Die Stadtwerke Konstanz machen das Energiesystem der Stadt fit für die Zukunft. Mit kommunaler Wärmeplanung, Zielnetzplanungen für Strom und Gas, einem nach Plan verlaufenden Smart-Meter-Rollout und hohen jährlichen Investitionen treiben wir die Transformation der Netzinfrastruktur konsequent voran. Allein dieses Jahr investieren wir rund 27 Millionen Euro in die Energieinfrastruktur – ein sichtbares Bekenntnis zu Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Mehr als 150 Millionen Euro werden es insgesamt sein, die allein für die Stromnetze in den kommenden Jahren an Investitionen erforderlich sind.
2023: Kommunale Wärmeplanung als Ausgangspunkt
Die kommunale Wärmeplanung bildet den strategischen Rahmen. Für Konstanz liegen belastbare Szenarien vor, wie sich Wärmebedarf, Gebäudestruktur und geeignete Versorgungsoptionen bis in die 2040er-Jahre entwickeln. Zielbild: In der Stadt entstehen mehrere große Wärmeverbünde mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 550 Millionen Euro. Sie sollen fossile Einzelheizungen Schritt für Schritt ersetzen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende in Konstanz leisten. Diese Planung ist die Grundlage, um Strom-, Gas- und Wärmenetze künftig nicht nebeneinander, sondern gezielt aufeinander abgestimmt zu entwickeln.
2024: Zielnetzplanung Strom – Rückgrat für die Wärmewende
Aufbauend auf der Wärmeplanung haben wir 2024 gemeinsam mit der Bergischen Universität Wuppertal die Zielnetzplanung Strom erarbeitet. Sie betrachtet das Netz von der 110-kV-Ebene bis in die Niederspannung und zeigt, welche Maßnahmen notwendig sind, um die bis 2035/2045 erwartete Zunahme der Last bei Erzeugung und Verbrauch sicher zu bewältigen. Die Analyse bescheinigt dem Konstanzer Netz einen sehr guten Ausgangszustand – ein Ergebnis jahrzehntelanger, kontinuierlicher Investitionen, auf die wir heute aufbauen.
Ein zentrales Projekt ist der Ersatzneubau des Umspannwerks Weiherhof auf dem Stadtwerke-Gelände in Nachbarschaft zum Fernbusbahnhof. Das knapp 60 Jahre alte Bestandsumspannwerk hat das Ende seiner betrieblichen Lebensdauer erreicht und bietet nicht mehr die Kapazitätsreserven, die für Wärme- und Mobilitätswende erforderlich sind. Der Neubau wird im Endausbau mit zwei Transformatoren deutlich leistungsfähiger sein. Die Bauarbeiten laufen, die Fertigstellung des Gebäudes ist für dieses Jahr vorgesehen, die vollständige Inbetriebnahme folgt im nächsten Schritt.
Ein integrierter Infrastrukturansatz
Auf der 110-kV-Ebene haben wir zudem mit der Erneuerung der Leitung vom Umspannwerk Tägerwilen über den Seerhein bis zum neuen Umspannwerk Weiherhof einen zentralen Abschnitt der "Konstanzer Stromautobahn" ertüchtigt – eine anspruchsvolle Operation am Rückgrat des Netzes. Weitere Maßnahmen zur Ertüchtigung bestehender Umspannwerke und ein neues Umspannwerk im Bereich Wollmatingen/Hafner, das künftig das Neubaugebiet Hafner und die Vororte versorgen wird, sind bereits in der Planung.
Auf der 20-kV-Mittelspannungsebene ist eine wichtige Maßnahme bereits abgeschlossen: Entlang der L220 von Konstanz nach Dettingen haben wir Leerrohre für eine zusätzliche 20-kV-Leitung verlegt. Damit erhöhen wir die Kapazitäten für die Vororte, schaffen Redundanzen und sichern unter anderem die Netzanbindung geplanter Wärmenetze, etwa in Dingelsdorf. Gleichzeitig haben wir die Bautätigkeit genutzt, um Trinkwasserleitungen und Glasfaserkabel mitzuerneuern – ein integrierter Infrastrukturansatz, der volkswirtschaftliche Kosten reduziert und Akzeptanz erhöht.
Niederspannungsnetz im Fokus
Ein großer Teil der Zielnetzplanung entfällt auf das Niederspannungsnetz. Hier treffen steigende Lasten durch Wärmepumpen und Elektromobilität auf wachsende Einspeisungen aus Photovoltaik. In den kommenden rund 20 Jahren werden wir Transformatoren in Trafostationen sukzessive erneuern und leistungsseitig verstärken, um die notwendige Anschlusskapazität bereitzustellen und gleichzeitig Spannungsqualität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Smart-Meter-Rollout: Transparenz für ein flexibles Netz
Zentrale Voraussetzung für den effizienten Betrieb dieses zukünftigen Netzes ist ein hoher Grad an Transparenz. Der Smart-Meter-Rollout der Stadtwerke Konstanz verläuft aktuell nach Plan. Intelligente Messsysteme liefern künftig granularere Daten zu Lastflüssen und Einspeiseprofilen. Diese Informationen sind entscheidend, um Netzengpässe frühzeitig zu erkennen, Flexibilitäten zu nutzen und Investitionen zielgenau zu priorisieren. Smart Meter sind damit ein integraler Baustein der Zielnetzplanung und des zukünftigen Netzbetriebs – weit über die reine Erfüllung regulatorischer Vorgaben hinaus.
2025: Zielnetzplanung Gas – geordneter Rückzug
Parallel zu Strom und Wärme haben wir eine Zielnetzplanung Gas erarbeitet. Sie definiert, welche Rolle das Gasnetz in Konstanz perspektivisch noch spielen soll und wie ein geordneter Rückzug in Wärmeversorgungsgebieten aussehen kann. Drei Botschaften sind uns dabei wichtig:
- Wir benötigen Instrumente, um in Wärmenetzgebieten Gasnetze im Niederdruck gezielt stilllegen zu können. Nur so lassen sich teure Parallelinfrastrukturen vermeiden.
- Für Instandhaltung und Wartung sind weiterhin Investitionen in die verbleibenden Gasnetze notwendig. Sicherheit und Versorgung der verbleibenden Kundinnen und Kunden haben oberste Priorität.
- Die ungesteuerte Wärmewende verursacht die höchsten Investitionskosten. Ohne klare Leitplanken droht, dass Gas- und Wärmenetze parallel vorgehalten werden müssen.
Kommunale Wärmeplanung und Zielnetzplanungen für Strom und Gas müssen also verbindlicher werden, damit Investitionen zielgerichtet erfolgen und Doppelstrukturen vermieden werden können. Wir benötigen hier Klarheit, einen eindeutigen Weg und Verlässlichkeit von Seiten der Politik.
Generationenprojekt mit klarem Kurs
Stromnetzertüchtigung, Wärmenetzfinanzierung, Smart-Meter-Rollout, Zielnetzplanung Gas und die jährlichen Investitionen greifen in Konstanz ineinander. Für uns als kommunales Unternehmen ist das kein kurzfristiges Programm, sondern ein Generationenprojekt. Wir denken in Dekaden, nicht in Quartalen – und sind überzeugt, dass genau dieser Ansatz notwendig ist, um die Transformation des Energiesystems verlässlich, finanzierbar und im Sinne der Stadtgesellschaft zu gestalten.