Über den Tellerrand eines Energieerzeugers hinaus hat Frank Mastiaux, Vorstandsvorsitzender der EnbW Energie Baden-Württemberg AG, auf der Handelsblatt-Tagung Energiegipfel 2019 in Berlin geschaut. "Wir wollen wieder die Akzente setzen", sagte er im Rückblick auf die Zeit, als die von der Politik bestimmte Regulierung im Rahmen der Energiewende das Geschäftsmodell der Energieversorger stark verändert hat.
Der dadurch ausgelöste Restrukturierungsprozess ist auch bei EnBW immer noch im Gang. Mastiaux sieht sein Unternehmen auf gutem Weg, 2020 die gleiche oder vielleicht eine höhere Ertragskraft zu haben wie vor diesen Krisenjahren. Neben den Veränderungen in der Energiewirtschaft mit dem Aufkommen neuer Wettbewerber, die neue Maßstäbe bezüglich Schnelligkeit, Modernität und Kundenorientierung setzen, gebe es auch weitere große Umwälzungen. Dazu gehören neben dem demografischen Wandel auch die Strukturbrüche der politischen Großwetterlage in Europa.
"Von Anpassung auf Gestaltung umschalten"
Unternehmen müssten sich vor diesem Hintergrund über die Ertragsorientierung hinaus die Frage stellen, welchen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten. "Wir müssen von Anpassung auf Gestaltung umschalten", sagte Mastiaux.
EnBW habe dafür neue Antworten gefunden: Zum einen will das Karlsruher Unternehmen über seine Rolle als Versorger hinaus seine Kernkompetenz im Management einer kritischen Infrastruktur im Bereich Energie auf andere Bereiche übertragen. Dazu gehören beispielsweise die nachhaltige Quartiersentwicklung, E-Mobilität, Telekommunikation und Verkehrssteuern. Dafür investiert das Unternehmen "erheblich" in den Aufbau von Kompetenzen.
Image als verlässlicher Versorger verbessern
Ein weiterer Punkt "und zentraler" Baustein, wie Mastiaux in Berlin betont, ist die Bemühung, das Image als verlässlicher Versorger zu verbessern. Für die Zukunft sei es entscheidend, dass die Kunden das Unternehmen mit Modernität und Offenheit verbinden. Da der Energieverbrauch seiner Meinung tendenziell zunehmen wird, sei es wichtig, sich die Anerkennung der Gesellschaft für diese Kompetenz zu erarbeiten. In diesem Punkt sieht der EnBW-Chef "noch Luft nach oben".
Grundsätzlich sei die Beschäftigung mit den Zukunftsfragen sehr motivierend für die eigene Belegschaft. Sie sei aber auch wichtig dafür, dass dem Unternehmen eine Gestaltungskraft in der Energiewirtschaft zugeschrieben wird. "Die Frage nach der eigenen Rolle ist für mich nicht akademisch", schloss Mastiaux, "sondern ein Grundpfeiler der guten Unternehmensführung. Denn unsere Branche gehört in die Mitte der Gesellschaft." (hp)

