Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Bild: © Dhahi Alsaeedi/Unsplash

Mit Neckermann Strom hat der nächste deutsche Energieversorger Insolvenz angemeldet. Dies geht aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Norderstedt (Schleswig-Holstein) hervor.

Demnach wurde Rechtsanwalt Justus von Buchwaldt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Dokument datiert vom vergangenen Freitag.

13.000 Kunden betroffen

Nach ZfK-Informationen sind etwa 13.000 Kunden bundesweit betroffen. Sie fallen in die Ersatzversorgung der jeweiligen Grundversorger.

Neckermann Strom wurde nach eigenen Angaben 2013 in Norderstedt gegründet, hat seinen Hauptsitz aber mittlerweile in München. Es warb als nachhaltiger Ökostromanbieter und bot Tarife für Privathaushalte und Gewerbe sowie spezielle Verträge für Wärmepumpen- und Nachtspeicherheizungen an.

Einstieg in bundesweite Gasgeschäft

Im April 2021 stieg Neckermann Strom auch ins bundesweite Gasgeschäft ein.

Da nahm die Preisrallye an den Energiemärkten gerade richtig an Fahrt auf. Aus Unternehmenskreisen heißt es daher auch, dass extrem gestiegene Beschaffungskosten zur wirtschaftlichen Schieflage geführt hätten. Habe der Strom-Frontmonatskontrakt früher noch 50 bis 60 Euro gekostet, zahle man aktuell dafür mehr als 400 Euro.

Enqu: "Mehrere tausend" Strom- und Gaskunden betroffen

Mit "historisch einmaligen Preisentwicklungen am Energiemarkt" begründet auch Versorger Enqu seine Entscheidung, alle Energielieferverträge zum 20. und 21. Dezember zu beenden. Nach ZfK-Informationen endete zumindest der Bilanzkreisvertrag des Unternehmens mit Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz am 20. Dezember recht plötzlich. Laut Portal "www.verbraucherhilfe-stromanbieter.de" wurde Enqu zudem von Übertragungsnetzbetreiber Tennet der Bilanzkreisvertrag gekündigt.

Enqu ist nach eigenen Angabern seit 2009 am Markt aktiv.  Von 2017 bis 2019 war demnach der norwegische Konzern Statkraft am Unternehmen beteiligt. Laut Website versorgte Enqu "mehrere tausend" Strom- und Gaskunden.

Immer mehr Insolvenzen

Die Liste der Energieversorger, die angesichts rekordhoher Energiepreise Insolvenz anmeldeten, wird damit länger. Zuvor waren Otima Energie, Smiling Green Energy, Lition, Fulminant Energie und Dreistrom diesen Schritt gegangen.

Zudem stoppten einige andere Versorger kurzfristig ihre Strom- und Gaslieferungen. Der bislang prominenteste Fall war Gas.de mit wohl mehreren zehntausend Kunden. (aba)

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