Von Pauline Faust
Die Badenova hat eine klare Vorstellung davon, wohin sie sich entwickeln soll. Das vermittelte jedenfalls der Vorstand auf der Bilanzpressekonferenz des kommunalen Unternehmens aus Freiburg. Im Energievertrieb setzt Vorstandsvorsitzender Hans-Martin Hellebrand auf langfristige Kundenbindung statt ein Mithalten im Preiswettbewerb auf den Vergleichsportalen: "Diese Strategie geht auch auf, wir hatten im vergangenen Jahr einen relativ niedrigen Kundenverlust."
Zudem zieht er eine klare Abgrenzung im EDL-Geschäft: "Wir sehen, dass manche Stadtwerke die Abgrenzung zum Handwerk nicht schaffen und selbst zum Solarinstallateur werden, andere wollen gar nichts mit der Kundenreise zum Prosumer zu tun haben." Die Badenova sieht sich hier in der Mitte, als Möglichmacher, der mit Partnern zusammenarbeitet. Etwa bei mit Finanzierungsangeboten über die lokalen Sparkassen.
Finanziell steht die Badenova nach dem Geschäftsjahr 2024 gut da. Der Gewinn blieb zum Vorjahr ungefähr gleich bei 57,3 Millionen Euro, wovon 50 Millionen an Gesellschafter ausgezahlt wurden und 7,3 in die Innenfinanzierung gingen. Mit einer Eigenkapitalquote von 25 Prozent sieht der Vorstand das Unternehmen gut aufgestellt. Positive Effekte auf das Ergebnis gab es laut Vorstand durch einen optimierten Energieeinkauf, den Ausbau von PV-Projekten und die Gewinnung von Großkunden. Dem entgegen wirkten witterungsbedingte Absatzrückgänge bei Strom und Gas.
Einen bemerkenswerten Zuwachs macht das Unternehmen beim Personal. In einer angespannten Region seien 8,6 Prozent Wachstum zum Vorjahr erreicht worden, aktuell hat die Badneova auf 1669 Mitarbeitende. "Es ist noch nie so leicht gewesen, Menschen für Energie und Energiewende zu begeistern", erklärt Dirk Sattur, Vorstand Badenova. "Diese Arbeit ist Sinn stiftend und das überzeugt junge Talente, die wir bei uns dann weiterentwickeln können."
Badenova sieht NEST als Herausforderung
Als Netzbetreiber äußerte sich die Badenova zudem zu aktuellen Regulierungsplänen: Am 18. Juni hat die Bundesnetzagentur den ersten Entwurf für die NEST-Festlegung vorgelegt.
Der aktuelle Festlegungsentwurf erhöhe den Druck auf die Kosteneffizienz der Netzbetreiber deutlich. Badenova schneide im Effizienzvergleich bislang sehr gut ab, dennoch sieht das Unternehmen mit Sorge, dass künftig bestimmte Kostenpositionen, die bisher als anerkennungsfähig galten, gestrichen werden könnten. Ein Beispiel: Zuschüsse zu Kindertagesstätten oder Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollen künftig nicht mehr berücksichtigt werden.
Das stelle die Badenova vor zusätzliche Herausforderungen. Insgesamt bedeutet der Entwurf einen erheblichen Spagat zwischen sozialem Anspruch, wirtschaftlicher Stabilität und regulatorischer Effizienz.
