Herr Wollscheidt, Gratulation zur Beförderung zum neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen Holding. Für uns kam dieser Wechsel eher überraschend. War das so geplant? Was sind die Hintergründe für den Abgang von Herrn Böddeker?
Julian Wollscheidt: Michael Böddeker ist am 1. Oktober 2015 als Sanierer geholt worden. Damals stand der Konzern kurz vor der Insolvenz. Sanierung und Restrukturierung sind inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen ist stabil und zukunftsfähig aufgestellt. Er hat sich nach getaner Arbeit aus persönlichen Gründen verabschiedet.
Sie sind mit 27 kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken Völklingen geworden, jetzt steigen sie mit 29 zum Geschäftsführer auf. Wie gut fühlen Sie sich auf diesen nächsten Karriereschritt vorbereitet?
Wollscheidt: Als Wirtschaftsingenieur mit meiner mehrjährigen Erfahrung als Prüfungsleiter bei PwC in Luxembourg, einer der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, sowie der zweijährigen Position als kaufmännischer Leiter und Prokurist bei den Stadtwerken Völklingen, bringe ich das notwendige Handwerkszeug und Know-how für meine neue Position mit. Den Konzern Stadtwerke Völklingen habe ich insbesondere im Rahmen der Umfinanzierung und den damit verbundenen Due-Diligence-Prozessen, die ich federführend verantwortet habe, detailliert kennengelernt. Auch brachte es meine bisherige Funktion bei den Stadtwerken Völklingen mit sich, dass ich in der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Herrn Böddeker in sämtliche relevante Entscheidungsprozesse eingebunden war und mich alle Stakeholder kennen. Sie wissen, wie ich arbeite. Das – glaube ich – ist wichtiger als mein Alter.
Das klingt nach einem gesunden Selbstbewusstsein.
Wollscheidt: Die Voraussetzungen für meinen Start als Geschäftsführer sind gut: Wir haben kompetente, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Konzern ist breit und stabil aufgestellt. Ich bin als bisheriger kaufmännischer Leiter und Prokurist mit allen Abläufen vertraut. Die Steuerung von Prozessen und Projekten ist für mich kein Neuland. Wichtig ist für mich bei der strategischen Weiterentwicklung der Unternehmen des Stadtwerke-Konzerns ein enger Schulterschluss mit Gesellschafter und Gremien.
Wie gut sind die Stadtwerke Völklingen nach der langen Restrukturierungsphase jetzt aufgestellt?
Wollscheidt: Der Gesamtkonzern ist für zehn Jahre solide ausfinanziert, auch für Investitionen in die Zukunftsgestaltung. Das ist eine gute Basis. Der Abschluss der Sanierung und Restrukturierung mit der kompletten Umfinanzierung war das, was über die Stadtwerke Völklingen zuletzt nach außen – auch über die Fachmedien – groß wahrnehmbar war. Das war ein wichtiger Meilenstein nach turbulenten Jahren, auch für die Belegschaft.
Aber es hat sich offenbar noch einiges mehr getan?
Wollscheidt: Seither macht der Konzern konsequent seine internen Hausaufgaben. Diese sind weniger öffentlichkeitsrelevant, jedoch genauso wichtig. Dazu zählen beispielsweise die Optimierung von internen Prozessabläufen unter dem Aspekt der Digitalisierung. Ansonsten sind die Prioritäten für die Zukunft klar: Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen, positionieren uns stärker im Dienstleistungssektor und setzen auf die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Als Stadtwerke unserer Größe gilt es hier insbesondere genau abzuwägen, mit welchen wir langfristig Geld verdienen können und wo es schlauer ist, Kooperationen zu bilden.
Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die nächsten Jahre?
Wollscheidt: Für mich steht an erster Stelle, die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu sichern. Dafür braucht er eine grundlegende Rentabilität. Die großen Herausforderungen sind für uns – wie für andere Energieunternehmen auch – der Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie die Digitalisierung. Wir wollen im Markt bestehen, indem wir die interne Effizienz optimieren und alle Prozesse, Produkte und Dienstleistungen eng am Kundennutzen ausrichten. Die Stadtwerke Völklingen sollen weiterhin nicht nur als lokaler Energieversorger, sondern als regionaler Dienstleister das Vertrauen von allen Bürgerinnen und Bürgern in Völklingen genießen und aktiv ihren Beitrag zur Entwicklung von Stadt und Region beitragen.
Können Sie schon sagen, wie das Ergebnis im Geschäftsjahr 2018 in etwa ausgefallen ist?
Wollscheidt: Im Geschäftsjahr 2018 liegen wir im Kerngeschäft auf Planniveau, in anderen Bereichen befinden wir uns noch in der Konsolidierung. Die Jahresabschlüsse werden im Juni veröffentlicht. 2017 haben wir durch die Umfinanzierung stille Reserven in Millionenhöhe gehoben. Dieser Sondereffekt steht 2018 nicht mehr als Ergebnistreiber zur Verfügung. (hoe)



