Von Artjom Maksimenko und Elwine Happ-Frank
Anew Climate plant wohl, den Münchener Biomethanversorger Landwärme zu übernehmen. Das geht aus einer Bekanntmachung des Bundeskartellamts hervor, nach der das in Houston (Texas) ansässige Unternehmen den Erwerb "bestimmter Vermögenswerte und Verträge von Landwärme" zur Fusionkontrolle angemeldet hat. Von beiden Firmen gibt es noch keine Bestätigung dazu.
Anew, das sich als größter unabhängiger Biomethanvermarkter und Entwickler von Dekarbonisierungsprojekten in Nordamerika bezeichnet, hat einen Tag nach der Anzeige beim Bundeskartellamt bekannt gegeben, dass es eine Ausweitung seines europäischen Geschäfts durch den Eintritt in den deutschen Biomethanmarkt beabsichtigt. "Das neue Büro von Anew in München ergänzt die bestehenden Niederlassungen in Budapest und Madrid", heißt es in der Pressemitteilung.
Indes erschüttert die folgenreiche Insolvenz von Landwärme weiterhin die Branche und sorgt für Störungen entlang der gesamten Lieferkette. Es sei bekannt geworden, dass Landwärme nicht über ausreichend EEG-Nachweise verfügt, sagt Vera Schürmann, Geschäftsführerin der Green Navigation.
Bis zum 28. Februar müssen dem Einspeisenetzbetreiber die EEG-Nachweise für den BHKW-Betrieb vorgelegt werden. Ohne diese Nachweise drohe der Verlust der EEG-Vergütung, erklärt Schürmann. Um diese Lücken bei den betroffenen Marktteilnehmern zu schließen, hat der nordrhein-westfälische Erneuerbarendienstleister eine Marktabfrage gestartet – betroffene Unternehmen können an dieser noch teilnehmen. Ziel sei es, so schnell wie möglich Menge und Qualität fehlender Nachweise und gleichzeitig verfügbare Nachweise zu erfassen.
Zweites Problem: Bilanzkreisflexibilität
Zahlreiche von Stadtwerken betriebene Biomethan-BHKW seien betroffen, ergänzt Schürmann. "Deshalb ist jetzt schnelles Handeln notwendig", ihr Unternehmen setze dabei "auf ein schnelles und unkompliziertes Verfahren, um bestehende Lücken zu schließen". Vor dem Hintergrund, dass den Mitarbeitenden der Landwärme zu Ende Februar die Kündigung ausgesprochen wurde, müssen sich betroffene Marktakteure außerdem darauf einstellen, dass die vertraglich zugesagte Übertragung von Biogas Bilanzkreisflexibilität im März von Landwärme nicht mehr durchgeführt werde, teilt Green Navigator weiter mit. Bereits zum Jahreswechsel mussten etwa 40 von 140 Beschäftigten Landwärme verlassen.
Seit Kurzem gibt es indes bei den betroffenen Unternehmen Klarheit darüber, welche Lieferverträge von Landwärme weitergeführt und welche gestoppt werden. Dadurch sind bereits einige offene Positionen entstanden. "Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Biomethan-Qualitäten gleicht die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage einem 1000-Teile-Puzzle", so Schürmann weiter. Produzenten müssten "so schnell wie möglich" ihren Absatz sichern und umgekehrt BHKW-Betreiber einen neuen Lieferanten finden.
Ihr Unternehmen bietet als Ergänzung zum bereits bestehenden Onlinemarktplatz für Biomethan ein sogenanntes "Quick Matching" für Lieferungen mit einem Start im Februar oder März an. Das Matching von Bilanzkreisflexibilität hat Green Navigation in der Marktabfrage direkt aufgenommen.
Acht Unternehmen wollen Missbrauchsverfahren gegen THE
Im Oktober vergangenen Jahres hatte der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) der Landwärme Service alle drei Biogas-Bilanzreise gekündigt. Das hat nun Folgen. Insgesamt acht Unternehmen haben bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Eröffnung eines Missbrauchsverfahrens gestellt. Die Regulierungsbehörde soll prüfen, ob das Verhalten des Marktgebietsverantwortlichen bei der Kündigung der Biogas-Bilanzkreise rechtens war. Die Unternehmen sind: Getec Energy Management, Getec Green Energy, die Stawag, Envitec Energy, Energielenker Handels GmbH, Stadtwerke Passau, Energie Schwaben und Verbio.
Auf ZfK-Nachfrage wollte sich Stawag als eines der betroffenen Unternehmen aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern, bestätigte aber die Existenz eines so genannten "besonderen Missbrauchsverfahrens" nach § 31 EnWG. Dieses Verfahren diene dazu, das Verhalten von Akteuren im Energiebereich im Hinblick auf die Einhaltung energierechtlicher Vorschriften zu klären. Konkret solle hier das Verhalten der THE im Rahmen der Schließung des Biogasbilanzkreises der Landwärme Service GmbH überprüft werden, hieß es aus Aachen. Aus dem Umfeld der betroffenen Unternehmen vernahm die ZfK, dass die Bilanzkreise der Landwärme Service seit längerem deutlich unterspeist waren.
Die Bilanzkreise von Biogas sind vom Regulierer mit besonderen Vorteilen ausgestattet. Zum einem werden sie erst einmal im Jahr abgerechnet. Zum anderen werden diesen Bilanzkreisen bei Biogasmengen Flexibilitäten von 25 Prozent "nach oben und nach unten" eingeräumt. Dies erlaubt unter anderem eine dem Wetter entsprechende Fahrweise von BHKW. Mit der Kündigung der Biogasbilanzkreise hatte THE die angesparte Flexibilität in den Sub-Bilanzkonten mit der Unterspeisung in den Biogasbilanzkreisen der Landwärme Service verrechnet. Für die Unternehmen ging sie verloren. Das Angebot von THE im Dezember 2024, einen Teil der angesammelten Mengen gegen Aufpreis in die Bilanzkreise einzustellen, stieß auf wenig Interesse.

