Fast drei Jahrzehnte an der Spitze der Städtischen Werke Magdeburg: Helmut Herdt

Fast drei Jahrzehnte an der Spitze der Städtischen Werke Magdeburg: Helmut Herdt

Bild: © Stefan Deutsch/Stadtwerke Magdeburg

Seit fast drei Jahrzehnten steht Helmut Herdt an der Spitze der Städtischen Werke Magdeburg, ab 1993 als Geschäftsführer und seit 2000 als Sprecher der Geschäftsführung. Im Interview mit der ZfK skizziert der Ende Dezember in den Ruhestand gehende Manager nochmals die wichtigsten Meilensteine der Energiebranche, äußert sich aber auch zu aktuellen Themen, etwa der Debatte im Stadtwerke-Lager über den Eon/RWE-Deal:

ZfK: Wie beurteilen Sie den Eon/RWE-Deal, durch den die mit Abstand größten deutschen Energiekonzerne die Märkte unter sich aufgeteilt haben. Gerade ostdeutsche Regionalversorger fürchten eine auf Jahre zementierte Marktdominanz und haben sich sowohl der Klage dagegen als auch der jüngsten Kampagne angeschlossen. Sie haben mit Avacon eine Eon-Tochter als Anteilseigner. Wie sehen Sie die Sache?

Herdt: Zunächst halte ich es durchaus für sinnvoll, dass wir mit Blick auf einen Wettbewerbsmarkt von europäischer Dimension in Deutschland ein, zwei Player haben, die langfristig auf dieser Bühne mitspielen können. Zudem kann ich nicht erkennen, dass wir künftig einer monopolartigen Situation gegenüberstehen werden. Strukturell stehen wir alle in den kommenden Jahren vor ähnlich gelagerten Herausforderungen. Das gilt insbesondere für die schwierigen Rahmenbedingungen bei der Netzentgeltregulierung bzw. der generell schwachen Verzinsung im Netzbereich. Vielleicht ist es sinnvoller, hier die Antworten an die Politik zu bündeln.

ZfK: Sie sehen nicht die Gefahr eines neuen Oligopols gerade bei den digitalen Geschäftsfeldern, beim Messstellenbetrieb oder bei den neuen digitalen Plattformen?

Herdt: Bei dem Thema Messstellebetrieb wird man in der Tat genauer hinsehen müssen, ob und wie sich eine Marktvorrangstellung gegebenenfalls auswirken wird. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass die bestehenden Aufsichtsbehörden, wie z.B. das Bundeskartellamt, in der Zukunft die Marktentwicklung im Blick haben werden. Ich würde seitens der Stadtwerke eher immer wieder versuchen, auf die aus dem Eon-Konzern ausgesendeten Signale zu Kooperationen einzugehen und solche Angebote auch ernst zu nehmen.

ZfK: Die immense Vertriebsmacht von Eon, die sich auch in den immer wichtigeren Vergleichsportalen manifestiert, fürchten Sie nicht?

Herdt: Auch hier stehen wir alle im Markt unter wechselseitigen Wettbewerbsdruck. Wir bei SWM haben nach wie vor unseren Heimatmarkt deutlich verteidigen können. Der Haushaltskunden-Markt ist ja schon heute sehr volatil, die sich jetzt abzeichnenden Strukturen stellen für mich keine substantiellen Veränderungen dar. Im Ergebnis wird man nach meiner Einschätzung wohl festhalten müssen, dass die von der EU getroffene Entscheidung hinsichtlich der Fusion Eon Innogy die europäische Kartellrechtslage zutreffend berücksichtigt.

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Lesen Sie das ausführliche Interview mit Helmut Herdt über die Entwicklung der SWM, die Folgen der Liberalisierung, den Herausforderungen für Stadtwerke durch die Digitaliserung und den Kohleausstieg in der an diesem Montag erscheinenden Dezember-Ausgabe der ZfK. Zum Abo geht es hier.

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