Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) will in den nächsten Jahren durch die Inbetriebnahme eines eigenen Rechenzentrums und mit einem verstärkten Ausbau der Windkraft weiter wachsen. Die Bauarbeiten für das Datacenter in Offenbach laufen gegenwärtig, der neue Windpark der EVO soll noch in diesem Sommer den Betrieb aufnehmen, wie der EVO-Vorstandsvorsitzende Christoph Meier vor Journalisten bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens berichtete.
„Insgesamt umfassen unsere Projekte bis zum Ende des Jahres 2022 eine Gesamtinvestitionssumme von mehr als 250 Millionen Euro“, machte Meier deutlich. Sein Fazit zur Bilanz: „Wir sind auf einem sehr guten Weg und packen Großprojekte an. Mit unseren grünen Ideen schreiben wir schwarze Zahlen. Unsere Strategie stimmt – daher können wir auch für die nächsten Jahre eine positive Prognose zum Geschäftsverlauf stellen.“
Zwei Großprojekte
Der erste Teilabschnitt des Rechenzentrums soll bereits im Oktober 2020 den Betrieb aufnehmen, Grundsteinlegung soll am 20. März sein. Für das Projekt hat die EVO mit zwei Partnern das Joint-Venture „Main DC Offenbach GmbH“ gegründet, wobei die EVO 50 Prozent der Anteile hält. Das Investitionsvolumen beträgt 160 Mio. Euro. Das Bauwerk soll bei einer Grundfläche von 7.800 Quadratmetern eine Brutto-Geschossfläche von 22.000 Quadratmetern haben, in den Räumen sollen 3.300 Computer-Schränke Platz finden.
Ebenfalls weit fortgeschritten ist der Bau des neuen Windparks im Main-Kinzig-Kreis, der gemeinsam mit den Kreiswerken Main-Kinzig für 35 Mio. Euro errichtet wird. Bisher betreibt die EVO 39 Windkraftanlagen. Bis September 2020 sollen auf der Gemarkung von Jossgrund sechs weitere Anlagen dazukommen, die durchschnittlich 50 Mio. kWh Strom pro Jahr erzeugen. Aktuell werden die ersten Türme der Windanlagen errichtet. Insgesamt wird die EVO dann rechnerisch rund 240.000 Menschen mit Ökostrom versorgen.
Deutlicher Gewinnanstieg
Mit der Geschäftsentwicklung der EVO zwischen Oktober 2018 und September 2019 zeigte sich Vorstandschef Meier sehr zufrieden. Das EBIT in der EVO-Gruppe ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,6 Prozent oder 3,2 Mio. auf 30,7 Mio. Euro gestiegen. Im Vorjahr betrug der Anstieg 5 Mio. Euro, die Steigerung des EBIT über die vergangenen zwei Jahre liegt bei insgesamt fast 40 Prozent. Der Jahresüberschuss der AG ist um 23,2 Prozent oder 11,2 Mio. Euro gestiegen und beläuft sich auf 13,8 Millionen Euro.
Die Bilanzsumme der EVO-Gruppe ist von 556,2 Mio. auf 595,8 Mio. Euro gestiegen. Die Umsatzerlöse stiegen nur leicht – von 366,5 Mio. auf 368,8 Mio. Euro. Die Aktionäre erhalten für das Geschäftsjahr 2019 eine deutliche höhere Dividende von 74 Cent je Aktie, im Vorjahr waren es 61 Cent. Rund 6,6 Millionen Euro fließen damit jeweils an die beiden Hauptaktionäre, die MVV Energie AG und die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH. Rund 500.000 Euro werden an die Anteilseigner aus dem Kreis der Belegschaft ausgeschüttet.
Klares Ja zum Kohleausstieg
Auch Technikvorstand Günther Weiß hatte gute Nachrichten: „Erfreulicherweise wächst unsere Region seit Jahren nennenswert: Entsprechend steigt auch der Strombedarf – nicht nur durch den signifikanten Bevölkerungszuzug, sondern etwa auch durch die zunehmende E-Mobilität.“ In den nächsten Jahren solle daher die Leistungsfähigkeit des Netzes weiter erhöht werden; das Investitionsvolumen bis Ende des Kalenderjahres 2022 belaufe sich durch diese Bauvorhaben auf rund 35 Mio. Euro.
Eine klare Position bezog Weiß zum Kohleausstieg: „Bis zum Ende dieser Dekade wollen wir daher unser Kohlekraftwerk am Offenbacher Nordring, das die Stadt mit Strom und Wärme versorgt, durch eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative ersetzen.“ Es gebe keine Denkverbote: „Wir werden uns für die beste Lösung entscheiden.“ Der EVO-Vorstand ließ aber keinen Zweifel daran, dass Offenbach als Kraftwerks-Standort unverzichtbar für die Versorgung der Bürger sei, vor allem gelte dies für die Wärmeversorgung. (sig)
