Zieht in einer erneut digital stattfindenen Pressekonferenz Bilanz: MVV-Vorstandschef Georg Müller

Zieht in einer erneut digital stattfindenen Pressekonferenz Bilanz: MVV-Vorstandschef Georg Müller

Bild: © MVV Energie

Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG hatte bereits Anfang August dem Kapitalmarkt ein deutlich verbessertes Jahresergebnis signalisiert, nun legt das Management die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 (1. Oktober 2020 bis 30. September 2021) vor. „Es war das beste Jahr unserer Unternehmensgeschichte“, sagte MVV-Vorstandschef Georg Müller am Dienstag bei der Bilanz-Pressekonferenz.

Das operative Ergebnis (Adjusted EBIT) kletterte um 19 Prozent auf 278 Mio. Euro. Die bereinigten Umsatzerlöse erhöhten sich um 18 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr soll es laut Müller trotz eines „nur schwer einschätzbaren“ Marktumfeldes weiter nach oben gehen. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis rechnet Müller nochmals mit einer „nennenswerten“ Steigerung.

Von der Entwicklung werden auch die Aktionäre – allen voran die Stadt Mannheim mit einem Anteil von 50,10 Prozent und der seit eineinhalb Jahren engagierte Finanzinvestor First Sentier mit 45,08 Prozent – profitieren. Sie sollen eine um rund zehn Prozent auf 1,05 Euro je Aktie erhöhte Dividende erhalten.

Prüfprozess bei den Stadtwerken Ingolstadt

Zum Ergebnisschub hätten alle operativen Berichtssegmente gleichermaßen beigetragen, erklärte Müller. Der Konzernchef nannte die Erneuerbaren-Projektentwicklung der vor mehreren Jahren übernommenen MVV-Töchter Juwi und Windwärts, die im Vergleich zum Vorjahr kühleren Temperaturen im Winter, die Preisentwicklung an den Energiemärkten sowie die Vollkonsolidierung neu erworbener Unternehmen. Belastend machte sich das im Vorjahresvergleich geringere Windaufkommen bemerkbar.

Auch das Stadtwerke-Portfolio habe den Aufschwung mitgetragen, sagte Müller. Das gelte insbesondere für die Stadtwerke Kiel und die Energieversorgung Offenbach. Bei den Stadtwerken Kiel (MVV-Anteil: 51 Prozent) trage nun die Investition in das neue Gasmotorenkraftwerk Früchte. In Ingolstadt prüfe die Stadt derzeit, wie sie mit dem bisherigen MVV-Anteil an den Stadtwerken (48,4 Prozent) weiter verfahren wolle, sprich ob ein Rückkauf des MVV-Pakets und damit eine vollständige Rekommunalisierung eingeleitet wird. Ein solcher Prüfprozess sei im Konsortialvertrag vorgesehen und laufe in „guter Zusammenarbeit“ zwischen beiden Partnern ab, erklärte Müller. Mit einem Ergebnis sei aber nicht vor Ende kommenden Jahres zu rechnen.

Rolle der Fernwärme kommt viel zu kurz

Mit Blick auf die neue Bundesregierung äußerte sich Müller vorsichtig optimistisch. Der vor kurzem vorgelegte Koalitionsvertrag enthalte „viel Richtiges, wenig Falsches, ein paar weiße Flecken“. Zwar sei es richtig, das Tempo bei der Energiewende zu forcieren und sich ehrgeizige Ziele zu setzen. Bedeutend wichtiger seien aber gestraffte Genehmigungsverfahren, passende Förderinstrumente und eine auf den Umbau des Energiesystems ausgerichtete Regulatorik. „Erfolg kann diese Bundesregierung nur haben, wenn sie auch die Mühen der Ebene überwindet. Sonst droht sie, ein Ankündigungs-Weltmeister zu werden“, sagte Müller.

Kritik übte der MVV-Vorstandschef an der im Klimakapitel des Koalitionsvertrages nicht ausreichend gewürdigten Rolle der Fernwärme „für die schnelle und kostengünstige Dekarbonisierung von dicht besiedelten Räumen“. Zudem sollten moderne KWK-Steinkohlekraftwerke nicht schlechter behandelt werden als Braunkohlemeiler. Müller hob hervor, dass eine vorzeitige Stilllegung des Block 9 des Grosskraftwerks Mannheim (MVV-Anteil: 28 Prozent) zusätzliche Abschreibungen nach sich ziehen würden.

Absage an den Bau neuer Gaskraftwerke

Die von den Ampelkoalitionären festgeschriebene Forderung nach mehr Erdgas-Kraftwerken als Übergangslösung für mehr Versorgungssicherheit bezeichnete Müller als „zu pauschal“. MVV Energie jedenfalls werde sich an einem Neubau von Erdgas-Anlagen nicht beteiligen. (hil)      

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