Klaus Eder ist Geschäftsführer der 
Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU).

Klaus Eder ist Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU).

Bild: © SWU

Das Restrukturierungsprogramm der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) trägt Früchte. Der Kommunalversorger hat im Geschäftsjahr 2017 den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Unterm Strich steht ein Konzernergebnis von 3,1 Mio. Euro, im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 9,6 Mio. Euro ausgewiesen.

Damit endet eine lange Durststrecke für die SWU, die zwischen 2013 und 2016 aufgrund des Strompreisverfalls und Abschreibungen auf Kraftwerksprojekte hohe Fehlbeträge eingefahren hatten. Vorbehaltlich der Entwicklung der Engagements bei den großen Erzeugungsprojekten geht das Unternehmen von einer nachhaltigen Trendwende aus, erklärte ein SWU-Sprecher auf ZfK-Anfrage.

Erfolge mit Infrastruktur-Dienstleistungen in anderen Wärme- und Wassernetzen

Operativ profitiert hat der Energieversorger im vergangenen Jahr insbesondere von einem deutlich gestiegenen Wärmeabsatz in Folge der überdurchschnittlich kühlen Witterung, aber auch von einer guten Nachfrage im Bereich Energiedienstleistungen. Dabei ging es vor allem um Infrastruktur-Dienstleistungen in anderen Wärme- und Wassernetzen, klassisches Energiecontracting, Mieterstrom-Modelle und PV-Dienstleistungen. Auch interne Prozessoptimierungen in vielen Bereichen im Rahmen des Programms "SWU 2025" trugen zu der deutlichen Ergebnisverbesserung bei. 

"Unser Ziel war die schwarze Null. Das haben wir geschafft", erklärte SWU-Geschäftsführer Klaus Eder bei der Vorstellung der Bilanz am Donnerstag. Die Rückkehr in die schwarzen Zahlen habe auch die "Moral in der Mannschaft wieder verbessert", zitiert ihn die "Südwestpresse". Das Unternehmen stehe aber angesichts von Energie- und Mobilitätswende aber noch vor großen Herausforderungen.

Deutliche Zuwächse beim Strom- und Erdgasverkauf

Der Umsatz des SWU-Konzerns stieg im vergangenen Jahr auf 460 Mio. Euro (Vorjahr: 443 Mio. Euro). Im Tagesgeschäft konnten die Stadtwerke ihren operativen Gewinn auf 10,5 (Vorjahr: 10 Mio.) Euro steigern. Der Energievertrieb realisierte deutliche Zuwächse. Der Stromabsatz legte um 15 Prozent zu auf 1,24 Mrd. kWh, der Erdgasverkauf um 22 Prozent auf rund 1,62 Mrd. kWh. Bei der Fernwärme resultierte ein Plus von zehn Prozent auf 85,3 Mio. kWh. Die regionale Stromerzeugung ging witterungsbedingt um rund zwölf Prozent auf 104 Mio. kWh zurück, hinzukommen 46 Mio. kWh aus der Kraft-Wärme-Kopplung.

Kohlekraftwerk Lünen bleibt Sorgenkind

Nahezu verdreifacht hat die Tochtergesellschaft SWU Energie ihr Ergebnis, sie erwirtschaftete einen Überschuss von 17,3 Mio. Euro. Das Ergebnis deckt laut SWU sowohl die Verluste aus der Vermarktung des Stroms aus dem Trianel Kohlekraftwerk Lünen (TKL) als auch aus dem Holzgas-Heizkraftwerk Senden ab. Diese schlagen im Falle von Lünen mit einem Minus von 6,8 Mio. Euro (Vorjahr: 8,7 Mio.) und im Fall von Senden mit einem Fehlbetrag von 2,7 Mio. Euro zu Buche.

Das Holzgas-Heizkraftwerk in Senden wurde zu Jahresbeginn von einem neuen Besitzer übernommen, künftig fallen dort keine Belastungen mehr an. Beim Kohlekraftwerk in Lünen rechnet man aufgrund der niedrigen Erzeugerpreise auch künftig mit Belastungen. Ein Ausstieg aus der Betreibergesellschaft TKL ist aber kein Thema. Die Kosten eines Austritts für die SWU würden die Verluste aus der Stromvermarktung weit übersteigen, so Eder.

Deutliche Zuwächse bei Internetkunden

Erfreulich hat sich die Sparte Telekommunikation entwickelt. Die Tochtergesellschaft "SWU TeleNet" konnte den Gewinn auf 888000 Euro (Vorjahr: 772000 Euro) steigern, die Zahl der Internetkunden stieg um zwölf Prozent auf rund 8400. Die SWU haben in den vergangenen Jahren insgesamt 18 dezentrale Stadtteile in Ulm und Neu-Ulm für schnelles Breitband-Internet erschlossen. "Die Investitionen verzinsen sich langsam", freute sich Geschäftsführer Klaus Eder.

Die Verkehrssparte verzeichnete mit 36,7 Mio. Fahrgästen eine stabile Auslastung, der Fehlbetrag fiel mit 13,8 Mio. Euro aber höher aus als im Vorjahr. Die Erhöhung des Defizits um 1,7 Mio. Euro hängt vor allem mit höheren Investitionen, beispielsweise für Busbeschaffungen, und positiven Einmaleffekten im Vorjahr zusammen.

Mitarbeiterzahl steigt wieder

Die SWU haben im vergangenen Jahr rund 65,9 Mio. Euro investiert, einen Großteil davon für den Straßenbahnbau. Das Unternehmen zahlte elf Mio. Euro an Konzessionsabgaben an Städte und Gemeinden. Im Rahmen der Restrukturierung mussten die SWU rund 100 Mitarbeiter abbauen, dies erfolgte ohne betriebsbedingte Kündigungen. Im Jahr 2017 ist die Zahl der Mitarbeiter wieder um sechs Personen auf 955 gestiegen. Der Stellenaufbau habe punktuell in bestimmten Bereichen stattgefunden, laut Lokalpresse geht es insbesondere um Spezialisten für Digitalisierung.

"Das Unternehmen sichert das qualifizierte Personal, um seine Kernkompetenzen auszuspielen und die Wachstumsfelder auszubauen", ergänzt ein SWU-Sprecher auf Anfrage. Dafür habe man zum Beispiel mehr Ausbildungsplätze besetzt als in der Vergangenheit und übernehme die Auszubildenden mit unbefristetem Vertrag. Die Zahl der Auszubildenden erhöhte sich um fünf auf 48. 

Megaprojekt zweite Straßenbahnlinie

Die Optimierungsanstrengungen im Rahmen von SWU 2025 werden fortgesetzt. "In diesem Jahr gehen die SWU verstärkt das Thema Kulturwandel an. Angesprochen sind Themen wie flache Hierarchien, Führungskultur, Förderung der Mitarbeiterkompetenz, Feedback-Kultur und Wertschätzung", heißt es auf Anfrage.



Für 2018 geht die Geschäftsführung von einem "steigenden positiven" Ergebnis aus. Rund 35 Mio. Euro will der Versorger in das Kerngeschäft und 79 Mio. Euro in die zweite Straßenbahnlinie investieren. Ab 9. Dezember werden auf der Linie 2 die Dieselbusse durch zwölf Straßenbahnen ersetzt. Für die SWU ist dies das mit Abstand größte Projekt in diesem Geschäftsjahr. (hoe)

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