Angesichts einer bevorstehenden umfassenden Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft muss der Staat für eine belastbare Regulierung und eine ergebnisorientierte Verwaltung sorgen, heißt es in dem Report „Deutschland 2030 - Kreative Erneuerung“ der Unternehmensberatung McKinsey. Der Staat mit seiner Fähigkeit zur Übernahme langfristiger und hoher Risiken spiele eine wichtige Rolle für die Investitionen in kritische Infrastrukturen und Basistechnologien. Darüber hinaus habe er eine entscheidende Rolle, den Rahmen für eine beschleunigte Dynamik der Wirtschaft zu setzen.
Laut McKinsey stehen dabei zwei Prioritäten im Vordergrund. Zum einen müsse eine ganzheitliche Regulierung sichergestellt werden, etwa Planungssicherheit für die Energiewende. „Wir sind in den 1990ern mit Vorsprung gestartet, doch die Wende stockt, auch weil private Investoren noch mehr Klarheit über die langfristige Regulierung brauchen“, heißt es. Zum zweiten sei eine stärker ergebnisorientierte Verwaltung von enormer Bedeutung. Die Digitalisierungs-Großprogramme kämen voran. Genehmigungsverfahren für Netzinfrastrukturen und andere Großprojekte seien eine Priorität für die nächsten Jahre.
Verdopplung des Pro-Kopf-Wachstums
Insgesamt benötige Deutschland eine kreative Erneuerung. Nur so könne Europas größte Volkswirtschaft vor dem Hintergrund technologischer Disruption, demographischer Entwicklung, Emissions- und Nachhaltigkeitsziele und Spannungen in den globalen Handelsbeziehungen seinen Wohlstand erhalten und Wachstumschancen nutzen. Dabei geben sich die Autoren der Studie sehr optimistisch: Bis 2030 könne Deutschland sein durchschnittliches BIP-Wachstum auf 2 Prozent beschleunigen. Damit würde der Durchschnittswert der vergangenen zwei Jahrzehnte von 1,1 Pro-Kopf-Wachstum verdoppelt.
„In der Covid-19-Pandemie hat Deutschland gezeigt, zu welchen Veränderungen wir in kürzester Zeit in der Lage sind. Die Krise war Adrenalin für Innovationen. Diese Dynamik müssen wir erhalten“, wird Fabian Billing, Deutschlandchef von McKinsey, in einer Pressemitteilung vom Mittwoch zitiert.
Schwächen bei KI und Next-Generation Computing
Mit Blick auf die Technologieführerschaft weisen die Experten aber auch auf die Schwächen Deutschlands hin und mahnen höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung an. Für die Studie wurden demnach über 40 Technologien kategorisiert und nach technischer Reife, Branchenwirkung und Dynamik priorisiert. Das Ergebnis zeige relative Stärken von Deutschland in Forschung zu Automatisierung, nachhaltiger Energie, Materialien 2.0 und bei der Bio-Revolution, aber auch kritische Schwächen in Feldern wie angewandter Künstlicher Intelligenz (KI) und Next-Generation Computing.
So liege die Zahl der deutschen Weltklassepatente in angewandter KI und Next-Gen Computing deutlich hinter dem Fair Share, der den Anteil an der Gesamtheit der Weltklassepatente unter Berücksichtigung des volkswirtschaftlichen Größenverhältnisses zum Spitzenreiter USA beziffert. „Und das ist kritisch, berücksichtigt man die Rolle dieser Zukunftstechnologien für das Wachstum. Zudem gelangen in diesen Bereichen wissenschaftliche Durchbrüche zu selten bis zur Kommerzialisierung oder Skalierung“, heißt es.
Investitionen in F&E massiv erhöhen
Die Übersetzung der Ideen in Produkte und Dienstleistungen bleibe oft auf der Strecke. Eine Verdopplung der privaten und öffentlichen Investitionen in F&E und ein gezielter, starker Ausbau der (digitalen) Infrastruktur könnten das BIP-Wachstum bis 2030 schätzungsweise um 0,5 Prozentpunkte erhöhen, resümieren die Berater. (hil)
