Torsten Röglin ist seit April 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt/Oder in Brandenburg.

Torsten Röglin ist seit April 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt/Oder in Brandenburg.

Bild: © Stadtwerke Frankfurt/Oder

"Nach meiner Erfahrung können Stadtwerke generell keine Start-ups aufbauen und handhaben." Das hat DEW21-Chef Gerhard Holtmeier vor einigen Wochen in einem Online-Artikel der ZfK gesagt mit Verweis auf die gescheiterte Digitaltochter Stadtenergie, die im Sommer abgewickelt wird. Der Versorgungsauftrag und die Mentalität der Stadtwerke stünden dem entgegen, so Holtmeier. Die pointierte Aussage hat für einige Reaktionen gesorgt im Online-Netzwerk Linkedin.

Auch Torsten Röglin, Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt/Oder, hat den Beitrag kommentiert. Der erfahrene Energiemanager hat sich auf Bitten unserer Redaktion seine eigenen Gedanken zum Thema Start-ups und Stadtwerke gemacht. Eine Erkenntnis lautet: "Die Kunden wollen beide Welten haben – die traditionelle Daseinsvorsorge und die Disruption."

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Gastbeitrag von Torsten Röglin,
Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt/Oder

Scheitern heißt Schmerzen und Zweifel. Und diese können weit reichen, bis hin zur Feststellung, dass Versorgungsauftrag und Mentalität Stadtwerke hindern, Start-ups zu gründen. Und zwar generell. Zwar genügt ein Gegenbeispiel zur Zurückweisung dieser These, genannt seien deshalb die Trianel und Yippie, eine Tochter der Maingau Energie. "Start-up" können oder nicht ist aber mehr als eine Debatte über die korrekte Semantik.

Vielleicht kann man sich einigen, dass Start-ups junge Unternehmen mit innovativen und skalierbaren Produkten sind und ihren Platz im Markt erst finden müssen. Scheitern ist wahrscheinlicher als gewinnen, und dennoch bleibt der Anspruch, die Welt zu rocken. Das ist mehr als eine neue Mode, das ist "normale" schöpferische Zerstörung, wie schon Schumpeter sie beschrieb. Und ab da wird es spannend, wenn die Fähigkeit zur schöpferischen Zerstörung negiert wird.

Ursachen für das Scheitern sind leichter zu beschreiben, als Faktoren für Erfolg zu nutzen, zumal wenn Erfolgsfaktoren scheinbar im Gegensatz zur traditionellen Marktposition stehen. Und da könnten Stadtwerke wirklich ein Problem haben. Denn der an sich positiv besetzte Begriff "Sicherheit" kann beim schöpferischen Zerstören leicht zum schweren Rucksack werden. Stadtwerke werden daher kaum erfolgreich "inhouse" gründen. 
 

"Schöpferische Zerstörung von innen"

Empirisch gesehen sind unter den GründerInnen junge Menschen dominierend, die Innovationen häufig "digital". Was ist "digital" – etwas Neues, vielleicht nie Dagewesenes, etwas ist skalierbar und/oder findet in Echtzeit statt.

Da wird es kritisch. Die GründerInnen in Deutschland sind im Durchschnitt 35 Jahre alt. Finden Menschen dieser Alterskohorte in Stadtwerken eine geeignete Umgebung? Kann sein. Aber: erfolgreiche Gründer in den USA sind im Schnitt 10 Jahre älter. An der demographischen Zusammensetzung wird es nicht scheitern.

Kooperation im Bereich Messstellenbetrieb

Vielleicht ist die Atmosphäre eines Stadtwerks gründungs-feindlich. Atmosphäre wird wesentlich durch Unternehmens-/Führungskultur und Performance-Orientierung bestimmt. Was ist mit "digital"? Schöpferische Zerstörung von innen – ein Call-for-Action mit einem klaren Aufruf zur Veränderung. Dazu müssen Stadtwerke bereit sein, sonst werden sie verändert im Schumpeterschen Sinn. Wäre das ein Drama? Eher nicht, die Kunden wollen beide Welten haben – die der traditionellen Daseinsvorsorge und die Disruption.

Neugründungen sind nach etwa drei Jahren erfolgreich oder scheitern. Messen und Abrechnen von Erfolg gegenüber Investoren erzwingen Disziplin und Ungeduld. Bekommt das ein Stadtwerk allein hin oder fällt das leichter, wenn mehrere Stadtwerke kooperieren? Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) haben sich mit mehreren brandenburgischen und sächsischen Stadtwerken zusammengetan. Wir werden unseren KundInnen Leistungen anbieten, die die Stärken von Stadtwerken optimal ausspielen: Präsenz vor Ort mit exzellenten Kundenbeziehungen, Mehrspartengeschäfte und die Motivation, digitale Services verständlich zu verkaufen. Noch ist das Vehikel "Meterix", eine Kooperation für den Messstellenbetrieb, nur ein Erlkönig, Arbeiten an Lackierung und Verkaufsprospekt laufen schon, und ich freue mich drauf.

Nur eines noch: Stadtwerke sollten tatsächlich nie versuchen, ein "digitales mini-me" zu gründen. Das wird generell scheitern.

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