die Folge: Deutlich weniger Unternehmen und Haushalte sind zu den Stadtwerken gewechselt. Weil die Wechselquoten unzureichend waren, wurden kostenintensive Vertriebskonzepte erstellt, um die Akquiseziele dennoch annähernd zu erreichen.
Auch andere Stadtwerke mit Problemen
Da eine Wirtschaftlichkeit dieses Geschäftsbereichs aktuell nicht absehbar ist und zeitgleich hoher Investitionsbedarf bei Fernwärme und Stromnetzen besteht, ziehen die Stadtwerke die Reißleine und wollen sich von der Sparte trennen. Dass der Glasfaserausbau kein Selbstläufer ist und dies aktuell zunehmend auch kommunale Betreiber zu spüren bekommen, zeigt eine aktuelle Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.
So prüfen unter anderem auch die Stadtwerke Ahrensburg den Verkauf oder die Verpachtung ihres seit Längerem defizitären Breitbandgeschäfts.
Zuständigkeit für Gaststätte geht an die Stadt zurück
Als Teil der Refokussierung auf das Kerngeschäft geben die Stadtwerke auch die Zuständigkeit für den Betrieb einer Gaststätte auf einer nahe gelegenen Ausflugsinsel an die Stadt zurück. Auch dieser Bereich war in den vergangenen Jahren offenbar defizitär.
Die Stadtwerke Teterow arbeiten aktuell mit einer externen Unternehmensberatung an einem Zukunftskonzept. Nachdem der Stadtrat vor zwei Wochen dem Aufhebungsvertrag mit dem mittlerweile ausgeschiedenen Geschäftsführer Marc Fischer zugestimmt hatte, wird das Unternehmen bis auf Weiteres von den Prokuristen Walter Bommer und Andreas Grindel geleitet. Diese hatten bereits vor zwei Jahren nach dem Abgang des damaligen Geschäftsführers Hagen Böhme für kurze Zeit als Interims-Geschäftsführer eingesprungen. Ob die Führungsposition neu ausgeschrieben wird oder dauerhaft intern neu besetzt wird, ist noch offen.
Liquidität bis Jahresende gesichert
Die Liquidität der Stadtwerke ist bis Ende des Jahres durch die Verlängerung einer Ausfallbürgschaft der Stadt gesichert. Die aktuell schwierige Situation hängt unter anderem auch mit der Insolvenz der Stadtwerke in der benachbarten Stadt Laage zusammen. Die Stadtwerke Teterow waren mit 25 Prozent an den Stadtwerken Laage beteiligt.
Die letzten öffentlich einsehbaren Geschäftszahlen im Bundesanzeiger der Stadtwerke Teterow umfassen das Geschäftsjahr 2021. Laut Beteiligungsbericht der Stadt Teterow erwirtschafteten die Stadtwerke im Jahr 2023 einen Jahresüberschuss von 709.000 Euro und einen Umsatz von 34,4 Millionen Euro. Das Stammkapital betrug damals zwei Millionen Euro, die Eigenkapitalquote lag über 31 Prozent.