"1KOMMA5°" schreibt sich das neue Unternehmen des Gründers Philipp Schröder, der zuvor unter anderem bei Sonnen und beim E-Autobauer Tesla tätig war. Der Name bezieht sich auf das im Pariser Klimaabkommen festgehaltene Ziel, die Erderwärmung auf möglichst weniger als 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Das Start-Up aus Hamburg möchte tatkräftig mithelfen, diese Klimaschutzziele in Deutschland einzuhalten.
"Die Zukunft des Energiemarktes ist dezentral. Millionen von flexiblen Erzeugern und Verbrauchern werden die Rolle der zentralen Kraftwerke übernehmen und den Markt dominieren", sagt Schröder. Das bedeute, dass alle Teile dieses Systems nicht nur installiert und gewartet werden, sondern auch sinnvoll in Steuerungs- Marktlogik integriert werden müssten.
Beteiligung an regionalen Unternehmen
1Komma5Grad will in diesem Markt dank strategischer Zukäufe Deutschlands größter Anbieter für die Installation von Klimatechnologie werden, mit Schwerpunkt auf Ladeinfrastruktur, Solaranlagen und Energiespeichern. Andererseits will das neu gegründete Unternehmen auch Lösungen für Service und Steuerung entwickeln, um die genannten Einheiten steuerbarer und intelligenter zu machen.
Konkret will das Start-Up Mehrheitsanteile an regionalen Unternehmen erwerben, die Erfahrung in der Elektrotechnik und der Installation haben und insbesondere Erfahrung bei Spezialanwendungen in der Software und Backend Bereich von dezentraler Energie-Infrastruktur aufweisen.
Nachhaltiges Kapital
1Komma5Grad möchte diese Unternehmen mit Wachstumskapital ausstatten und weiterentwickeln, um eine bundesweite Abdeckung zu ermöglichen. "Gleichzeitig organisieren wir zentral den Einkauf und die Personalgewinnung und setzen gemeinsam mit unseren Unternehmen unsere Kernstrategie um, nämlich neben der bundeweit skalierbaren Installation von Hardware vor allem Konzepte für wiederkehrende Umsätze zu entwickeln", so Schröder weiter.
Investoren seien dabei vor allem professionelle Risikokapitalgeber und Finanzinvestoren. "Außerdem bezahlen wir unsere Beteiligungen neben dem Kaufpreis und Wachstumsfinanzierung auch im erheblichen Maße über eine Rückbeteiligungen, um die langfristige Interessengleichheit zwischen Holding und unseren Unternehmern abzusichern", erklärt der Start-Up-Gründer. Derzeit verhandele das Unternehmen außerdem mit einer Reihe von Investoren, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert hätten.
Konkurrent Enpal
Neben der etablierten Industrie wird sich 1Komma5Grad dabei auch der Konkurrenz von Anbietern wie Enpal stellen müssen. "Enpal setzt vor allem darauf Kunde für die Miete von Solaranlagen zu gewinnen. Sie sind sehr erfolgreich dabei und das beeindruckt uns schwer", sagt Schröder. Das Geschäftsmodell basiere darauf Kunden über 20 Jahre zu binden und seien für die Vermieter der Anlagen äußerst wirtschaftlich.
Dies habe jedoch den Nachteil, dass die Miete auf lange Frist für den Kunden deutlich teurer ist als die einmalige Anschaffung, so Schröder. "Ratsam ist dieses Modell also eigentlich nur dann, wenn der Kunde weder die Eigenmittel noch eine Bankbonität hat, da er sonst bei der Miete deutlich mehr zahlt." Dagegen möchte 1Komma5Grad eine unabhängige Installation und Beschaffungsdienstleistung für Photovoltaik, Energiespeicher und Ladeinfrastruktur anbieten. Ob ein Kunde kaufen, finanzieren oder nur mieten möchte, sei nicht entscheidend.
Potenzial durch Zukäufe
Den potenziellen Umsatz für das Geschäftsmodell von 1Komma5Grad schätzt Schröder in der Zukunft auf mehr als 500 Mio. Euro. "Es wird nur durch unsere verfügbaren Mittel für Zukäufe, unsere Fähigkeit zur Integration der Zukäufe sowie der Umsetzung der gemeinsamen Strategie limitiert", sagt der Gründer. Derzeit verhandeln Schröder und sein Team mit Unternehmern, die teilweise bis zu 50 Mio. Euro mit den relevanten Produkten jährlich umsetzen.
Eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Stadtwerken sei dabei vor allem in zwei Dimensionen denkbar. "Wir haben Interesse Stadtwerken ihre jeweiligen Geschäftseinheiten abzukaufen, sie aber über eine Rückbeteiligung im Boot zu halten und so ihr strategische Interesse in der Region abzusichern", erläutert Schröder.
Unterschiede zu Stadtwerken
Der Unternehmer glaubt, den Wert dieser Betriebe besser zu entwickeln, als viele Stadtwerke das allein könnten. Außerdem könnten Stadtwerke Kunden werden. Insbesondere, wenn sie kein Interesse haben Handwerk, Installation und Organisation selbst zu führen.
"Wir glauben, dass wir erstens attraktiver für sehr gute Mitarbeiter sind, zweitens deutlich agiler und schneller, drittens konsequent unser Geschäftsmodell weiter entwickeln werden und hierdurch einzigartige Vorteile für unsere Kunden liefern", resümiert Schröder. Zudem sei 1Komma5Grad insbesondere für Kunden und Mitarbeiter glaubwürdiger mit Blick auf die Unternehmensziele. "Und natürlich sind wir cooler und wollen Handwerk wieder 'sexy' machen." (jk)
