Der Markt für Energieeffizienz-Dienstleistungen (EEDL) ist in Deutschland bereits sehr ausdifferenziert. Projektträger können im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ einfach eine ausreichende Finanzierung für ihre Vorhaben bekommen. Anders sieht es bei der Marktentwicklung aus: Hier bewerten Anbieter aus dem Rest Europas den EEDL-Markt insgesamt eher als wachsend, deutsche Dienstleister hingegen sprechen überwiegend von Stagnation. Das zeigt eine Erhebung im Rahmen des Forschungsprojekts "QualitEE". Jetzt liegen eine europäische Auswertung sowie einzelne Länderberichte vor. Den Länderbericht zum deutschen EEDL-Markt erstellte die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW).
"Eher verhaltene Marktentwicklung"
Der Bericht zeige deutlich, dass die Grundlagen für erfolgreiche Energieeffizienz-Dienstleistungen in Deutschland vorhanden seien, sagt Stefan Schulze-Sturm, Leiter Forschungsprojekte bei der ASEW. "Allein: Die Marktentwicklung bleibt nach wie vor eher verhalten, das Wachstum muss jedoch deutlich beschleunigt werden, um Potenziale für signifikante Beiträge zum Klimaschutz und zum Energieeffizienz-Ziel zu heben." Als Hürden hätten EEDL-Anbieter in Deutschland vor allem eine zu geringe Kundennachfrage, Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Politik sowie in Bezug auf Förderung, mangelnde Unterstützung durch die deutsche Regierung, und nicht zuletzt auch einen generellen Mangel an Vertrauen in die EEDL-Anbieter identifiziert.
Standardisierung von Qualitätskriterien
Insbesondere das mangelnde Vertrauen in die Anbieter sei eine große Hürde. "Ohne das grundlegende Vertrauen wird der EEDL-Markt in Deutschland nie durchstarten. Auch deshalb fokussiert sich das Projekt QualitEE auf die Standardisierung von Qualitätskriterien für EEDL sowie die Institutionalisierung des Qualitätssicherungsprozesses", so Schulze-Sturm. Es gebe aber auch Faktoren, die den Markt im betrachteten Zeitraum vorangebracht hätten. Beispielsweise sinkende Budgets im öffentlichen Sektor, garantierte Energieeinsparungen in realisierten EEDL, steigende Energiepreise sowie anziehende Fördersummen für die Projektrealisierung.
Begünstigend könnten sich künftig hier die anziehenden Energiepreise auswirken. Denn je höher die Energiepreise, desto höher der Wert der durch EEDL eingesparten Energie. "Hier tun sich die Anbieter in Deutschland oft noch schwer, den Kunden Energieeinsparungen (Energiesparcontracting) vertraglich zu garantieren", heißt es in der Pressemitteilung der ASEW.
Signifikanter Klimaschutz-Beitrag möglich
Insgesamt zeige die QualitEE-Erhebung: Der EEDL-Markt in den beteiligten Ländern sei so breit aufgestellt, dass hierüber bei einer erheblichen Ausweitung entsprechender Leistungen ein ernstzunehmender Beitrag sowohl für Klimaschutzziele, wie auch für eine Steigerung der Energieeffizienz geleistet werden könne. Das Projekt QualitEE startete im Juni 2017. Für die Projektdauer von drei Jahren finanziert das Horizon-2020-Programm den Projektansatz und ermöglicht den 12 Projektpartnern, in 18 europäischen Staaten Qualitätsakzente für den EEDL-Markt zu setzen. Länder- sowie Projekt-Gesamtbericht finden sich unter https://qualitee.eu/de/publications. (hoe)


