Wegen einer neuen Kostenverteilung des Stromnetzausbaus können nächstes Jahr schätzungsweise zehn Millionen Haushalte in vielen ländlichen Regionen Deutschlands mit niedrigeren Energiepreisen rechnen, während es anderswo allerdings etwas teurer wird. Aktuell machen die Netzentgelte zwischen 20 und 25 Prozent der Stromrechnung aus.
Von einer Senkung der Netzentgelte profitieren vor allem der Norden und Osten Deutschlands sowie Bayern, und zwar eher die ländlichen Gebiete.

Vollständige Liste am 15. Oktober
Spätestens am 15. Oktober sind Verteilnetzbetreiber nach EnWG verpflichtet, die Höhe der Entgelte für den Netzzugang für das Folgejahr im Internet zu veröffentlichen. Inzwischen haben viele Netzbetreiber das bereits getan. So hatte beispielweise der Essener Energiekonzern Eon angekündigt, dass seine Verteilnetztochtergesellschaften die Netzentgelte teilweise deutlich absenken. Diese Gesellschaften innerhalb des Eon-Konzerns decken mit 700.000 Kilometern an Stromleitungen immerhin ein Drittel des gesamten deutschen Verteilnetzes ab.
Die norddeutsche Tochter Schleswig-Holstein Netz senkt die Netzentgelte im kommenden Jahr um 27 Prozent – sie ist für große Teile des nördlichsten deutschen Bundeslandes zuständig, allerdings nicht für die Großstädte Kiel und Lübeck. Die in Brandenburg tätige Edis Netz reduziert die Entgelte um 20 Prozent. Bei der ebenfalls in Ostdeutschland aktiven Mitnetz aus Cottbus wird es 10 Prozent günstiger. In Bayern geht es bei Bayernwerk Netz um 11 Prozent runter und bei den Lechwerken um 27 Prozent.
Auch bei anderen Firmen sinken die Entgelte ebenfalls zweistellig, etwa beim kommunalen Netzbetreiber Wemag aus Mecklenburg-Vorpommern. Nach Unternehmensangaben geht es ab 2025 um bis zu 60 Prozent nach unten (ZfK berichtete).
Nicht alle Eon-Netztöchter reduzieren die Netzentgelte. So hebt die hessische Netzgesellschaft Syna um fünf Prozent an und Westnetz aus NRW um ein Prozent. Für die Energiekunden in diesen Netzgebieten bedeutet dies eine leichte Preiserhöhung.
Grafik: Entwicklung der vorläufigen Netzentgelte für 2025 (für einen Haushaltskunden mit Jahresverbrauch von 3500 kWh in Niederspannung und konventionellem Messstellenbetrieb) im Vergleich zu 2024
Neue Kostenverteilung
Die teils deutlichen Senkungen der Netzentgelte sind Folge der neuen Vorschrift der Bundesnetzagentur. Die sieht vor, die finanziellen Lasten des milliardenschweren Aus- und Umbaus der Infrastruktur gerechter zu verteilen. Die Netze müssen vor allem dort stark ausgebaut werden, wo viel Ökostrom-Erzeugung entsteht – etwa Windräder im Norden. Allerdings wird nur ein Teil des Stroms vor Ort gebraucht, der andere Teil fließt gen Süden, um Großstädte oder Industriezentren zu versorgen. Dass der ländliche Teil von Bayern entlastet wird, liegt daran, dass dort viele PV-Anlagen neu installiert wurden und die Netze deswegen aufwendig ausgebaut werden mussten.
Für den Ausbau der Netze müssen dünn besiedelte Regionen mit viel Windrädern und Photovoltaik-Anlagen bislang mehr zahlen als Regionen mit relativ wenigen Windrädern und wenig Solaranlagen – obwohl diese Regionen von dem Stromzufluss profitierten. "Wir wollen faire Netzentgelte für die Menschen und Unternehmen, die in Regionen mit einem starken Ausbau der Erneuerbaren leben beziehungsweise wirtschaften", begründete der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, das neue Regelwerk, das nun erstmals Anwendung findet.
Entlastung bei 2 Mrd. Euro
Nach den ersten Meldungen von Netzbetreibern geht die Regulierungsbehörde davon aus, dass das Entlastungsvolumen bei mehr als zwei Milliarden Euro liegen wird. "Die Entlastung führt auf der anderen Seite zu überschaubaren zusätzlichen Kosten für alle Stromverbraucher in Deutschland", sagte Müller weiter. (dpa/am)
