Das abgelaufene Geschäftsjahr 2018 (1. Oktober 2017 - 30. September 2018) war bei der MVV Energie AG von positiven wie negativen Branchenentwicklungen beeinflusst. Am Ende wurden aber die konservativen Zielvorgaben des Managements erreicht.
Auf der Habenseite standen das gute Umweltgeschäft, höhere Erlöse aus eigenen Windkraftanlagen sowie ein weiterhin straffes Kostenmanagement. Dadurch konnten witterungsbedingte Einbußen aufgrund des milderen Winters im wichtigen Wärmegeschäft sowie regulierungsbedingte Rückgänge der Netzentgelte "mehr als ausgeglichen werden", wie MVV-Vorstandschef Georg Müller bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Frankfurt erläuterte.
Für 2019 Seitwärtsbewegung erwartet
Der geringfügige Umsatzrückgang sei neben der milderen Witterung vor allem auch auf niedrigere Handelsmengen bei Strom und Gas zurückzuführen. Von den in diesem Jahr deutlich gestiegenen Börsenstrompreisen werde MVV erst im kommenden Jahr profitieren, da die Stromproduktion dieses Jahres weitgehend wie in der Branche üblich vorab gehedgt worden sei.
Am Ende steht für das Geschäftsjahr 2018 beim bereinigten operativen Ergebnis (Adjusted EBIT) ein Plus von zwei Prozent auf 228 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse lagen mit gut 3,9 Mrd. Euro um drei Prozent niedriger. Unterm Strich erzielte MVV einen bereinigten Jahresüberschuss nach Fremdanteilen von 94 Mio. Euro, eine Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Für das neue Geschäftsjahr dämpft Konzernchef Müller die Erwartungen, 2019 sei sowohl beim operativen Ergebnis als auch beim Umsatz mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen.
Gegenwind für Juwi und Windwärts
"Das ist ein ehrgeiziges Ziel und keine Selbstverständlichkeit", so der MVV-Chef. Für die Zukunft erwartet Müller generell eine zunehmende Volatilität der Ergebnisentwicklung innerhalb des Konzerns. Die Energiewende erfordere einfach eine höhere Flexibilität bei der Kunden- und Projektorientierung. "Das gehört zu dem neuen Umfeld, mit dem wir umgehen müssen", so Müller.
Wie volatil sich das Geschäft auch durch plötzliche Änderungen des regulatorischen Umfeldes entwickeln kann, haben die MVV-Projektentwicklungsgesellschaften Juwi und Windwärts im Jahr 2017 zu spüren bekommen. Durch die - inzwischen korrigierte - Privilegierung der Bürgerenergiegesellschaften kam das Geschäft ganz erheblich unter Druck. Auf den Wörrstädter Projektierer Juwi wurde deshalb bereits im zweiten Quartal des Geschäftsjahres eine Abschreibung von 24 Mio. Euro vorgenommen, zudem verordnete MVV der Tochter eine schlankere Unternehmensstruktur.
Jung und Willenbacher verkaufen
Nun soll es wieder aufwärts gehen. Bei den Ausschreibungsrunden des laufenden Jahres haben Juwi und Windwärts für insgesamt 13 Wind-Onshore-Projekte und fünf Photovoltaik-Freiflächenanlagen den Zuschlag erhalten. Bei Juwi wollen die Mannheimer in den nächsten Wochen ihre Beteiligung von bisher 63 auf 100 Prozent aufstocken. Die Anteile stammen von den Juwi-Gründern Fred Jung und Matthias Willenbacher.
Im Mittelpunkt der Strategie bleibt der Erneuerbaren-Ausbau sowie die Kraft-Wärme-Kopplung in Verbindung mit der Fernwärme. In den kommenden Jahren sollen drei Mrd. Euro investiert werden - allerdings nur wenn die Projekte zur Strategie passen. "An der Stelle sind wir streng", so Müller. Derzeit stehen drei Vorhaben im Fokus: Das kurz vor der Fertigstellung stehende Gasheizkraftwerk in Kiel, eine weitere thermische Abfallverwertungsanlage im schottischen Dundee sowie in Mannheim die Anbindung des Heizkraftwerkes auf der Friesenheimer Insel an das Fernwärmenetz.
Beschwerde beim OLG wird dauern
Gegen die vom Energiekonzern EnBW vorgenommene Aufstockung der Anteile an der MVV Energie um 6,28 auf nunmehr 28,76 Prozent hat das MVV-Management inzwischen Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf eingereicht, wie Konzernchef Müller auf der Bilanzpressekonferenz bestätigte. Die Bearbeitung durch das OLG Düsseldorf werde sich wohl über das gesamte kommenden Jahr 2019 hinziehen, sagte Müller.
EnBW hatte das Anteilspaket 2017 vom französischen Energiekonzern Engie angeboten bekommen und die Chance genutzt, mit dem Zukauf bei der MVV die Sperrminoritätsschwelle zu überschreiten. Damit können die Karlsruher theoretisch Beschlüsse des MVV-Managements blockieren, für die bei der Hauptversammlung eine Dreiviertelmehrheit der Aktionäre notwendig ist. Das gilt aber nur für Entscheidungen von großer Tragweite wie etwa Kapitalerhöhungen.
EnBW spricht von Finanzbeteiligung
In der Mannheimer Kommunalpolitik hatte der Schritt für erheblichen Unmut gesorgt, der bis in die Landespolitik ausstrahlte. Die Stadt ist mit 50,1 Prozent Mehrheitsaktionär. Von "feindlicher Übernahme" war gar die Rede. EnBW selbst spricht von einer reinen Finanzbeteiligung. Allerdings könnte der Konzern das nunmehr "aufgewertete" Paket auch an einen neuen Interessenten weiter reichen.
Das Bundeskartellamt hatte Ende vergangenen Jahres dem Deal nach einer vertieften Prüfung zugestimmt. Unter die Lupe genommen wurden zum einem Überschneidungen beider Unternehmen im süddeutschen Markt für Redispatch-Leistungen. Noch genauer sahen sich die Kartellwächter allerdings das Entsorgungsgeschäft an.
Kartellamt hatte keine Bedenken
Denn Müll aus Baden-Württemberg muss im Land selbst entsorgt werden und sowohl MVV als auch EnBW betreiben große Müllverbrennungsanlagen, die einen großen Anteil des Abfalls in Baden-Württemberg verwerten. Doch da EnBW den Mannheimern bei Ausschreibungen nicht hineinreden kann, hatte das Kartellamt am Ende keine Bedenken. (hil)
